Chat-Bericht Das müssen Gründer wissen

Was leisten Inkubatoren? Was können junge Unternehmen fordern? Die Experten Ann-Kristin Achleitner und Ronald Engel von der European Business School sagen, worauf Gründer achten müssen.

MapleLeaf:

Wie kann ich beurteilen, ob es sich für mich als junger Unternehmer rentiert, zu einem Inkubator zu gehen?

Achleitner: Sie müssen vorab beurteilen, ob Sie alleine schon alle kritischen Erfolgsfaktoren für einen Start (Finanzierung, Know-how ...) erfüllen.

LuckyTrader: Machen Inkubatoren im derzeitigen Umfeld noch Sinn? Die New Economy scheint doch am Ende zu sein. Welcher Venture Capitalist (VC) gibt da noch Geld?

Achleitner: Die New Economy ist sicherlich nicht am Ende, allerdings ist sie professioneller und qualitativ anspruchsvoller geworden.

RalfKA: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass das Inkubator-Konzept eigentlich gescheitert ist?

Achleitner: Das Inkubatorkonzept an sich ist nicht gescheitert, wohl aber eine große Menge von qualitativ nicht überzeugenden Anbietern.

Boromir: Ist es sinnvoll, bereits vor dem richtigen Erfolg, Anteile an meinem geistigen Eigentum (Geschäftsidee etc.) zu verkaufen?

Achleitner: Sie verkaufen ja nicht Ihre Idee, sondern Sie kaufen das Know-how und Kapital, damit aus Ihrer Idee ein Unternehmen wird.

Nils: Hallo! Hier meine erste Frage: Welche Anforderungen sollte ich als Jungunternehmer an einen Inkubator stellen?

Achleitner: Der Inkubator sollte Ihnen genau das zur Verfügung stellen, was sie brauchen. Zudem muss der Fit stimmen.

LuckyTrader: Was ist der "Fit"???

Achleitner: Das heißt, dass Sie das Gefühl haben, Sie und das Team des Inkubators passen fachlich und menschlich zusammen.

Florian: Gibt es Benchmarks über die Performance von Inkubatoren/VCs?

Achleitner: Benchmarks für deutsche Inkubatoren gibt es noch nicht, da das Phänomen zu neu ist. Aus den USA liegen Erfahrungen vor, inwieweit in Inkubatoren "gezüchtete" Unternehmen erfolgreicher waren. In der Regel handelte es sich dabei allerdings um non-profit Inkubatoren.

Lucky: Gibt es denn auf internationaler Ebene Benchmarks?

Achleitner: Benchmarks gibt es, wenn auch eingeschränkt, nur in den USA. Inkubatoren gibt es nun weltweit, diese sind allerdings alle viel jünger als in den USA.

Guest1: Brauche ich als junges Unternehmen nicht gerade auch sehr viel Beratung neben Geld von Investoren?

Achleitner: Sie brauchen vor allem Beratung - und auch Netzwerke. Geld allein reicht ganz selten. In der Regel brauchen Sie auch mehr als Beratung - nämlich tatkräftige Unterstützung.

Florian: Wie kommt man diese Performance-Daten?

Achleitner: Ich habe sie aus wissenschaftlichen Untersuchungen. Für Sie allerdings wäre es richtig, sich an den Verband in den USA zu wenden - NBIA.

Florian: Können Sie diese Untersuchungen zur Verfügung stellen?

Achleitner: Ist im FinanzBetrieb 1/01, S.74ff, in einem Artikel von uns zitiert.

H3: Was ist der Unterschied zwischen einem TGZ, einem non-profit Inkubator und einem Inkubator?

Achleitner: TGZs sind non-profit, im Unterschied zu Inkubatoren gibt es aber in der Regel keine Finanzierung. Bei non-profit Inkubatoren werden v.a. andere als finanzielle Ziele verfolgt, so v.a. die Schaffung von Arbeitsplätzen.

HrJenuwein: Der ADT führt als TGZ auch den Inkubator von 1&1, dieser ist doch for profit?

Achleitner: Kann ich leider nicht beurteilen, da ich diesen Spezifischen nicht kenne. Hr. Engel neben mir ist schlauer: er ist for profit!

