Porträt Der letzte Akt der Götterdämmerung steht noch aus

Wie Helmut Kohl, ihm äußerlich ja nicht ungleich, fehlt auch Roland Ernst ein wirkliches Unrechtsbewusstsein. Gut, ja, ein paar Gesetze gebrochen, in schwerer finanzieller Not. Aber doch nicht zur persönlichen Bereicherung!

Der letzte Akt der Götterdämmerung steht noch aus. Natürlich hofft er auf Milde. Auf Gnade vor Recht. Er hat sein gesamtes Privatvermögen verloren, fast eine halbe Milliarde Mark. Seit seiner Verhaftung noch einmal 100 Millionen. Jedes Jahr ist kostbar, beschwört der 64-Jährige seinen Anwalt, die Staatsanwaltschaft, den Richter. Ihm bleibe nicht mehr viel Zeit.

In diesem Jahr will er das Insolvenzplanverfahren hinter sich bringen, Verträge erfüllen, Schulden abarbeiten. Und außer den 42-jährigen Zwillingen gibt es inzwischen ja noch einen kleinen Sohn, einen Nachzügler von anderthalb Jahren. Dem möchte er die Zukunft sichern. Für Niklas mobilisiert er die letzte Kraft.

Der Abstieg führt bis zum Hotel "Suvretta-House". Im Foyer lädt Hausgast Anno August Jagdfeld zum Tee. Der Investor kann dem Kollegen Ernst viel erzählen. So viele schöne Projekte. Heiligendamm, zwei neue Hotels in Berlin ... Wir trinken zwei Tassen Pfefferminz. Und Roland Ernst sagt: "Den Tee soll der Herr Jagdfeld zahlen, der ist noch liquide."

Draußen ist es dunkel geworden, es ist saukalt. Das "Suvretta-House" strahlt und funkelt aus hunderten von Fenstern wie ein Märchenpalast. Aber der Schnee macht bei jedem Schritt hässliche knarzende Geräusche.

Sibylle Zehle

Götterdämmerung

Der tiefe Sturz des Roland Ernst. Vom bedeutendsten Projektentwickler Deutschlands, vom geachteten Mäzen und hoch geschätzten Mitglied der Gesellschaft zum Wirtschaftskriminellen - manager magazin schildert die bittersten Monate des einstigen Immobilien-Tycoons.

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