Deutsche Bank Abschied vom "Vorstandssprecher"?

Offenbar soll Rolf Breuer neuer Präsident des Bankenverbandes werden. Sein designierter Nachfolger als Chef des Geldhauses, Josef Ackermann, fordert unterdessen schon mal mehr Kompetenzen und kritisiert die Schwachstellen der Bank.

Frankfurt/Main - Ackermann, der im Mai 2002 die Nachfolge Breuers als Vorstandssprecher der Deutschen Bank  antreten wird, hat für eine Weiterentwicklung dieses Amtes in Richtung eines amerikanischen Chief Executive Officer plädiert. Er sei sich hierin mit Breuer einig, sagte Ackermann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) am Rande eines Mittelstandskongresses.

Diese Ausweitung der Kompetenzen sei nötig, da internationale Investoren nach klaren Führungsstrukturen in den Unternehmen verlangten, so Ackermann.

In seinem Vortrag vor 150 mittelständischen Unternehmen kritisierte der designierte Chef, der sich bisher mit öffentlichen Auftritten betont zurückgehalten hatte, überraschend deutlich die Schwachstellen der Deutschen Bank.

"Theoretisch übernahmegefährdet"

Die Aufstellung sei zu breit, die Kostenstruktur zu aufgebläht und das Kreditvolumen zu groß. Im Massengeschäft und in den Filialen müsse eine "größere Lösung" gesucht werden, das Asset Management hätte noch Nachholbedarf. Für die von Breuer geführte Sparte gab Ackermann als Ziel einen Gewinnbeitrag von 40 Prozent aus. Zurzeit sind es nur zehn Prozent, das sei "nicht gut".

Im internationalen Vergleich sieht er die deutschen Großbanken schlecht positioniert. Fast alle seien inzwischen übernahmegefährdet. Dies gelte theoretisch auch für die Deutsche Bank, deren Börsenwert nur ein Achtel bis ein Neuntel desjenigen der amerikanischen Citigroup betrage.

Gerüchte über einen vorzeitigen Wechsel an der Bankspitze bezeichnete der designierte Chef gegenüber der "FAZ" dagegen als "Quatsch".

Breuer neuer Bankenpräsident?

Unterdessen hieß es am Bankenplatz Frankfurt, Breuer solle die Führung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) übernehmen. Dies sei aber nicht mit einem sofortigen Ausscheiden aus der Deutschen Bank verbunden. Der derzeitige Präsident des Interessenverbandes der privaten Banken, Frank Heintzeler, beabsichtigt nach einem Bericht der "Börsen-Zeitung", sein Amt niederzulegen. Eine Entscheidung darüber solle auf der BdB-Vorstandssitzung am nächsten Freitag fallen.

Heintzelers Abgang hatte sich abgezeichnet, da die von ihm geleitete Baden-Württembergische Bank ab nächstem Jahr mehrheitlich der öffentlich-rechtlichen Landesbank Baden-Württemberg gehören wird.