Flowtex Bedingt schuldfähig?

Möglicherweise beeinträchtigt Größenwahn Manfred Schmiders Schuldfähigkeit. Eine befristete Verlegung in ein Krankenhaus soll klären, in wie weit der Manager für den Zusammenbruch des Unternehmens verantwortlich gemacht werden kann.

Karlsruhe - Im milliardenschweren Flowtex-Skandal kommt der Hauptangeklagte Manfred Schmider zur psychiatrischen Beobachtung vorübergehend in ein Krankenhaus. Die Verlegung ist auf 14 Tage befristet und soll klären, ob Schmiders vermuteter Größenwahn (Megalomanie) seine Schuldfähigkeit beeinträchtigt. Das sagte ein Sprecher des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe am Mittwoch.

Das OLG änderte damit einen Beschluss des Landgerichts Mannheim. Dieses wollte Schmider ursprünglich in der Psychiatrie untersuchen lassen. Eine Sprecherin des Landgerichts bestätigte eine entsprechende Meldung der "Stuttgarter Nachrichten". Eine Unterbringung in der Psychiatrie habe das OLG als zu schwer wiegenden Eingriff angelehnt. Stattdessen kommt Schmider in das Gefängniskrankenhaus in Stuttgart.

Größenwahn wird unter anderem vermutet, weil Schmider einen sehr verschwenderischen Lebensstil führte - mit Villen in Florida, der Schweiz, Uruguay und auf Ibiza.

Hintergrund für die Verlegung ist, dass der seit Februar 2000 in Untersuchungshaft sitzende ehemalige Flowtex-Boss offenbar die Zusammenarbeit mit dem neuen Gutachter verweigert. Der von der Staatsanwaltschaft beauftragte erste Gutachter hatte eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen. Das Landgericht hatte daher ein ergänzendes Gutachten in Auftrag gegeben, um diese Frage zu klären.

Der Prozess im bislang größten deutschen Fall von Wirtschaftskriminalität beginnt am 25. September. Die Staatsanwaltschaft wirft Schmider und seinem Flowtex-Partner Klaus Kleiser vor, durch Luftgeschäfte mit Bohrsystemen einen Schaden von insgesamt rund vier Milliarden Mark verursacht zu haben.

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