Nils: Funktioniert das Inkubatorkonzept auch in Bärenzeiten, wenn der lukrativste Exit-Kanal (IPO) versiegt?

Achleitner: Gerade dann funktioniert er, weil der Exit erst sehr viel später erfolgt, wenn die zyklischen Märkte sich in der Regel erholt haben. Zudem exiten Sie ja nicht nur über die Börse.

BastianBalthasarBux: Gates brauchte auch keinen Inkubator - wenn ich und die Bank vom Business Plan überzeugt sind, wozu noch ein Inkubator? Die wollen langfristig doch mehr Geld als die Bank.

Achleitner: Wenn Sie Gates sind, kann das stimmen!

Nils: Ihre Studie kommt u.a. zu dem Schluss, dass das Angebot auf dem Inkubatorenmarkt steigen wird, da die Eintrittsbarrieren sehr niedrig sind. Auch bei Biotech-Inkubatoren?

Achleitner: Biotech ist ein völlig anderes Geschäftsfeld, das sich insbesondere durch hohen Kapitalbedarf auszeichnet. Das ist nicht die typische Rolle von Inkubatoren. Insofern würde ich vermuten (das haben wir allerdings nicht untersucht), dass das Angebot im Biotech-Bereich nicht steigt.

Nils: Gibt es eventuell Studien, die sich mit Biotech befasst haben und Ihnen bekannt sind?

Achleitner: Da muss ich leider passen.

Nils: Aber brauchen Biotech-Firmen nicht ungleich mehr Unterstützung und ein Inkubator und VC ist was unterschiedliches?

Achleitner: Nicht mehr Unterstützung, sondern andere. Der entscheidende Punkt ist aber, dass die Unterstützung UND ganz viel Geld brauchen.

Karpfen: Wann hört die Arbeit von Inkubatoren auf? In welchem Umfang werden Start-ups nachbetreut?

Achleitner: Das hängt vom Business Modell ab. Siehe S. 52ff. der Studie.

Boromir: Lohnen sich Inkubatoren nur für New-Economy-Firmen oder kann ich auch mit "klassischen" Betrieben (z.B. Anwaltskanzleien) von Inkubatoren profitieren?

Achleitner: Inkubatoren lohnen auch im Nicht-New-Economy-Bereich, allerdings muss es sich um Wachstumsunternehmen handeln.

MapleLeaf: Ab wann qualifiziert sich eine Geschäftsidee als Wachstumsgeschäft? Welche Richtlinien gibt es dort?

Achleitner: Richtlinien gibt es nicht und auch wissenschaftlich ist das nicht sauber abgrenzbar. Es geht allerdings darum, inwieweit ein erhebliches Wachstumspotential da ist (das ist z.B. in der Regel nicht der Fall, wenn Sie eine Hemdenreinigung eröffnen). Wichtig ist in der Regel, dass das neu gegründete Unternehmen in irgendeiner Hinsicht innovativ ist.

MapleLeaf: In welchem Rahmen bewegen sich die Kosten für Inkubator-Leistungen?

Achleitner: Die Höhe hängt von der Leistung ab. Insofern lässt sich das nicht pauschal beantworten. Einflussfaktoren sind die Höhe des Kapitals, das Ausmaß der Unterstützung und die Frage, ob Infrastruktur etc. vom Anbieter gezahlt werden. Zudem sind die geplanten Finanzierungsrunden zu berücksichtigen.

HrJenuwein: Der Schnitt bei der Beteiligung nach Harvard liegt bei 30 Prozent.

Achleitner: Laut unserer Studie, die sich auch an Harvard ausgerichtet hat, sind es rund 20 Prozent. Insofern weicht es nicht so sehr ab.

Klein: Können Unternehmen auch aus einem Inkubator rausgeworfen werden?

Achleitner: Ja, in einem Inkubator sollte man nur begrenzte Zeit sein. Allerdings wird man nicht "rausgeschmissen", ohne dass der Einzelfall angeschaut wird.

Karpfen: Wer bestimmt diesen Zeitraum?

Achleitner: Darüber sollte man sich vor ab ausgetauscht haben. Zudem ergibt es sich auch aus der jeweiligen Entwicklung.

