Porträt Endloses Warten in der Zelle

Es beginnt das lange Warten. Eine Zelle bei der Staatsanwaltschaft. Kein Fenster, vier Bänke. Man hat ihm seine Kleidung zurückgegeben, er fühlt sich wieder wie ein Mensch. Die Stunden dehnen sich.

"Ich bin die heiße Moni", steht an der Wand. "Werde morgen entlassen. Bin zu allem bereit. Meine Vorlieben ..." Sechs, sieben Männer kommen hinzu, Dealer, dunkle Gestalten, "die man nicht unbedingt bei Nacht treffen will", notiert er später. "Jargon total neu".

Und es ist, als spürten sie seine Distanz. Keiner setzt sich neben ihn, alle hocken sie sich auf die Bänke um ihn herum. "Was hast du denn gemacht?", fragt am Ende einer. "Das weiß ich nicht genau", sagt Ernst. "Die kriegen dich hier schon klein", meint einer. "Da gewöhnste dich dran."

Margrit Lichtinghagen, die Staatsanwältin, ist hart, aber herzlich. Nach der Vernehmung gibt sie dem Untersuchungshäftling drei Papierbogen mit. "Die anliegende Post wurde gesichtet und genehmigt", steht da in ihrer energischen Schrift. Oder: "Es wird dringend gebeten, dem Besch. Roland Ernst die verordneten Medikamente zu belassen, da es ansonsten zu lebensgefährlichen Situationen kommen kann", gez. Lichtinghagen.

Der Vollzugsbeamte verzieht keine Miene. Nackt ausziehen. Beine breit. Anstaltskleidung. Die Briefe der Kinder, die Papiere, die er studieren, die Tabletten, die er nehmen soll, alles weg. Ernst protestiert. Die können schreiben, was sie wollen, die von der Staatsanwaltschaft, sagt der Beamte. Hier wird nicht diskutiert.

Das halt' ich nicht aus, denkt Ernst. Du schreist jetzt, schlägst gegen die Tür. Stattdessen legt er sich aufs Bett. Macht autogenes Training. Sein Nachbar in der Bochumer Zelle ist eigentlich recht nett. Ein junger Räuber, der sich auf Handtaschendiebstahl spezialisiert hat - vom Fahrrad aus. Jetzt drohe seine Verlobung in die Brüche zu gehen. Das offene Klo steht genau vor den zwei Betten. Der junge Räuber lässt Riesenfürze. "Hoppla", sagt er bei jedem Furz. "Hoppla".

Sibylle Zehle

Götterdämmerung

Der tiefe Sturz des Roland Ernst. Vom bedeutendsten Projektentwickler Deutschlands, vom geachteten Mäzen und hoch geschätzten Mitglied der Gesellschaft zum Wirtschaftskriminellen - manager magazin schildert die bittersten Monate des einstigen Immobilien-Tycoons.

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