Donnerstag, 5. Dezember 2019

EM.TV Nun hat der Richter das Wort

Die ehemaligen Vorstände Thomas und Florian Haffa müssen sich wegen Kursbetrugs und unrichtiger Darstellungen verantworten. Der Staatsanwalt hat Anklage erhoben.

Florian und Thomas Haffa
REUTERS
Florian und Thomas Haffa

München - Nach mehrmonatigen Ermittlungen hat die Münchener Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen die früheren EM.TV-Vorstände Florian und Thomas Haffa erhoben. Es besteht ein Verdacht auf Kursbetrug und Abgabe unrichtiger Darstellungen. Den beiden Brüdern wird vorgeworfen, im August 2000 bewusst falsche Halbjahreszahlen des Unternehmens veröffentlicht zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Außerdem sollen sie zwischen Oktober und Mitte November vergangenen Jahres die Geschäftsentwicklung ihres Unternehmens in Interviews und Vorträgen zu positiv dargestellt haben. Sie hätten dabei wider besseren Wissens mehrfach an ihren Jahresprognosen festgehalten.

Verlust von 2,8 Milliarden Mark

Die EM.TV AG Börsen-Chart zeigen hatte für das Jahr 2000 noch im November einen Gewinn von 600 Millionen Mark angekündigt. Tatsächlich meldete das Unternehmen dann einem Jahresverlust von 2,8 Milliarden Mark. Die Aktie brach nach dieser Nachricht dramatisch ein und verlor rund 90 Prozent an Wert.

Florian Haffa wird zusätzlich vorgeworfen, im Rahmen eines Investorentreffens Ende September 2000 in den Vereinigten Staaten falsche Halbjahreszahlen für das Medienunternehmen präsentiert zu haben. Damals saß der jüngere Bruder von Firmengründer Thomas Haffa noch als stellvertretender Vorsitzender im Vorstand. Im Sommer war zudem ein Ermittlungsverfahren wegen Insider-Verdachts gegen den ehemaligen Finanzvorstand eingeleitet worden. Es wurde jedoch Ende August eingestellt.

Die Beschuldigten halten sich für unschuldig

Die Brüder Haffa ließen erklären, ihre Verteidigung sei überzeugt, dass sich die Anklagevorwürfe als unbegründet herausstellen werden. "Die Herren Thomas und Florian Haffa haben in ihrer Zeit als Vorstandsmitglieder der EM.TV die Vermögenslage des Unternehmens und die Prognosen stets nach bestem Wissen und Gewissen beurteilt und kommuniziert." In der deutschen Justizgeschichte habe es noch nie eine Verurteilung auf Grund der Vorschriften gegeben, auf die sich die Staatsanwaltschaft berufe.

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