Jost Stollmann Der segelnde Beinahe-Minister

Das schwimmende Klassenzimmer? Familie Stollmann geht auf zweijährige Weltumsegelung. Für seine Kinder sucht der ehemalige Ministerkandidat noch einen Deutschlehrer.

Neulich im Anzeigenteil der "Zeit". Unter der Rubrik Chancen findet sich folgende Annonce: Einmalige Chance für einen Deutsch-Gymnasiallehrer auf einer Weltumsegelung. Das macht neugierig. Mal weiterlesen. Die Kontaktadresse? jst@create-it.de. Moment. Das ist doch die Adresse von Jost Stollmann. Stollmann? Ja genau, der ehemalige designierte Wirtschaftsminister in Gerhard Schröders Schattenkabinett.

Mit hoch gesteckten Zielen war der Quereinsteiger damals, anno 1998, angetreten. "Möglichst viel Bewegung" wollte er in die Politik bringen, um so "die Trendwende am Arbeitsmarkt" einzuleiten. Dann allerdings das jähe Ende. Nach heftigem Kompetenzgerangel mit dem damaligen Finanzminister in spe, Oskar Lafontaine, warf Stollmann enttäuscht das Handtuch.

Schmollend kehrte Stollmann der politischen Bühne den Rücken. Und ehrlich gesagt schien ihn auch keiner so recht zu vermissen. Einzig das manager magazin erinnerte sich wenige Jahre später an den Beinahe-Minister, und fragte sich Anfang 2001 besorgt: "Was macht eigentlich Jost Stollmann?" Der hatte sich mittlerweile als Vorstand der Create It Services AG in Lohmar bei Köln aus dem öffentlichen Leben verabschiedet.

Luxusyacht für zehn Millionen Euro

Nun probt Stollmann also erneut den Ausstieg. Diesmal allerdings nicht aus der Politik, sondern aus dem alltäglichen Leben. Ähnlich wie der portugiesische Seefahrerheld Ferdinand Magellan will Stollmann die sieben Weltmeere befahren. Extra dafür hat sich der Multimillionär von der Traditionswerft Abeking & Rasmussen eine Segelyacht der Superlative bauen lassen. 40 Meter soll das Prachtstück messen.

Nach Angaben der Fachzeitschrift "Yacht" liegt der Meterpreis bei Schiffen dieser Art bei ungefähr 256.000 Euro. Somit lässt sich der Preis für Stollmanns Luxusyacht auf runde zehn Millionen Euro taxieren. Nicht genug: Damit seine fünf schulpflichtigen Kinder nicht zu viel Lernstoff verpassen, hat Papa Stollmann noch einmal tief in die Tasche gegriffen. Das Boot verfügt über zwei ultramoderne Satellitenanlagen, die auch zu Wasser den Zugang ins Internet ermöglichen. Darüber hinaus hat Stollmann die Schulen mit Computern und Internetzugängen ausgestattet, damit sein Nachwuchs von Bord aus den Kontakt mit den Klassenkameraden daheim halten kann.

Nun sucht Stollmann noch Lehrer, die das Boot während des zweijährigen Segeltörns in ein schwimmendes Klassenzimmer verwandeln sollen. Aber Interessenten aufgepasst: So plötzlich wie damals die politischen Pläne könnten sich auch Stollmanns Segelambitionen schnell als heiße Luft entpuppen.

Russel Njiken-Kemwa