Enron-Skandal Top-Manager erschoss sich

Clifford Baxter, der Ex-Vizechef des bankrotten US-Konzerns, ist tot in seinem Mercedes gefunden worden. Der 43-Jährige hatte das Unternehmen im April verlassen und galt als Kritiker der fragwürdigen Praktiken Enrons.

Houston - Der ehemalige Vizevorsitzende des bankrotten Energiekonzerns Enron ist tot. Der 43-Jährige hat sich nach Angaben der US-Behörden durch einen Kopfschuss das Leben genommen.

Baxters Leiche war am frühen Freitag (US-Zeit) in einem Vorort von Houston (Texas) tot auf dem Fahrersitz seines Mercedes entdeckt worden. Unweit der Fundstelle befand sich das Wohnhaus Baxters.

Neben dem Toten fand die Polizei einen Abschiedsbrief und einen Revolver. Es gebe keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Die Polizei gehe deshalb von einem Selbstmord aus, sagte Behördensprecherin Patricia Whitty. Über den Inhalt des Abschiedsbriefs wurde zunächst nichts mitgeteilt.

Baxter kritisierte Enrons Verstrickungen

Baxter war im April aus dem Enron-Vorstand ausgeschieden, mehrere Monate vor dem Zusammenbruch des Konzerns. Als Grund wurde damals genannt, Baxter wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen.

Von den US-Medien wurde der Ex-Vizechef in den vergangenen Wochen nicht als Mitverantwortlicher für den skandalösen Enron-Bankrot beschrieben. Hauptargument: In einem Schreiben der Enron-Managerin Sherron Watkins an ihren damaligen Chef wird Baxter ausdrücklich erwähnt, und zwar als Kritiker der fragwürdigen finanziellen Praktiken des Unternehmens. Der Brief, im August geschrieben, ist als belastendes Indiz für Enrons krumme Geschäfte in Presse und TV häufig zitiert worden.

Im Visier der Justiz

Baxter gehörte jedoch auch zu den 29 Managern und Ex-Managern, gegen die wegen zweifelhafter Aktienverkäufe zwischen Oktober 1998 und November 2001 ermittelt wird. Angeblich soll er mit nicht zulässigen Verkäufen von Enron-Papieren 35,2 Millionen Dollar erlöst haben.

Baxter war 1991 in das Unternehmen eingetreten. In einer Erklärung bedauerte Enron seinen Tod. Das Unternehmen sprach von einem tragischen Verlust. Vor seiner Berufung in den Konzernvorstand war er Leiter des Nordamerika-Geschäfts.

Die Enron-Pleite gilt als der größte Konkurs in der Geschichte der USA. Mitte November hatte der Energie-Konzern eingeräumt, dass der Gewinn in den vergangenen vier Jahren um rund 20 Prozent zu hoch angegeben und ein Großteil der Schulden von 15 Milliarden Dollar nicht in den Bilanzen ausgewiesen worden waren.

Die größte US-Pleite

Nach gescheiterten Übernahmeverhandlungen mit Dynegy hatte Enron Anfang Dezember Gläubigerschutz nach Paragraph 11 des US-Konkursgesetzes beantragt. Am Mittwoch gab der Chef des Pleiteunternehmens, Kenneth Lay, seinen Rücktritt bekannt.

Verschiedene Ausschüsse des US-Kongresses, das Justizministerium und die Börsenaufsicht untersuchen derzeit die Umstände, die zu dem Zusammenbruch Enrons geführt haben. Unter anderem geht es um den Verdacht von Bilanzfälschung und von Insidergeschäften.

Lay hatte den Wahlkampf von US-Präsident Georg W. Bush 2000 großzügig unterstützt. Lay hatte den einstigen Börsenstar seit 1986 geführt. Enron war damals aus der Fusion der beiden Gas-Pipeline-Gesellschaften Houston Natural Gas und Internorth hervorgegangen.

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