Klein: Was könnten Gründe für einen Rausschmiss sein?

Achleitner: Grund eins ist natürlich, dass man nicht zu bequem werden sollte, sondern irgendwann selber laufen sollte. Zudem kann es sich ja auch ergeben, dass die Firma einfach "nicht fliegt", z.B. weil sich die Gründer nicht anstrengen. Da muss der Inkubator natürlich nach Ablauf der Zeit irgendwann die Reißleine ziehen.

Boromir: Kann ich auch rausfliegen, weil meine Geschäftszahlen nicht die Erwartungen erfüllen?

Achleitner: Hängt vom Vertrag und vom Grund ab. Wichtig ist, warum die Zahlen nicht stimmen. Wenn Sie einfach ein fauler Hund sind, ist das etwas anderes, als wenn z.B. Ihr Kundenmarkt zusammengebrochen ist.

NASDAQradar: Wieviel Unterstützung kann ich vom Inkubator verlangen, wenn ich außer eines Business Plans und zwei Programmierern nichts vorweisen kann (z.B. Geld, Beziehungen, Equipment)?

Achleitner: Dann sind Sie ein idealer Kandidat - weil der Inkubator Ihnen etwas bieten kann. So könnte er z.B. die komplementären Teammitglieder suchen. Zudem würde er auch den Business Plan noch einmal überarbeiten.

HrJenuwein: Die Experten von Harvard haben sechs Inkubatoren in Deutschland identifiziert, Ihre Studie benennt das zehnfache. Wie erklären Sie sich die große Differenz?

Achleitner: Ein wichtiger Grund liegt im zeitlichen Abstand. Wir haben die Harvard Studie als Anregung genommen, eine Studie in Deutschland zu machen. In der Zeit kam dann der explosionsartige Anstieg. Zudem haben wir den Begriff weiter gefasst. Wir waren an der Inkubation als Prozess und nicht nur am Begriff "Inkubator" orientiert. Insofern gab es auch solche Intermediäre, die wir miterfasst haben, weil sie inkubieren, die Harvard nicht genommen hätte, weil sie sich nicht Inkubator nennen oder auch andere Dinge machen.

Sven: Gibt es bedeutende Inkubator-Netzwerke, das heißt eine Kooperation einzelner Inkubatoren, um Synergievorteile zu erzielen?

Achleitner: Es gibt einen Zusammenschluss formeller Natur, in dem einige sind. Wichtiger sind allerdings die informellen Kontakte, wie sie Venture Capitalisten im allgemeinen haben. Da auch Inkubatoren bestimmte Leistungsprofile haben, würden Sie Business Pläne, die nicht ideal zu ihrem Profil passen, durchaus an den richtigen Partner weiterreichen.

Guest1: Wann zeichnet sich ab, ob ein Unternehmen auch ohne Inkubator sein kann.

Achleitner: Vorher muss man sich fragen, ob ein Inkubator auch richtig ist. Dann sollte es den Inkubator nutzen, solange es ihm hilft. Allerdings wird es häufig in späteren Runden vor allem andere Dienstleistungen brauchen. Die bringt dann der Finanzierer der nächsten Runde mit, ein Beispiel dafür ist die Internationalisierung.

BramStoker: Was halten Sie von Inkubatoren, die an große Firmen gebunden sind (z.B. Siemens), lohnt sich die Ansiedelung dort, oder verliere ich mehr Unabhängigkeit als bei anderen?

Achleitner: Hängt davon ab, was Sie wollen. Notwendig, damit es passt, ist, dass Sie überhaupt einen strategischen Partner brauchen.

BramStoker: Was passiert, wenn mein Unternehmen im Inkubator Pleite macht? Muss ich dann damit rechnen, dem Inkubator gegenüber Schulden zu haben?

Achleitner: Sie bekommen ja kein Fremdkapital, sondern Eigenkapital. Das ist dann weg. Allerdings sind Sie damit nicht in einer juristischen Schuld.

Florian: Warum halten Sie Corporate Inkubatoren für viel versprechend?

Achleitner: Wir haben uns das aus der Sicht der Unternehmen angeschaut. Für die macht es wirklich Sinn, weil sie mehr als ein Finanzinvestment machen. Insbesondere kriegen sie ein Window on Technology.

