Umsteiger Guter Freund

Microsoft-Ankläger Joel Klein hilft Bertelsmann. Sein Netzwerk kann für den expansionswütigen Konzern sehr von Nutzen sein.

New York - Es geschah beim Abendessen im Hause des renommierten Washingtoner Rechtsanwalts und Clinton-Vertrauten Vernon Jordan. Vor vier Jahren lernten sich dort Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, 47, und Joel Klein, 54, Chef der US-Kartellbehörde, kennen.

Eine Männerfreundschaft entwickelte sich. Wann immer Middelhoff von da an nach Washington kam, rief er Klein an, und die beiden trafen sich zum Frühstück.

Klar, dass Klein auch im Mai 1999 an Middelhoffs Geburtstagsfete im New Yorker Nobelrestaurant "Daniel" teilnahm. Und im Dezember 2000 wurde Klein bei einer Party im Hause Middelhoff in Gütersloh gesehen. Dort gab er "ein paar verrückte Späße" zum Besten, wie sich Middelhoff erinnert.

Nun hat der Spaßvogel Ernst gemacht und beim Medienkonzern einen Vertrag unterschrieben. Seit 1. Februar ist Klein CEO von Bertelsmann Inc., Chief U. S. Liaison Officer und strategischer Berater seines Freundes Middelhoff, mit Sitz in New York.

Der exzellente Jurist Klein, der durch das Kartellverfahren gegen Microsoft berühmt wurde, war am Ende der Clinton-Administration auf Jobsuche. Leute wie er sind begehrt, sie verfügen über beste Kontakte in Politik und Verwaltung.

Kleins Netzwerk kann für den expansionswütigen Konzern sehr von Nutzen sein. Derzeit läuft die Genehmigungsphase der Fusion von Emi und der Bertelsmann-Tochter BMG. Außerdem streitet sich Bertelsmanns Neuerwerbung Napster mit der Konkurrenz herum.

Da ist es gut, wenn man Freunde wie Klein hat.

Wolfgang Hirn

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