Mittwoch, 18. September 2019

Hall of Fame 2001 - Laudatio Berthold Leibinger

Als "herausragende Unternehmerpersönlichkeit unserer Zeit" würdigt BASF-Chef Jürgen Strube den diesjährigen Laureaten Berthold Leibinger, einen der erfolgreichsten deutschen Mittelständler (Trumpf-Gruppe). Lesen Sie die vollständige Lobrede.

"Es sind immer geistige Kräfte, welche die Welt verändern. Das sagte Berthold Leibinger 1993 in seinem Vortrag "Pietismus und Arbeit". Ein eher ungewöhnlicher Satz für einen Konstrukteur und Ingenieur, der sich einst entschloss, Maschinenbau zu studieren, weil er das für eine grundsolide Sache hielt und es keinesfalls mit "etwas Unnötigem" zu tun haben wollte.

Ausgezeichnet: Laureat Berthold Leibinger (M.) mit Ehefrau und mm-Chefredakteur Wolfgang Kaden
Doch nur auf den ersten Blick ungewöhnlich. Denn wer ihn kennen gelernt hat, weiß, dass dieser Leitspruch in besonderem Maße für ihn gilt. Er hat mit seinen geistigen Kräften viel verändert.

Leitfigur des industriellen Mittelstandes

Aus einer kleinen schwäbischen Maschinenfabrik machte er ein Weltunternehmen. "In dieser kleinen Firma konnte ich wirklich etwas bewegen, gestalten und aufbauen", hat er einmal gesagt. Und in der Tat, Bewegen, Gestalten, Aufbauen und die Freude daran, dadurch ist sein Lebenswerk geprägt.

Berthold Leibinger ist eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit unserer Zeit, eine Leitfigur des industriellen Mittelstandes. Ein Unternehmer, der durch seine Persönlichkeit, seine Glaubwürdigkeit und Integrität für das steht, was familiengeführte Unternehmen auszeichnet. Eng verbunden mit seiner schwäbischen Heimat und gleichzeitig umtriebig in aller Welt.

"Schaffa, net schwätza"

Seine Leistungen als Ingenieur und Konstrukteur führten binnen weniger Jahre dazu, dass es - wie er selbst sagen würde - billiger war, ihn am Unternehmen zu beteiligen, als weiter Lizenzen zu zahlen. So wurde diese Firma vollends seine Firma. Vom Lehrling zum Eigentümer - eine Traumkarriere sondergleichen.

 Leibingers Laudator: Jürgen Strube, promovierter Jurist, ist seit 1990 Vorstandschef des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF
Bert Bostelmann argum
Leibingers Laudator: Jürgen Strube, promovierter Jurist, ist seit 1990 Vorstandschef des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF
Hilfreich dabei war sicher auch die von Berthold Leibinger gern zitierte schwäbische Optimierungsformel SNS, schaffa, net schwätza. Und natürlich ein Schuss protestantisch-pietistisches Erbe, das Sparsamkeit und Fleiß als gottgefälliges Wirken ansieht.

Das Unternehmen Trumpf steht heute für Innovation, Internationalität und für Kontinuität. Dafür sorgt die Familie Leibinger. Berthold Leibinger repräsentiert das Unternehmern nicht nur, er lebt es. Ja, er ist Trumpf.

Umsichtiger Stratege und mutiger Visionär

Dem allgemeinen Trend, mit Blick auf steigende Kurse Unternehmen an die Börse zu bringen, konnte er nichts abgewinnen. Sein Unternehmen verbucht den Welterfolg abseits der Börse und hält - dem Zeitgeist zum Trotz - die Werte eines eigentümerbestimmten Familienunternehmens hoch.

Hier ist die Bodenhaftung noch am größten, die Verantwortung für Wohl und Wehe am persönlichsten. Und hier - davon ist Leibinger überzeugt - lassen sich auch seine unternehmerischen Grundsätze und Visionen am besten verwirklichen, ein erstklassiges Unternehmen in einem hochtechnisierten Umfeld zu sein.

Als andere noch von einer Erfindung sprachen, die ihre Anwendung sucht, setzte Leibinger wagemutig und weitsichtig auf den Laser als universelles Werkzeug für Maschinen. Und da die vorhandenen Geräte Ihren Ansprüchen nicht genügten, entwickelten Sie Ihre eigenen - ein kühnes Unterfangen für einen Maschinenbauer.

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