BramStoker: Können Sie ein Beispiel für eine große, börsennotierte Firma nennen, die im Inkubator angefangen hat?

Achleitner: Für Deutschland nicht. Für die USA ginge es sicherlich, allerdings kann ich Ihnen hierzu spontan kein Beispiel geben. Allerdings: gute Idee, werde mir das mal anschauen.

Karpfen: Macht sich ein Unternehmen nicht abhängig, wenn es sich in die Arme des Inkubators begibt?

Achleitner: Was ist Abhängigkeit? Von Ihrem Partner sind Sie auch abhängig. Entscheidend ist, ob man gemeinsam weiter kommt und dabei das gleiche Ziel verfolgt. Deswegen habe ich eingangs so sehr auf den Fit hingewiesen. Wenn der stimmt, empfindet man die Abhängigkeit nicht. Wenn er nicht stimmt, ist es allerdings problematisch und man kann sich natürlich auch eingeengt fühlen.

Nils: Hat Ebay nicht im Idealab angefangen?

Achleitner: Meiner Meinung nach nicht, aber ich werde der Sache nachgehen, wenn ich mir grundsätzlich die Frage der Börsennotierten anschaue.

Klein: Lagern Konzerne mit Hilfe eines Inkubators nicht ihre Risiken aus?

Achleitner: Es geht denen erstens nicht um die Risiken, sondern um die Schaffung von Chancen. Risiken lagern Sie zudem nur aus, wenn sie so Ideen nachgehen, die sie selber hatten. In der Regel werden aber Ideen ausgebrütet, die von außen kommen. Insofern wäre ein internes Ausbrüten keine Alternative gewesen.

MapleLeaf: Helfen Inkubatoren mir auch bei eventuellen Patentproblemen, -anmeldungen und -streitigkeiten?

Achleitner: Eine wichtige Rolle wäre, für Sie den passenden Patentanwalt zu finden. So legt auch die Harvard Studie Wert darauf, wie wichtig der Zugang zu den richtigen Marktpartnern wie Anwälten ist, den ein Inkubator besser schaffen kann.

BramStoker: Bin ich dem Inkubator gegenüber zu irgendwas verpflichtet? Oder kann ich mich jederzeit lösen?

Achleitner: Kommt auf die vertragliche Gestaltung an. Allerdings wäre einem Inkubator geraten, damit seine Investition erfolgreich sein kann, nicht völlige Freiheit zu lassen.

HrJenuwein: Wie sehen sie die zukünftige Bedeutung von Inkubatoren an Universitäten?

Achleitner: Faktisch steigt die Bedeutung. So wurde gerade ein Inkubator in Frankfurt eröffnet. Einer kommt auch an unserer Universität - der European Business School.

HrJenuwein: Arbeitet der EBS-Inkubator als for-profit Organisation?

Achleitner: Nein.

Sven: Wo erhalte ich nähere Informationen zum EBS-Inkubator?

Achleitner: Melden Sie sich bei Prof. Klandt, unserem Professor für Existenzgründung. Die Telefonnummer der Zentrale ist 06723-690.

Nils: Noch mal zu den Anforderungen an einen Inkubator, ich muss darauf achten, dass der "Fit" stimmt, aber gibt es auch Hard Facts, die beachtet werden müssen?

Achleitner: Absolut. Der Fit ist die notwendige, aber absolut nicht hinreichende Kondition. Ganz wichtig ist, dass Sie für Ihren Anteil bekommen, was Sie brauchen. Zu den Hard Facts zählen das Leistungsspektrum und der Branchenfokus. Ohne den kann z.B. keine hinreichend gute Unterstützung oder Beratung erfolgen. Na, und auch das Kapital ist natürlich ein Hard Fact - harte Euros!

Nils: Warum gibt es zwei Wachstums-/ Zukunftsmärkte: Internet und Biotech, aber nur für einen ein schlüssiges Inkubator-Konzept?

Achleitner: Das liegt daran, dass der wirkliche Beitrag eines Inkubators nicht in der Finanzierung, sondern der Unterstützung liegt. In der Regel ist das am Anfang das Wichtigste. Im Biotech Bereich allerdings brauchen Sie schnell und lange sehr hohe Summen. Da sind Venture Capitalisten gefragt, die dies auch liefern können.

