Infogenie Verbindung gekappt

Das Aus für CEO Markus Semm: Die Aufseher haben den Firmengründer einstimmig abberufen.

Berlin - Der am Frankfurter Neuen Markt notierte Telefondienstleister InfoGenie hat Markus Semm mit sofortiger Wirkung von seinem Vorstandsposten entbunden. Der Aufsichtsrat entschied einstimmig über die Abberufung. "Nach Ansicht des Aufsichtsrates ist die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben, nachdem in jüngerer Zeit unterschiedliche Auffassungen über die künftige Unternehmensführung hervortraten", teilte die Berliner Infogenie AG am Mittwoch mit. Über die strategische Ausrichtung gebe es jedoch keine Differenzen, wie ein Sprecher betonte.

Semm ist Gründer und Mehrheitseigner von Infogenie, die telefonische Ratgeber-Hotlines zu unterschiedlichen Themen anbietet. Der Kurs des Unternehmens ist seit dem Gang an den Neuen Markt im Oktober 2000 rapide gefallen. Er liegt derzeit bei 0,76 Euro. Da auch die Marktkapitalisierung von Infogenie zu gering ist, droht dem "Pennystock" nach den neuen Regeln der Deutschen Börse ein Delisting, der Ausschluss vom Neuen Markt.

Bereits im März hatte sich Infogenie von seinem Finanzvorstand getrennt. Semm hatte dessen Aufgaben daraufhin als Alleinvorstand mit übernommen. Im August wurde der US-Amerikaner Lynex Owens in den Vorstand berufen. In der Position eines COO war Owens bislang für Vertrieb, Marketing, Finanzen sowie Technologie verantwortlich. Er wird jetzt Alleinvorstand.

Ende August hatte Vorstandschef Semm 600.000 Aktien an die Berliner Effektenbank, Teil der Internetbank Consors Capital, übertragen. Damit tilgte er ein Darlehen für die letzte Kapitalerhöhung vor dem Börsengang. Für die zweite Jahreshälfte rechnet Infogenie mit einer Ergebnisverbesserung. In den ersten sechs Monaten stieg der Fehlbetrag im gewöhnlichen Geschäft auf 1,9 Millionen Euro (3,71 Millionen Mark) und übertraf damit den Umsatz.