Kim Schmitz Kimble auf der Flucht

Nun ist er weg. Auf und davon. Wie Graf Zahl aus der Sesamstraße mit Paukenschlag, Feuerwerk und viel künstlichem Nebel. Die schillerndste Persönlichkeit der New Economy hat die Bundesrepublik verlassen.

Hamburg - Die "Bild"-Zeitung wusste es schon vorher, natürlich. Kim Schmitz, der schwergewichtige Exot unter den Dotcom-Blendern, hat sich aus dem Staub gemacht. Der vermeintlich gute Grund: die Bundesrepublik. Sic. Denn die hat ihn nie verstanden, ihn, den Visionär, den Unternehmer, den Gutmenschen.

Zuletzt hatte Schmitz mit seiner Anti-Terror-Einheit "Yihat" von sich reden gemacht. Das stand für "Young intelligent Hackers against Terror" und war eine unglaublich wirksame Aktion, mit der Schmitz eine Elite-Hackertruppe zusammenbringen wollte, um die Konten bekannter Terroristen rund um Osama Bin Laden zu leeren.

Platte Publicity

Schmitz veröffentlichte entsprechende Namenslisten, rief zu Hack-Aktionen auf und benannte natürlich auch eine Adresse, an welche die erhackten Millionen zu senden seien. Wo könnten Terrorgelder besser aufgehoben sein, als auf den Konten von Kim Schmitz? Seit langem wird in der Internet-Branche gemunkelt, da wäre sowieso gerade genügend Platz.

Doch die dreist platzierte PR-Aktion währte nicht lange. Die Hackergruppe "Fluffy Bunny", die mit dem rosa Kaninchen, schossen Kimbles Website kurzerhand ab. Die Site verschwand, die Geldsorgen des gestürzten Dotcom-Engels nicht.

Denn pekuniärer Gram plagt den IT-Sicherheitsberater, seitdem ihn seine Fortune verlassen hat. Zuletzt hatte der umstrittene Jung-Millionär mit seiner Firma Data Protect Consulting Schiffbruch erlitten. Deren Geschäftsführer Detlev Henze musste Anfang September vergangenen Jahres einen Insolvenz-Antrag für das Unternehmen stellen.

Jetzt aber hat Schmitz die Nase voll. Er ist enttäuscht, teilt er beleidigt allen, die es wissen wollen, auf seiner Website mit. Außerdem hoch verschuldet, wie die "Bild" weiß. Eine ausstehende Summe von 675.000 Mark wird kolportiert, die Gläubiger sollen keine Banken, sondern windige Geldhaie aus dem Münchner Milieu sein. Und die haben keinen Humor und auch nicht die Engelsgeduld geprellter Anleger. Die von der Polizei ignorierten Morddrohungen sollen es sein, die den armen Kim Schmitz aus dem Land getrieben haben.

"Legends may sleep, but they never die"

Und so zieht denn der selbsternannte Kimble unter www.kimble.org  den verbitterten Schlussstrich unter sein stets torpediertes Unternehmerdasein in dieser Republik.

Die hat er waidwund verlassen, "weil Verbrecher das Leben eines deutschen Staatsbürgers bedrohen und trotz Anzeige die Staatsgewalt erst greift, wenn man entführt oder tot ist." Und so weiter und so weiter, da steht sie, die längst vergessen geglaubte Litanei der Politikverdrossenen. Das treibt dem verständnisvollen Anleger die Tränen in die Augen, und die schuldlosen Visionäre aus dem Land.

Aber, Schmitz sei's gedankt, seine deutschen Kimble-Maniacs lässt er im Gegensatz zu Gläubigern und Finanzamt nicht im Stich: In der nächsten Woche startet unter www.kimble.org  das Kimpire-Projekt. Wahrscheinlich wie immer farbenfroh, pompös und wirkungslos.

Allen Nicht-Surfern jedoch wird Herr Schmitz fehlen mit seinen phantasievollen Geschichten. Ein Trost bleibt trotzdem auch ihnen: Der finale Gruß des Kimbleschmitz lautet: "Legends may sleep, but they never die." Man wird sehen.

Karsten Schmidt