BramStoker: Kann es mir passieren, das der Inkubator nach Einsicht meines Business-Plans, diesen klaut? Gibt es bekannte schwarze Schafe?

Achleitner: Eine Idee zu klauen ist eine der ganz schlimmen Unsitten in noch nicht professionellen Märkten. Natürlich war dies im VC-Bereich in Deutschland manchmal der Fall - wie es in allen Bereichen schwarze Schafe gibt. Allerdings: Hier entwickelt sich ein professioneller Markt, indem solche Techniken dazu führen, dass man einen schlechten Ruf kriegt. Zudem darf die Bedeutung einer reinen Idee ohne Team nicht überschätzt werden!!!!!

LuxLu: Wie kann ich mich dagegen schützen?

Achleitner: Theoretisch gesehen durch eine Vertraulichkeitserklärung. Praktisch gesehen ist es wichtig, dass Sie zu einem vertrauensvollen Partner mit gutem Ruf gehen. Erkundigen Sie sich also auch vorher!

LuxLu: Gibt es eine Art "Branchenverzeichnis" für Inkubatoren, wo ich mir die Besten für meine Zwecke aussuchen kann?

Achleitner: Nein.

MapleLeaf: Inwieweit nimmt der Inkubator Einfluss auf meine Geschäftspolitik und strategischen Entscheidungen?

Achleitner: Das sollte er dann tun, wenn er Ihnen hier helfen kann, weil er z.B. die Idee weiterentwickelt. Wenn Sie den Inkubator mit hineinnehmen, sollte er, wie auch ein Business Angel oder ein VC, ein Partner sein, bei dem Sie mental auch dazu bereit sind. Wenn der Inkubator dies überhaupt nicht täte, könnte er Ihnen auch nicht helfen.

Boromir: Bleibt die endgültige Entscheidungsgewalt dennoch in meinen Händen oder kann der Inkubator direkt eingreifen?

Achleitner: Das hängt vom Vertrag und vom Ausmaß der Beteiligung ab. In der Regel bestimmt aber der Unternehmer die Geschäftspolitik.

HFFuge: Wie ist denn die Anbieterstruktur bei Inkubatoren in Deutschland momentan zu beurteilen (VCs; Unternehmensberater; Real Estate Developer)?

Achleitner: Genaueres zur Struktur gibt es in der Studie auf S.31.

HFFuge: Welche speziellen Restriktion sind dabei in Deutschland für die Anbieter vorhanden (e.g. keine Equity-for-Fee Modelle wegen BDU).

Achleitner: Diese Frage wird von den verschiedenen Anbietern sehr kontrovers diskutiert und es wird unterschiedlich agiert.

Nils: Wo genau verläuft die Grenze zwischen VC, Inkubator und Business Angel?

Achleitner: Bei der ganzen Terminologie gibt es keine klaren Grenzen. Einfache Regeln: Ein Business Angel ist eine natürliche Person. Ein VC und ein Inkubator sind Unternehmen. Inkubatoren sind in der Seed-Phase. Da sind auch manche VCs - hier ist dann eine Berührung. In der Regel sind Inkubatoren operativer - sie arbeiten mit, während VCs beraten. Das muss allerdings nicht immer so sein.

HrJenuwein: Ein namhafter Manager eines Inkubators sieht den Inkubator als Eliteschmiede ("Wir nehmen nur die Besten"). Sehen Sie das auch so? Achleitner: Klar, jeder Venture Capitalist und jeder Business Angel sollte nur die Besten nehmen - wenn er schon die Auswahl hat. Außerdem wollen Sie ja auch nur mit den Besten in einem Kasten hocken, damit Sie von einander lernen können.

HrJenuwein: Sollten Inkubatoren nicht die aufnehmen, die ohne Hürde in den VC gelangen?

Achleitner: Frage ist, warum sie nicht in den VC gelangen. In der Regel haben Sie absolut recht - die Inkubatoren sollten die nehmen, die für den VC zu jung und noch nicht weit genug sind.

HrJenuwein: Ist man sich in der Wissenschaft überhaupt einig, was ein Inkubator im Speziellen ist, oder was ihn zu einem macht?

