Was macht eigentlich Peter Littmann?

Keine Flüge mehr mit der Concorde, kein Fahrer, keine Chefsekretärin. Wie lebt es sich ohne die Insignien der Macht? mm sprach mit dem früheren Wünsche-Chef, der zuvor bei Boss, Vorwerk und Girmes Karriere machte.

Standesgemäß sitzen wir zur Erörterung dieser Fragen im noblen Hamburger Hotel "Vier Jahreszeiten". Littmann zieht an seiner Zigarre und sagt: "Das fehlt mir nicht." Ehrlich? "Ehrlich."

Und dann erzählt Peter Littmann, warum er ­ nach seinem Abgang bei Wünsche ­ nicht mehr Vorstandschef eines Unternehmens werden wollte. Angebote hatte er. Headhunter bedrängten ihn, er führte einige Gespräche. Und manches begeisterte ihn auch. Doch da sagte ihm seine Frau: "Peter, du willst es doch nicht."

Nein, er wollte nicht mehr Konzernchef sein. Das habe er "nach langem Kampf mit mir selbst" entschieden. Er wollte kein Getriebener mehr sein, keine Marionette ­ an den Fäden von Aktionären, Banken und Intriganten hängend.

Nach 23 Jahren in diversen Konzernen wollte er im besten Manageralter von 52 Jahren frei sein, einfach Dinge tun, die ihm Spaß machen. Aber das bitte nicht falsch verstehen: "Meine Idee ist es nicht, Golf zu spielen." Nur nebenbei: Das kann der Sportmuffel auch gar nicht.

Littmann arbeitet heute so viel wie früher. Aber nun als freier Unternehmer, nicht als Manager. Er gründete in Hamburg die Brandinsider GmbH, die Unternehmen bei der Markenführung berät.

Es ist eine One-Man-Show. Littmann hat keine festen Mitarbeiter, er wollte keine Consultingfirma mit zehn oder noch mehr Leuten aufbauen. Er schwärmt heute vom virtuellen Unternehmen. Wenn er Unterstützung braucht, holt er sie aus dem Kreis seiner Partnerfirmen.

Oder bei seinen Studenten an der Privatuniversität Witten-Herdecke, die er häufiger einspannt. Dort lehrt Littmann seit Jahren Marketing. Immer Blockveranstaltungen am Wochenende, von samstags 10 bis sonntags 17 Uhr. Im vergangenen Semester dozierte er über E-Commerce; im nächsten ist Branding dran, sein Lieblingsthema.

Wie baue ich eine Marke auf? Wie kreiere ich eine Markenfamilie? Wie schöpfe ich das Potenzial einer Marke voll aus? Diese Fragen versucht er mit seiner Firma Brandinsider zu beantworten. Mit mehreren Mittelständlern ist Littmann im Geschäft, mit einigen Konzernen im Gespräch.

Noch ist der Manager a. D. gut vernetzt. "Ich sehe da keinen Unterschied zu früher", sagt Littmann.

Durch diverse Aufsichtsratsmandate hat er Kontakte in die Old Economy (Ciba Spezialitätenchemie), in die New Economy (Kosmetik-Online-Händler Beautynet) und in die weite Welt (Bata-Schuhe im kanadischen Toronto).

Ein paar Jobs hat der Kunstfreund freilich verloren, weil er kein Vorstandsamt mehr hat. So sitzt er nicht mehr in einem beratenden Gremium der Guggenheim-Foundation, und er hat den Vorstandsposten des BDI-Kulturkreises verloren.

Stattdessen arbeitet er in seinem inzwischen geliebten Hamburg ("Eine gute Kombination aus feinem Leben und schöner Stadt") in einer Stiftung zur Förderung der hamburgischen Kunstsammlungen mit.

Es ist bei ihm jetzt halt alles eine Nummer kleiner. Und das schönste Kleine ist seine zweite Tochter, gerade ein paar Wochen alt. Die ist sowieso wichtiger als alles andere, als Concorde und Fahrer allemal.

Wolfgang Hirn

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