BASF Jobsharing

Der Wachwechsel wird entzerrt - mit Rücksicht auf die Börse. Finanzchef Kley bekommt drei Nachfolger.
Von Heide Neukirchen

Wenn ein Unternehmensbereich der BASF schlecht läuft, wenn Preise darnieder- und Kapazitäten brachliegen, verschickt BASF- Finanzchef Max Dietrich Kley (61) gern Päckchen. Die verantwortlichen Konzernkollegen bekommen von ihm Zigarren der Edelmarke Monte Christo.

Dem Absender geht es keineswegs um platte Symbolik, niemandem will er die sprichwörtliche Zigarre verpassen. Nein, die Tabakware ist als Trost und Ansporn gedacht.

Die Zigarrenpakete könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Finanzchef Kley, gleichzeitig stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Chemie-Multis, soll früher in den Ruhestand wechseln als bisher geplant, nämlich schon im Herbst 2002. Ursprünglich wollten Kley und Vorstandsvorsitzender Jürgen Strube (62) zur Hauptversammlung im Mai 2003 ihren Abschied nehmen. Gedacht war dies als Demonstration der Harmonie: Die beiden wichtigsten Männer der BASF treten gemeinsam ab - nach jeweils drei Jahrzehnten in der Firma.

Die Ankündigung der Pensionierung im Doppelpack kommt jedoch bei vielen Investoren und Analysten schlecht an. Vor allem Angelsachsen zeigen wenig Verständnis. Bei großen US-Gesellschaften gilt es als Alarmzeichen, wenn Chief Executive und Chief Financial Officer gleichzeitig ausscheiden. Meistens sinken dann die Börsenkurse.

Also heißt die Devise auch für BASF: den Wachwechsel entzerren - am besten so, dass erst der Finanzmann geht und später der Vorstandschef.

Kleys Multijob wird dreigeteilt

Dass der Primus länger amtiert als vorgesehen, kommt in diesem Fall nicht in Frage. Strube soll den BASF-Aufsichtsratsvorsitz von Berthold Leibinger übernehmen. Der ist schon 71 und will nicht länger auf seine Ablösung warten.

Bleibt die Möglichkeit, die Pensionierung Kleys vorzuziehen. Und genauso soll es auch geschehen.

Freilich ist der Mann nicht leicht zu ersetzen. Jurist Kley, dessen Vater Vorstand bei Siemens war und dessen Bruder Karl-Ludwig Finanzchef der Lufthansa ist, hat mehr Aufgaben als nur die Überwachung der Konzernkasse. Er betreut den Unternehmensbereich Lacke sowie das wichtige Arbeitsgebiet Öl und Gas; in dieser Funktion sitzt er dem Aufsichtsrat der hochrentablen BASF-Energietochter Wintershall vor.

Ein allzu breites Anforderungsprofil für nur einen Nachfolger. Deshalb wird der Multijob nun aufgeteilt.

Ein Nachfolger für die Lacksparte ist bereits gefunden. Die Aufsichtsräte beförderten den Unternehmensbereichsleiter Klaus Peter Löbbe (55) per 1. Januar 2002 in den Vorstand.

Der Posten des Finanzchefs läuft auf Eckhard Müller (50) zu, den Leiter des Bereichs Finanzen. Der promovierte Volkswirt (Konzernjargon: "Geld-Müller") arbeitete unter anderem für die BASF als Cash-Manager in den USA und als Direktor für Finanzen und Logistik in Japan.

Fehlt noch ein Mann für Öl und Gas und für den Aufsichtsratsvorsitz bei Wintershall. Ein Kandidat ist BASF-Vorstand John Feldmann (53).

Aber diese Besetzung ist noch offen - ebenso wie die Frage, ob nach Kleys Ausscheiden ein anderer die Zigarren verschickt.