Porträt Haftbefehl statt Verlobungsfeier

Zwölf Stunden später kamen die Beamten wieder. Doch Ernst war erst nachts um 23 Uhr zurück. Erneuter Versuch am Samstagmorgen.

Doch auch am Samstagvormittag schlief der Unternehmer nicht - wie bei der sonstigen Klientel der Kripo üblich - verlässlich einen Rausch aus, sondern saß, ahnungslos, bereits seit 7 Uhr morgens im Büro.

Am späten Nachmittag hat er sich dann hingelegt, endlich eine Stunde Ruhe, vor einer Verlobungsfeier am Abend. Als es läutete, dachte er, das kann nur die Nana, meine Tochter, sein, wer stört sonst um diese Zeit. Seufzend, nur im Unterhemd, öffnete er die Tür. Es waren sechs Herren, in Zivil - mit einem Haftbefehl.

Darf ich mir eine Hose anziehen? Selbstverständlich. Im Schlafzimmer merkt er, da steht ja tatsächlich einer an der Tür, passt auf mich auf. Er packt ein paar Toilettensachen ein. Und denkt: Das kann doch alles gar nicht wahr sein. Er darf telefonieren. "Du, die bringen mich nach Bochum, ich bin verhaftet", sagt er seinem Sohn. Die Beamten sind höflich. Verstehen was von Fußball. So vergeht die Zeit, dreieinhalb Stunden.

Was bedeutet U-Haft heute? Wir sehen Horst-Dieter Esch über eine Knusperente von Freund Wodarz gebeugt, Peter Graf über frischen Spargel vom "Mannheimer Hof", U-Haft, so entnehmen wir den Medien, übersteht man heutzutage mit guter Kost und in feinem Zwirn.

Roland Ernst wird im Bochumer Polizeigefängnis "in Gewahrsam" genommen und in eine Ausnüchterungszelle gesperrt. Ein Raum ohne Fenster. Betonpritsche. Ein Klo zum Stehen. Man nimmt ihm alles ab. Papiere. Handy. Herz- und Kreislauf-Tabletten. Er protestiert. Die Tabletten seien überlebenswichtig. Nach zwei Stunden teilt ihm ein Arzt die Pillenration für eine Nacht zu, sein Nitrolingual-Herzspray wird einbehalten. "Wenn Sie einen Anfall bekommen, können Sie es anfordern." Am Sonntagmorgen das Erkennungsdienst-Ritual. Fotos. Fingerabdrücke. Jetzt bin ich in der Verbrecherkartei, denkt Ernst. Zum ersten Mal geht's ihm wirklich schlecht.

Sibylle Zehle

Götterdämmerung

Der tiefe Sturz des Roland Ernst. Vom bedeutendsten Projektentwickler Deutschlands, vom geachteten Mäzen und hoch geschätzten Mitglied der Gesellschaft zum Wirtschaftskriminellen - manager magazin schildert die bittersten Monate des einstigen Immobilien-Tycoons.

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