Enron Chef lehnt Goldenen Handschlag ab

Auf eine Rekordabfindung in Höhe von über 60 Millionen Dollar verzichtet Kenneth Lay, Chairman und CEO des Energiekonzerns.

Houston - Bei Abschluss der Übernahme von Enron durch den Konkurrenten Dynegy würden Enron-Chef Kenneth Lay über 60 Millionen Dollar Abfindung zustehen. Eine entsprechende Klausel aus Lays Vertrag hatte das Unternehmen am Dienstag in einer Pflichtmitteilung bekannt gegeben.

Angesichts der Situation des Unternehmens und nach Gesprächen mit Beschäftigten habe Lay entschieden, auf die Zahlung zu verzichten, erklärte Unternehmenssprecher Vance Meyer.

In Lays Vertrag stand seit 1989 eine Klausel, nach der ihm bei einem Führungswechsel für jedes volle verbleibende Vertragsjahr 20,2 Millionen Dollar zustehen. Da der Abschluss der Übernahme für nächstes Jahr erwartet wird, hätte die Klausel in seinem bis zum 31. Dezember 2005 laufenden Vertrag Lay 60,6 Millionen Dollar eingebracht. Dazu wären noch bestimmte außerordentliche Steueraufwendungen gekommen.

Der langjährige Konzernchef hatte allerdings allein in den letzten beiden Jahren durch Aktienoptionen bereits 150 Millionen Dollar kassiert.

Verwaltungsräte hatten der Fusion schon zugestimmt

Lay hatte sowohl beim Aufstieg als auch beim Fall von Enron eine Schlüsselrolle gespielt. Das Unternehmen hatte sich im Rahmen der Deregulierung des US-Strommarkts innerhalb weniger Jahre von einer mittelgroßen Erdgas-Pipeline-Firma zum mit Abstand größten US-Energiehändler entwickelt.

Durch einen Finanzskandal geriet Enron jedoch an den Rand des Ruins. Der um knapp drei Viertel gefallene Börsenwert erlaubte der wesentlich kleineren Dynegy die Übernahme des Branchenführers.

Die Verwaltungsräte beider Firmen haben dem Verkauf für knapp acht Milliarden Dollar in Aktien und die Übernahme von 13 Milliarden Dollar Schulden bereits zugestimmt. Die kartellrechtliche Überprüfung gilt aber als schwierig und wird noch eine Weile dauern.

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