Dieter Vogel Überzeugungen nicht opfern

Erstmals nennt Vogel die Gründe für sein Ausscheiden als Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn.

Hamburg - Im Interview mit dem "manager magazin" (Erscheinungstermin: 22. Juni 2001) sagte der ehemalige Thyssen-Chef: "Ich war zum Schluss nicht bereit, meine Überzeugung von der richtigen Strategie für das Unternehmen dem Konsens zu opfern." Das Grundproblem bei der Bahn sei die unklare Rollenverteilung zwischen Eigentümer Bund, Vorstand und Aufsichtsrat. "Bei der Bahn spricht jeder mit jedem über alles - und verbreitet sich darüber auch noch in der Öffentlichkeit", so Vogel weiter.

Im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin beklagt der Manager darüber hinaus den miserablen Zustand der deutschen Unternehmensverfassung. Wichtige Reformen kämen nicht voran, weil der politische Wille fehle. Es werde bestimmt noch fünf Jahre dauern, bis etwas passiere.

Dringend mahnt Vogel eine Anpassung des Aktiengesetzes "an die Lebenswirklichkeit" an. Sowohl scheidende Vorstandsvorsitzende als auch Bankenvertreter sollten nicht Aufsichtsratsvorsitzende werden dürfen, fordert der Manager. Außerdem sollte ein unabhängiges Gremium Aufsichtsratsmitglieder evaluieren. Durch eine bessere Corporate Governance könnten laut Vogel die deutschen Aktienkurse um 10 bis 20 Prozent steigen.