Fußball Warten auf Wunder

Otto Rehhagel soll dem deutschen Gruppengegener Griechenland doch noch zur WM-Qualifikation verhelfen.

Athen - Am Donnerstag, genau an seinem 63. Geburtstag, wagte das deutsche Trainer-Idol noch einmal einen mutigen Schritt und einigte sich mit dem griechischen Verband auf einen Zwei-Jahres- Vertrag. Für ihn ist es sein erstes Auslands-Engagement.

Bereits am kommenden Mittwoch wird Rehhagel als Nachfolger des zurückgetretenen Vassilis Daniel voraussichtlich das erste Mal auf der Bank der Hellenen Platz nehmen, wenn sie zum Testspiel in Moskau gegen Russland antreten. Die Entscheidung im Präsidium fiel einstimmig zu Gunsten des Deutschen aus.

Wenig Chancen

Rehhagel soll in Griechenland wie vor fünf Jahren beim Bundesliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern ein kleines Fußball-Wunder bewirken. Innerlich glaubt zwar niemand mehr an eine echte Chance, aber mit glühendem Optimismus hoffen die Fußball-Fans weiter.

Zehn Punkte liegen die Griechen hinter Tabellenführer Deutschland zurück und vier hinter England. Selbst wenn sie am 6. Oktober ihre Auswärtspartie in England wider Erwarten gewinnen sollten, müssten sie noch auf Schützenhilfe anderer Teams hoffen.

Anschluß an die Weltspitze

Im Verband ist die Verpflichtung von Rehhagel, der ein Jahresgehalt von einer Millionen Mark beziehen soll, aber langfristig gedacht. Mit dem gelernten Maler will Griechenland zumindest bis zur EM 2004 in Portugal den Anschluss an die europäische Spitze schaffen.

Rehhagel setzte sich aus einer Reihe von Mit-Anwärtern um den Trainerposten am Ende noch gegen den Italiener Nevio Scala durch. Ein merkwürdiges Detail bei Verpflichtung ist allerdings die Länge des Engagements, denn sein Vertrag würde mitten in der EM-Qualifikation auslaufen.

Anknüpfen an alte Erfolge

Rehhagel, der seine größten Erfolge als Trainer mit Werder Bremen gefeiert hat, war seit seinem Rücktritt beim 1. FC Kaiserslautern am 1. Oktober vergangenen Jahres ohne Beschäftigung. Dort war der gebürtige Essener alles andere als im Frieden geschieden, nachdem die Fans ihm nach der Rückkehr in die Bundesliga zunächst ein Denkmal setzen wollten. Aber: Es gab eine Menge Anfeindungen aus dem Umfeld, und auch die Mannschaft stand nicht mehr zu ihm.

Nicht besser war es ihm zuvor bei Bayern München ergangen. Sein Engagement dauerte 1995 nur knapp neun Monate, direkt vor dem UEFA-Cup-Finale wurde ihm am 27. April 1996 der Stuhl vor die Tür gesetzt. Nach der Trennung von Lautern zog sich Rehhagel weit zurück. Im Fast- Pensionärs-Alter von 63 Jahren schloss er nun nach neun Trainer-Stationen in Deutschland überraschend erstmals einen Kontrakt in der Fremde.