Achleitner: Ein Kollege von mir sagt kürzlich: Wenn zwei Wissenschaftler sich einig sind, dann sollte man Verdacht schöpfen ... Allerdings sind wir auf S. 6 so vermessen, einen Versuch zu starten ...

Nils: Was genau ist ein virtueller Inkubator, bringt der nur noch Netzwerk und Beratung mit? Also keine lokale Nähe mehr?

Achleitner: Der bringt Beratung/Unterstützung, Netzwerke und Geld mit, aber gibt Ihnen nicht die Infrastruktur. Bildlich gesprochen sitzen nicht alle in einem Kasten, sondern sie sind entweder da (gegen Miete) oder in ihren eigenen Büros.

Lucky: Wie unterscheiden Sie zwischen Inkubatoren und VCs, die auch Beratung bieten? In letzter Zeit bieten immer mehr VCs auch Beratung.

Achleitner: Stimmt. Die Übergänge hier sind absolut fließend!

HrJenuwein: Warum werden in der aktuellen Diskussion Innovationszentren und die "neuen" Inkubatoren derart stark getrennt?

Achleitner: Deswegen, weil die Zielsetzung nicht gleich ist. Das Geschäftsmodell ist entweder rein for-profit oder hat auch andere Ziele wie die Standortförderung.

Sven: Gibt es Untersuchungen, was einen Konzern die Schaffung eines Inkubators kostet bzw. wie intern die Dienstleistungen (Beratung, Recht, IT) zu bewerten und zu verrechnen sind?

Achleitner: Nein.

HrJenuwein: VC und Beratung macht doch noch lange keinen Inkubator?

Achleitner: Ich habe auch nicht gemeint, das würde einen Inkubator kreiieren, sondern ausdrücken wollen, dass die Grenzen nicht trennscharf sind. Ganz wichtig sind z.B. auch die Netzwerke. Der wichtigste Punkt ist aber die Unterscheidung zwischen einem Berater und einem aktiven Mit-Gründer.

BramStoker: Sind Inkubatoren nur für absolute Neulinge interessant oder kann ich Sie auch nutzen um aus einer kleinen eine etwas größere Firma zu machen?

Achleitner: Ja. So nimmt z.B. AntFactory häufig Late Stage-Unternehmen. Auch Roll-outs sind hier zu nennen.

Boromir: Was ist von jungen Inkubatoren zu halten? Die können doch kaum Netzwerke mitbringen!

Achleitner: Das hängt vom Hintergrund und der Erfahrung des Management-Teams ab.

Nils: Wie gut können denn die Netzwerke der ganz jungen Inkubatoren sein, wenn es die erst so kurz auf dem Markt gibt? Sind die Geschäftsführer schon eher älter ?

Achleitner: Das sollten sie sein, damit sie eine Leistung erbringen können. Das betrifft ja nicht nur die Netzwerke, sondern v.a. die Unterstützung.

Nils: Gibt es Studien, die den Inkubatormarkt aus Sicht von Start-ups untersucht haben?

Achleitner: Nein. Das gibt es aber in Bezug auf VCs - siehe vorletztes FAZ Finance.

Guest1: Macht es überhaupt noch Sinn, die Unternehmen in einem Haus anzusiedeln?

Achleitner: Dazu herrscht noch keine Einigkeit. Es kristallisiert sich jedoch heraus, dass der Vorteil davon überschätzt wurde.

MapleLeaf: Spart mir der Inkubator also eventuell den Gang zur Bank, um mir einen Kredit bewilligen zu lassen?

Achleitner: Das ist in der Regel nicht die Alternative. Der Inkubator gibt Ihnen das Eigenkapital, damit Ihnen später ggf. mal eine Bank das Fremdkapital gibt.

Nils: Wurden bei der Auswahl der Inkubatoren von Seiten der Unternehmen auch weiche Faktoren (Kultur, S-Bahn/Flughafen-Anschluss etc.) ins Kalkül gezogen?

Achleitner: S-Bahn ist natürlich nicht weich und sollte nicht zentral sein ... Kultur ist extrem wichtig: Siehe den Hinweis auf den Fit!


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