HEW Knall auf der Hauptversammlung

Völlig unerwartet scheidet Manfred Timm, Vorstandssprecher des Energiekonzerns, aus dem Amt.

Hamburg - Der Vorstandssprecher des Hamburger Energiekonzerns HEW, Manfred Timm, ist völlig überraschend im Anschluss an die Hauptversammlung des Unternehmens aus seiner Funktion ausgeschieden. Der Aufsichtsrat und Timm hätten sich im Einvernehmen darauf verständigt, seinen Vertrag aus Altersgründen mit sofortiger Wirkung zu beenden, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens vom Donnerstag.

Der 63-jährige Timm war seit Februar 1986 Mitglied im HEW-Vorstand und seit 1995 dessen Sprecher. Der neue Vorsitzende des HEW-Aufsichtsrates, Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson, dankte Timm und würdigte die herausragenden Verdienste des scheidenden Vorstandssprechers. Er sei der maßgebliche Architekt der "Neuen Kraft" gewesen.

Vattenfall zum Standbein in Deutschland verholfen

In der Tat hatte Timm in den vergangenen Monaten in zahllosen Verhandlungsrunden mit Eon, Bewag und Veag, dem Berliner Senat und Schieds- und Einigungsstellen, dem US-Konzern Mirant und dem Kartellamt einen neuen Stromkonzern geschmiedet, der dem schwedischen Vattenfall-Konzern zu einem bedeutenden Standbein in Deutschland verhilft.

Die Meldung vom Rückzug Timms, dessen Funktion übergangsweise durch seinen Kollegen Joachim Lubitz wahrgenommen wird, landete am Nachmittag völlig überraschend in den Redaktionen. Noch am Vormittag bei der Hauptversammlung hatte Timm die Aktionäre über die Struktur und die Pläne der "Dritten Kraft" informiert, des neuen deutschen Stromkonzerns aus HEW, Bewag, Laubag und Veag.

"Wir haben die Weichen dafür gestellt, dass Ihr Unternehmen in die Spitzengruppe der deutschen Stromversorger aufsteigt", rief der Vorstandssprecher den Aktionären zu. Mit keinem Wort ließ er durchblicken, dass nach der Hauptversammlung das Berufsleben für ihn enden könnte.

Rückt Vattenfall-Manager nach?

Die Diskussion auf der Versammlung verlief ähnlich wie in den vergangenen Jahren zwischen Gegnern und Befürwortern der Kernenergie. Auch die Meldung, dass der Hamburger Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) durch den Vattenfall-Chef ersetzt würde, schien nicht mehr als Routine zu sein: Schließlich besitzen die Schweden mittlerweile 71,3 Prozent der HEW und haben für die 3,6 Prozent freier Anteile ein Abfindungsangebot abgegeben. Da ist es üblich, den Aufsichtsratsvorsitz aus dem Kreis des Großaktionärs zu besetzen.

Und Josefsson handelte schnell. Über die Hintergründe für den plötzlichen Rückzug sind nur Spekulationen möglich. In einem eher ungewöhnlichen Hinweis an die Redaktionen erklärt die Presseabteilung der HEW, sie werde die Mitteilung nicht näher kommentieren. Am plausibelsten scheint die Vermutung, dass ein Vattenfall-Manager an der Elbe die Zügel in die Hand nehmen soll. Für den schwedischen Staatskonzern ist die HEW eine strategisch höchst bedeutsame Beteiligung, die wohl von einem Mann aus dem eigenen Haus geführt werden soll.

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