Porträt Der Ernst-Fall

Der tiefe Sturz vom bedeutendsten Projektentwickler Deutschlands, vom geachteten Mäzen und hoch geschätzten Mitglied der Gesellschaft zum Wirtschaftskriminellen - manager magazin schildert die bittersten Monate des einstigen Immobilien-Tycoons.

So viel Schnee lag in St. Moritz die letzten 50 Jahre nicht. Noch im März ächzen die Dächer der Chalets am Suvretta-Hang unter meterhohen Lasten. Schnee häuft sich auf dem hübschen Holzhaus von Marc Rich - der Rohstoffhändler ist gerade in den USA von Bill Clinton begnadigt worden, 325 Jahre Haft per Federstrich getilgt ­ als Dank für Millionenspenden?

Schnee türmt sich auf dem stattlichen Anwesen des Ettlingers Manfred Schmider (Flowtex), zur Zeit in Untersuchungshaft.

Wohin man blickt an diesem herrlichen Engadiner Hang, nichts als unschuldig strahlendes Weiß. Aber mitunter lässt die Sonne die Schneekristalle aufblitzen, und man muss die Augen schließen, so sehr schmerzt das Tageslicht.

Wir steigen den steilen Weg hoch zur Clavadatsch-Hütte. Und manchmal bleibt Roland Ernst schwer atmend stehen. Die sechs Kilo, die er in sieben Tagen Untersuchungshaft vor einem Jahr verlor, hat der Heidelberger Bauunternehmer noch nicht wieder drauf. Aber die Höhe setzt seinem Herzen zu.

Gerade haben wir den schmucken Alterssitz von Ex-Bundesbahn-Chef Heinz Dürr passiert. Warum, um Gottes willen, hat er den damals nicht angerufen? Warum nicht Alarm geschlagen: Helfen Sie mir, ich werde von zwei Ihrer Leute erpresst?

Das hätte doch monatelange Untersuchungen nach sich gezogen, antwortet Roland Ernst. "Ich kenne die Strukturen der Bahn." Und stand ihm nicht das Wasser bis zum Hals? 1,7 Millionen Mark Zinsen pro Monat kostete der leer stehende Frankfurter Bürokomplex Gallus II die Adler Projektentwicklungsgesellschaft, die Roland Ernst gemeinsam mit der Philipp-Holzmann-Gruppe hielt.

Ein langfristiger Mietvertrag, der einen raschen Verkauf ermöglichen würde, war mit der Deutschen-Bahn-Tochter DB-Imm längst ausgehandelt. Aber die Sache ging nicht voran. Der Geschäftsführer Alexander May ließ schließlich wissen, er und sein Kompagnon, der DB-Imm-Projektleiter Horst Hadergasser, lieferten die Unterschriften auf dem Mietvertrag nur gegen Provision. "Ortsüblich" seien anderthalb Monatsmieten, genauer: 500.000 Mark, bar auf die Hand.

Ernst zahlte. Zwei Monate später war das Gebäude für 440 Millionen an die Degi, eine Fondsgesellschaft der Dresdner Bank, verkauft. Und Ernst, vermeintlich gerettet, zahlte weiter. Insgesamt kassierte das Duo May/Hadergasser in drei Jahren über sechs Millionen Mark, einmal, für das Bundesbahn-Projekt Duisburg-Netz, an einem einzigen Tag ganze 1.450.000 Mark - pro Nase.

Sibylle Zehle

Götterdämmerung

Der tiefe Sturz des Roland Ernst. Vom bedeutendsten Projektentwickler Deutschlands, vom geachteten Mäzen und hoch geschätzten Mitglied der Gesellschaft zum Wirtschaftskriminellen - manager magazin schildert die bittersten Monate des einstigen Immobilien-Tycoons.

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