Lucona-Affäre Österreichs berühmtester Häftling gestorben

Der Drahtzieher der größten Nachkriegsaffäre Österreichs ist tot. Udo Proksch starb als Häftling.

Wien/Kiel - Der 67-Jährige habe die Folgen einer Herzoperation in der Vorwoche im Krankenhaus Graz nicht überlebt, bestätigte am Donnerstag das Justizministerium in Wien.

Österreichs berühmtester Häftling war 1992 wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden, nachdem der von ihm gecharterte niederländische Frachter "Lucona" im Januar 1977 nach einer absichtlich ausgelösten Explosion im Indischen Ozean gesunken war. Sechs der zwölf Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.

Der Hintergrund: Die wertlose Schrottladung des Schiffes hatte Proksch als Urananreicherungsanlage deklarieren und auf etwa 33 Millionen Mark versichern lassen. Es ging also um Versicherungsbetrug.

Nie konnte geklärt werden, wie der Sprengstoff auf die Lucona kam und wie er 400 Seemeilen vor den Malediven gezündet wurde. Auch im Prozess gegen Prokschs deutschen Komplizen, den Kaufmann Hans Peter Daimler, wurden diese Fragen nicht gelöst.

Mittelpunkt der Wiener Gesellschaft

Proksch war als früherer Besitzer der berühmten Wiener Hofkonditorei Demel in den achtziger Jahren der gesellschaftliche Mittelpunkt in der österreichischen Hauptstadt. Der geborene Rostocker war nach dem Krieg nach Österreich gekommen. In seinem Club-45 ging die politische und künstlerische Prominenz ein und aus.

Die Lucona-Affäre um Proksch kostete den damaligen Parlamentspräsidenten Leopold Gratz ebenso das Amt wie Innenminister Karl Blecha: Sie hatten sich für Proksch verwendet.

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