EM.TV Werners Volte

Der EM.TV-Chef ist nicht einmal 100 Tage im Amt, da sorgt Werner E. Klatten bereits für die erste große Überraschung: Marius Schwarz muss seinen Posten als Finanzchef ruck, zuck räumen. Pikant an Klattens Personalpolitik allerdings ist, dass er den "ausgewiesenen Finanzprofi" Ende August selbst angeheuert und als "klasse Akquisition" gelobt hatte.

Unterföhring/Hamburg - Natürlich sei diese Volte nicht schön, meint der EM.TV-Chef. "Für mich hat sich allerdings neu herausgestellt, dass Schwarz sehr enge Beziehungen zur Familie Kirch hat." Beide Sippen seien über den Vater familiär eng verbunden - ein Umstand, den Klatten vor Vertragsunterzeichnung nicht gekannt haben will.

Diese Nähe zu Leo Kirch stehe im Widerspruch zu dem, was er für EM.TV  für richtig halte, begründet Klatten den plötzlichen Schritt. Insbesondere im Hinblick auf die Deals, die er mit der Kirch-Gruppe plane, sei es geboten, den Eindruck "emotionaler Dankbarkeit" zu vermeiden. Der Kapitalmarkt beäuge sein Medienunternehmen sehr genau, meint der EM.TV-Chef, da könne er sich den Verdacht, es gebe möglicherweise eine "Kungelei" mit Kirch, nicht erlauben.

Klatten will vorerst die Aufgaben des Finanzressorts selbst übernehmen. Damit besteht der Vorstand von EM.TV nur noch aus ihm und dem Marketingvorstand Rainer Hüther.

Die Liquiditätslage seines Unternehmens bezeichnet Klatten als "entspannt". Viele kleine Verkäufe und Stilllegungen von Firmen im verschachtelten EM.TV-Reich hätten die finanzielle Lage des angeschlagenen Medienunternehmens verbessert. Nur der Aktienkurs hat Klattens Taten bisher noch nicht honoriert: Er dümpelt seit September um die Zwei-Euro-Marke.


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