Bücher Marx ohne Bart

Warum Robert Kurz den Ur-Sozialisten als zeitgemäßen Denker empfiehlt.

mm:Wir schreiben das Jahr 2001 und Sie ein Buch über Marxismus. Ein bisschen spät, oder?

Kurz:

Karl Marx hat selbst von sich gesagt, er sei kein Marxist. Und auch mein Buch handelt eher vom Denker Marx als von der nach ihm benannten Bewegung. Mir geht es darum Marx aus dem Kontext der Arbeiterbewegung und des Klassenkampfes herauszuheben. Deshalb habe ich eine Auswahl seiner Texte zusammengestellt und kommentiert, die auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

mm: Welche Marx'schen Ideen halten Sie heute noch für zeitgemäß?

Kurz: Vor allem bei seinen Thesen zur Entstehung von Krisen im Kapitalismus lassen sich viele Parallelen zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten feststellen. Zur Zeit erleben wir, wie die Spekulationsblase bei den Technologieaktien platzt. Marx beschreibt detailliert, wie solch eine Überbewertung von Aktien zu Stande kommt. Ähnliches gilt für Ursachen und Folgen der Globalisierung oder für das Shareholder-Value-Denken.

mm: Warum sollten Manager Ihr Buch lesen?

Kurz: Manager können in den Texten von Marx auf Erklärungsmöglichkeiten für wirtschaftliche Phänomene stoßen, die sie im Unternehmensalltag erleben. Viele dieser Erklärungen kommen in einem normalen Betriebswirtschaftsstudium nicht vor.

Kurz, Robert: "Marx lesen. Die wichtigsten Texte von Karl Marx für das 21. Jahrhundert";
Eichborn, Frankfurt/Main 2000, 430 Seiten, 49,80 Mark.


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