Porträt Götterdämmerung, Akt zwei

Seine Rolle gefunden hat Ernst als Mäzen. Er war ein Big Spender. Von der Deutschen Oper Berlin bis zum Mannheimer Nationaltheater, von der Deutschen Sporthilfe bis zum Heidelberger Hauspflegeverein, sie haben alle von ihm profitiert.

1978 hat er eine Million als Anschubfinanzierung für die Krebsforschung in Heidelberg geleistet; mit 8,5 Millionen dem Land Sachsen ein Herzzentrum ermöglicht. Für das "Museum der Phantasie" von Lothar-Günther Buchheim in Bernried bereits 4,5 Millionen gezahlt.

Sein Walhall liegt in den neuen Bundesländern. Das Geschäft war plötzlich härter und schneller geworden. Ernst ist kein detailverliebter Luxussanierer wie Showman Jürgen Schneider, der schneller scheitern wird. Ernst gilt als handfester Profi, eng mit seinen Banken verbandelt, gilt bald als der größte Projektentwickler der Republik. Aber tatsächlich hatte er dafür gar keinen Apparat, sagt ein damaliger Geschäftspartner von der Dresdner Bank, seine Firma war dafür gar nicht aufgestellt. Und Ernst, der hemdsärmelige Einzelkämpfer, auch gar nicht der Mann, um so einen Apparat zu bedienen.

Wo Licht ist, ist auch großer Schatten. In der Branche begann man zu munkeln. Der Baumogul, so hörte man sagen, erwerbe so genannte Schikanierparzellen, um ganze Straßenzüge in seinen Besitz zu bekommen. Wer redlich bleibt, gilt schnell als unflexibel. Man kann nicht Immobilien-Tycoon sein und Kants kategorischen Imperativ leben. Oder vielleicht doch?

Götterdämmerung, Akt zwei. Im vergangenen Herbst hat das Amtsgericht Heidelberg ein Insolvenzverfahren über das Privatvermögen von Roland Ernst eröffnet. Danach gibt es hämische Kommentare gratis - sogar als Neujahrsgruß. "Und dass man auch Feste feiern kann ohne eigene Kohle, beweist Baulöwe Roland Ernst", schreibt die Klatschtante von "Bild", die den Heidelberger "protzig ausgelassen" im St. Moritzer "Palace Hotel" entdeckt haben will, der dort, seit über zwei Jahrzehnten, mit ein paar Freunden sein Silvester begeht.

Sibylle Zehle

Götterdämmerung

Der tiefe Sturz des Roland Ernst. Vom bedeutendsten Projektentwickler Deutschlands, vom geachteten Mäzen und hoch geschätzten Mitglied der Gesellschaft zum Wirtschaftskriminellen - manager magazin schildert die bittersten Monate des einstigen Immobilien-Tycoons.

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