DGB Chef Schulte tritt nicht wieder an

Nach acht Jahren an der Spitze der Arbeitnehmerorganisation räumt Dieter Schulte seinen Sessel. Die Suche nach einem Nachfolger ist in vollem Gange.

Berlin - Dieter Schulte, langjähriger Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), verzichtet auf eine dritte Amtszeit. Der 62-jährige erklärte in Berlin, er habe nicht die Absicht auf dem DGB-Kongress im Mai erneut zu kandidieren. "Ich arbeite seit 1954 ununterbrochen, das ist eine verdammt lange Strecke", erklärte der DGB-Chef seine Entscheidung.

Allerdings mehren sich Stimmen, die behaupten, dass die Amtsmüdigkeit nur vorgeschoben sei. Schulte hätte gern weiter gemacht, es fehle ihm allerdings an Rückendeckung in den Einzelgewerkschaften, will die Tageszeitung "Die Welt" aus Gewerkschaftskreisen erfahren haben.

Die Suche nach einem Schulte-Nachfolger ist nun in vollem Gange. Die Gewerkschaftsvorsitzenden haben den Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, beauftragt, geeignete Kandidatinnen oder Kandidaten zu finden. "Ich bin überzeugt, dass er bereits auf der Sitzung des DGB-Bundesvorstands Anfang März Vorschläge machen kann, die gut und mehrheitsfähig sind", sagte Schulte.

Steht der Nachfolger bereits fest?

Trotzdem soll der Nachfolger intern bereits feststehen. Michael Sommer, Vize-Chef der größten DGB-Gewerkschaft, Verdi, sei der Neue, berichtet "Die Welt". Allerdings war bisher kein führender Gewerkschafter bereit, diese Spekulationen zu bestätigen. Für eine Inthronisierung Sommers spreche auch der von Schulte verkündete Rücktritt des DGB-Vorstands Günter Dickhausen, berichtet die Tageszeitung weiter. Lange Zeit habe sich die IG-Metall gegen den Verdi-Vizechef Sommer gesträubt, da nach Schultes Abgang kein Metaller mehr im DGB-Vorstand gesessen hätte. Nun mache Dickhausen Platz für einen IG-Metall-Kandidaten.

Dieter Schulte blickt auf eine lange Gewerkschaftskarriere zurück. 1957 trat der gebürtige Duisburger in die damalige Gewerkschaft IG Bau-Steine-Erden ein. Nach seinem Wechsel zur IG Metall übernahm er 1990 die Leitung des Gesamtbetriebsrats der Thyssen Stahl AG, und ein Jahr später wurde er Vorstandsmitglied der IG Metall. Nach dem plötzlichen Tod des DGB-Vorsitzenden Heinz-Werner Meyer 1994 trat Schulte dessen Nachfolge an.