Donnerstag, 20. Juni 2019

Hall of Fame 2001 - Laudatio Otto Graf Lambsdorff

Keine Auszeichnung für Wirtschaftsgrößen kann es mit der "Hall of Fame" des manager magazin aufnehmen, meint Hans-Olaf Henkel. Lesen Sie seine vollständige Lobesrede auf den diesjährigen Laureaten Otto Graf Lambsdorff.

"Es gibt keinen Mangel an Auszeichnungen für Wirtschaftsführer in Deutschland. Der "Ökomanager des Jahres", der "Manager des Jahres", ungezählte andere Preise werden verliehen von Wirtschaftsmagazinen und Stiftungen, Wissenschaftsorganisationen und politischen Würdenträgern.

Neu in der "Hall of Fame": Otto Graf Lambsdorff während des Festakts
Keine dieser Auszeichnungen kann es mit der Aufnahme in die "Hall of Fame" des manager magazin aufnehmen.

Woran das liegt? Nun, ich glaube an der Nachhaltigkeit der Auszeichnung.

Wenn Sie mal zum Ökomanager des Jahres ausgezeichnet wurden, dann kann Ihnen der Naturschutzbund schnell die Auszeichnung des "Dinosauriers des Jahres" hinterherwerfen. Schon ist der Preis, für die Umweltschützer jedenfalls, nichts mehr wert.

Zuviel Ruhm macht blind

"Manager des Jahres"?1 Nun, ich will niemandem hier zu nahe treten, aber ich gebe jedem den Rat: Wenn ein deutscher Vorstandsvorsitzender zum "Manager des Jahres" gewählt wird, verkaufen Sie sofort die Aktien seines Unternehmens. Zu oft, und ich habe genau diesen Fehler immer wieder selbst gemacht, hält man sich im Zenit des Ruhmes nicht nur selbst, sondern auch die Umgebung einen für unfehlbar.

Lambsdorffs Laudator: Hans-Olaf Henkel, Honorar-Professor für "Entrepreneurship" an der Universität Mannheim und ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)
Und genau in dieser Situation wird die Saat der nächsten Katastrophe gesät. Er ist eben dann nur der "Manager des Jahres" und nicht notwendigerweise noch des nächsten Jahres.

Hier zählt das Lebenswerk

Die Aufnahme in die "Hall of Fame" bedeutet ein Urteil über das Lebenswerk eines Mannes oder einer Frau. Zwar ist das meist noch nicht abgeschlossen, aber es wurden ja schon Mitglieder "post mortem" in die "Hall of Fame" aufgenommen. Eine gerechte Geste im Gegensatz zum Nobelpreis, der meist nur für Leistungen vergeben wird, die zwar lange zurückliegen, aber er geht eben nur an die, die das Glück hatten, die Auszeichnung noch zu erleben.

Auch nach viel späterer Bewertung muss man sagen, dass alle Mitglieder der "Hall of Fame" dort zu Recht aufgenommen wurden. Ich wurde daran noch einmal besonders erinnert, als wir Tyll Necker zu Grabe getragen haben. Mein Vorgänger und mein großes Vorbild ist Mitglied dieser elitären Gruppe und das Schöne an dieser Auszeichnung: er bleibt es.

Kraftvoller Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft

Derjenige, den ich durch eine Laudatio zu ehren die Ehre haben, ist ein ganz besonderer Fall: Er rekrutiert sich nicht nur aus dem klassischen Kreis der anderen Kollegen, die bereits in die "Hall of Fame" aufgenommen wurden. Seine bisherigen Lebensleistung hat er in vielen nicht wirtschaftlichen Feldern erbracht, die aber alle mit Wirtschaft zu tun haben.

Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass viele seiner schon geehrten Kollegen überhaupt in dieser Ehren-Gruppe sind.

Nun, eins nach dem andern: Was ist Otto Graf Lambsdorff für uns und den Laudator?

1 Anmerkung der Redaktion: Die Auszeichnung "Manager des Jahres" wird durch das manager magazin vergeben. Zuletzt gekürt: Preussag-Chef Michael Frenzel für den mutigen Umbau seines Unternehmens zum Touristik-Konzern.

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