Mittwoch, 26. Juni 2019

Chat-Bericht Vom AC profitieren beide Parteien

TheogegenRest:

Ist es sinnvoll, die Teilnahme an ACs in weiteren Bewerbungsgesprächen zu erwähnen? Auch dann, wenn man darin gescheitert ist?

Experte Ernst Fay: Ich persönlich würde es nicht erwähnen.

selfinsurance: Gibt es schon Seminare, in denen man seine Frustration über schlechte ACs loswerden kann?

Experte Ernst Fay: Ich kenne keines. Aber ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre begründete Meinung dem jeweiligen Veranstalter gegenüber äußern würden - in der Hoffnung auf Besserung!

Manfred: Nochmal zum Thema Auslese: Ist es nicht so, dass Unternehmen und letztlich auch ACs mit ihren Aufrufen ohnehin an handverlesene (Privat-) Unis wenden?

Experte Ernst Fay: Ich denke, dass kaum ein Unternehmen etwas dagegen hat, wenn sich auch Absolventen privater Universitäten bewerben. Aber der Bedarf der deutschen Wirtschaft ist durch die wenigen Absolventen von WHU (Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung) und EBS (European Business School) und Law School (Privathochschule für Juristen in Hamburg) – um drei aufzuführen - auf gar keinen Fall zu decken.

karl: Ich bin Psychologe und würde gerne Kontakt mit Leuten bekommen, die ACs abhalten. Gibt es eine Art Berufsvereinigung?

Experte Ernst Fay: Es gibt einen sogenannten Arbeitskreis Assessment Center, der Kongresse veranstaltet, Bücher herausgibt, in dem sich Uni-Vertreter und Vertreter der Wirtschaft versammelt haben.

psychedelic: Was bringen Trainingskurse fürs AC?

Experte Ernst Fay: Wenn Sie in diesen Kursen etwas trainieren, was Sie im AC wie auch im Leben brauchen, dann ist das eine sehr sinnvolle Vorbereitung. Zum Beispiel könnten Sie sich Dinge aneignen wie Brainstorming, Mind-Mapping, Umgang mit Flip-Chart und Pinnwand - um nur einiges zu nennen.

selfinsurance: Finden Sie, dass die Bewerber ebenfalls von ACs profitieren? Oder ist es ausschließlich eine einseitige Angelegenheit zu Gunsten der Firmen?

Experte Ernst Fay: Ich bin überzeugt, dass Bewerber von ACs profitieren können. Sie lernen ein Instrument kennen, dem Sie im weiteren Verlauf Ihres Berufs begegnen werden. Sie lernen sich selbst in Konkurrenzsituationen kennen. Sie bekommen am Ende ein fundiertes Fremdbild dem eigenen Selbstbild gegenüber gestellt. Und sie haben zumeist drei Tage in einem schönen Hotel verbracht.

mm: Was genau sind Ihrer Ansicht nach die so genannten - und stets auch eingeforderten – "Schlüsselqualifikationen"?

Experte Ernst Fay: Wir haben vor einiger Zeit einmal alle durch die Literatur geisternden "Schlüsselqualifikationen" zusammen gestellt. Und sind dabei auf annähernd 600 gekommen. Das ist natürlich Unsinn. Man kann im Grunde davon ausgehen, dass es drei große Schlüsselbereiche gibt:
1. Alles, was mit Denken zu tun hat.
2. Alles, was mit Antrieb, Dynamik, Frustrationstoleranz zu tun hat.
3. Alles, was mit sozialer Kompetenz im weitesten Sinne zu tun hat.
Und das können Sie nun, wenn Sie sprachlich geschickt sind, in 600 unterschiedliche Begriffe fassen! Wobei manche Untergliederungen natürlich sinnvoll und hilfreich sind.

Werner: Wie gut sind die AC-Veranstalter ausgebildet?

Experte Ernst Fay: Es gibt keine Ausbildung zum AC-Veranstalter. Aber es gibt einen gut funktionierenden Markt, auf dem nur Erfolg hat, wer gute ACs macht. Wobei natürlich zu definieren ist, wer bestimmt, was ein gutes AC ist.

Zappel: Warum gibt es nicht mehr ACs für den öffentlichen Dienst? Haben die immer gleich die richtigen Leute?

Experte Ernst Fay: Ich weiß nicht, wie viele ACs es für den öffentlichen Dienst gibt. Wir haben schon für einige Insitutionen welche entwickelt.

ruthchen: Glauben Sie, dass ACs auf Dauer dazu führen können, dass man seine Persönlichkeit verbiegt?

Experte Ernst Fay: Cave! Wenn Sie die Gefahr spüren, dass Sie beginnen, sich "krumm" zu legen, dann sollten Sie aufhören.

lotus: Wie werden Personalchefs auf ACs vorbereitet? Durch psychologische Betreuung oder durch Seminare?

Experte Ernst Fay: Bis man Personalchef ist, hat man eine Reihe von Erfahrungen mit ACs gemacht. Man war Beteiligter auf beiden Seiten, man hat viele Präsentationen von AC-Anbietern erlebt, man hat Feedback von Mitarbeitern bekommen, die an ACs beteiligt waren. Man konnte beobachten, ob das, was im AC vorausgesagt worden, ist auch eingetreten ist usw.

maus: Gibt es Zahlen darüber, ob die Auswahl über ACs wirklich bessere Ergebnisse erzielt als ein persönliches Gespräch?

Experte Ernst Fay: Ja, die gibt es. Das AC ist - eigentlich fast trivialerweise - besser als ein persönliches Gespräch. Letzteres ist ja entweder dem AC vorgeschaltet, oder es ist auch noch Teil des ACs.

lotus: Haben Sie nicht manchmal Mitleid mit den AC'lern?

Experte Ernst Fay: Das passiert ab und an. Ich hatte letzthin einen Teilnehmer, der mit Leib und Seele den Job wollte, der aber beim besten Willen aller Beteiligten, ich betone: aller Beteiligten, nicht nehmbar war. Der Wille allein ist es halt nicht.

mm: Eine Frage zum Schluss: Kleider machen Leute. Gilt das auch für den Auftritt im Rahmen eines AC?

Experte Ernst Fay: Wenn Sie zu einem AC eingeladen werden, dann sollte der Veranstalter Ihnen die Kleiderordnung mitteilen. Tut er das nicht, dann rufen Sie unbedingt an. Ich selbst war dabei, als ein Teilnehmer im T-Shirt erschien und etwa 20 Herren im schwarzen Anzug um sich hatte. Er fühlte sich nicht wohl.

Assessment-Center

Psychologe und AC-Spezialist Ernst Fay mit Erfolgstipps für den Sprung über die Einstiegshürde.

1. Teil des Chat-Berichts: Assessment-Center

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