Hapag-Lloyd Der Kapitän muss von Bord

Der erfolgreiche Sanierer Bernd Wrede wird die Reederei nach fast 20 Jahren verlassen. Die Umstände deuten auf eine Trennung im Unfrieden hin.

Hamburg - Der langjährige Vorstandsvorsitzende von Hapag-Lloyd, Bernd Wrede, wird das Unternehmen überraschend zum Jahresende verlassen. Sein Vertrag laufe zum 31. Dezember aus, erklärte der Mutterkonzern Preussag am Dienstag.

Die Preussag dankte dem 58-Jährigen für die erfolgreiche Führung der Hapag-Llyod. Gründe für die Trennung wurden in der äußerst knappen Mitteilung aber nicht genannt.

Wrede hatte zunächst als Finanzchef ab 1982 und dann als Vorstandsvorsitzender ab 1993 maßgeblichen Anteil an der Sanierung des traditionsreichen Hamburger Unternehmens. Der einstmals krisengeschüttelte Konzern wandelte sich unter seiner Leitung in eines der weltweit führenden Schifffahrtsunternehmen.

Bis 1997 hielten mehrere große Finanz- und Industrieunternehmen die Aktien von Hapag-Lloyd, bis die Preussag sich mit 99,7 Prozent beteiligte. Es begann eine Phase mehrfacher Um- und Neustrukturierungen, in der sich Wrede für Preussag-Chef Michael Frenzel als schwieriger Partner erwies. Er verhinderte eine mögliche Zerschlagung des Hapag-Lloyd-Konzerns, sicherte die Eigenständigkeit des Unternehmens und den Standort Hamburg als Sitz der Verwaltung.

Seine starke Position konnte er mit seinen unternehmerischen Erfolgen begründen, die auch die Preussag anerkennen musste. Das Unternehmen stand Jahr für Jahr besser da und schüttete höhere Dividenden aus.

Im vergangenen Geschäftsjahr konnte Hapag-Lloyd das beste Ergebnis seiner 154-jährigen Geschichte verzeichnen. Der Gewinn nach Abschreibungen und Zinsen stieg um 130 Prozent von 109 Millionen auf 250 Millionen Euro, die Eigenkapitalrendite vor Steuern betrug 29 Prozent.

Die von Wrede verkörperte Kultur der konservativen hanseatischen Großreederei passte aber nie so recht in den neu entstehenden Touristik-Konzern Preussag. Die dürre äußere Form der Preussag-Mitteilung lässt nun darauf schließen, dass sich Frenzel und Wrede nicht friedlich getrennt haben, auch wenn die Beteiligten darüber Stillschweigen wahren.

Wrede soll offenbar auch nicht in den Aufsichtsrat von Hapag-Lloyd einziehen, wie es bei langjährigen Vorständen oft üblich ist. Das persönliche Verhältnis zwischen dem Preussag-Chef und dem sperrigen Hanseaten Wrede ist nach Aussagen von Konzern-Insidern noch nie besonders herzlich gewesen.