Microsoft Gates neuer Statthalter

Richard Roy, noch Deutschland-Chef von Microsoft, wechselt in die Europa-Zentrale. Sein Nachfolger wird am 1. Juli Ex-Hewlett-Packard-Manager Kurt Sibold.

München - Ein Job in einem deutschen Unternehmen hat Kurt Sibold nie gereizt. "Da würde ich eingehen wie eine Primel", sagt der 52-jährige Informatiker. Mit der amerikanischen Unternehmenskultur kommt Sibold besser zurecht. Nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Deutschland-Zentrale des amerikanischen Konzerns Hewlett Packard machte er beim Softwarehersteller Microsoft Karriere.

Am 1. Juli wird Sibold neuer Deutschland-Chef des weltgrößten Softwareunternehmens. Sein Vorgänger Richard Roy übernimmt eine Position in der Europa-Zentrale in Paris. Der quirlige Manager hatte das Geschäft des Softwaregiganten hier zu Lande kräftig angekurbelt.

Für Microsoft-Produkte begeistern

Auf Vergleiche mit Roy will sich Sibold jedoch nicht einlassen. "Wer sich die Schuhe eines anderen anzieht, hinterlässt keine eigenen Spuren", sagt er. Er hat sich in Deutschland vor allem das Microsoft-Geschäft mit Firmenkunden vorgenommen. Auch die Software-Entwickler in Deutschland will Sibold stärker für die Microsoft-Produkte begeistern. "Das ist sicher ein Versäumnis der letzten Jahre gewesen."

In der Unternehmenskommunikation hat Sibold schon Maßstäbe gesetzt. Denn mit dem lockeren Umgangston, den vor allem die amerikanischen Kollegen in E-Mails pflegen, kann er nicht viel anfangen. Inzwischen, so erzählt er, haben das auch die Kollegen gemerkt - und formulieren ihre E-Mails an Sibold mit Anrede und in ganzen Sätzen. Dafür erhalten sie innerhalb von maximal vier Stunden eine Antwort - denn das gehört für Sibold zum guten Ton.

Keine Wochenenden im Büro

Vor seinem Eintritt bei Microsoft war Sibold 22 Jahre lang in verschiedenen Positionen, unter anderem als Vertriebsdirektor für Computersysteme, bei Hewlett-Packard in Böblingen beschäftigt. Von seiner neuen Heimatstadt München hat Sibold bislang noch nicht viel kennen gelernt.

Seine Frau betreibt in Geisingen (Baden-Württemberg) eine Apotheke, daher ist die Familie dort geblieben. Die Wochenenden verbringt Sibold so oft wie möglich weit weg von seinem Büro - mit seiner Frau und den drei Kindern in der alten Heimat.

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