Albert Cramer Der Premium-Bierbrauer

Ein Sauerländer brachte den Deutschen bei, was "das einzig Wahre" ist. Zwar kämpft auch Warsteiner mit sinkenden Umsätzen, hält aber dennoch den dritten Platz unter Deutschlands Privatbrauereien. Auch die Nachfolge hat Albert Cramer geklärt - seine Tochter wird das Familienunternehmen weiterführen.
Von Christian Keun und Anne Klesse

Hamburg - Nie sollte jemand sein Premium-Pils nur für "irgendein Bier" halten. Exklusiv und nobel heißen die Attribute, die Deutschlands Biertrinker - geht es nach dem 60-jährigen Albert Cramer - mit seinem Warsteiner zu verbinden haben.

Schmackhaften Gerstensaft verstehen auch andere zu brauen. Deshalb stilisierte der gelernte Marketingexperte das Vorzeigeprodukt seiner sauerländischen Brauerei über Jahrzehnte zur "Königin" hoch. Mit Werbeetats im deutlich zweistelligen Millionenbereich, mit aufwändigem Sport-Sponsoring und einer jahrelang unveränderten Kampagne: Schwarzer Hintergrund, schlanker Kristallkelch, donnernde Fanfare - unter Werbern längst ein Klassiker.

Inzwischen ist die Fanfare Geschichte. Warsteiner - erstmals 1753 in den Steuerbüchern der Stadt Warstein erwähnt - baut nun auf die Überzeugungskraft des Ex-Profi-Fußballers Jürgen Kohler.

Üble Gerüchte und durstige Kehlen

Im neuen TV-Spot zieht dieser auf einer Party die Rückenetiketten von Warsteiner-Flaschen ab. Der Zuschauer soll es ihm gleichtun und die gesammelten "Liga-Points" gegen die zur Belohnung winkenden Prämien einschicken. Die "Königin" setzt jetzt auf König Fußball.

Den imagebewussten Vorsteher des Traditionshauses Warsteiner, traf es besonders hart, als Mitte der 90er Jahre Gerüchte aufkamen, er sei Mitglied der übelbeleumdeten Scientology-Sekte. "Das ist das Dümmste, was ich in den letzten zehn Jahren gehört habe", grollte der Chef damals. Und kämpfte. Die Wahl der Waffen fiel ihm leicht: Er entschied sich für eine landesweite Anzeigenserie.

Das Geschwätz über die angeblichen Sektenkontakte geriet nicht zur Katastrophe für das Haus Cramer, wie manche Manager der Konkurrenz - wohl nicht ganz frei von Hintergedanken - prophezeiten. Im Gegenteil: 1994, einem Spitzenjahr für die Brauerei, ließen sich die Bierfreunde des Landes 6,2 Millionen Hektoliter Warsteiner die trockenen Kehlen hinunterlaufen und kürten Cramer so zum ersten Braumeister der Republik.

Schrumpfender Absatz trotz Premium-Image

Schrumpfender Absatz trotz Premium-Image

Nach einem Sinkflug in den späten 90er Jahren hat Cramer den angekündigten Turnaround inzwischen geschafft. Zu der Haus-Cramer-Gruppe gehören neben der Warsteiner Brauerei auch die Paderborner Brauerei (Paderborner, Isenbeck, Weissenburger) und eine Beteiligung an der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg (König Ludwig Dunkel, Prinzregent Luitpold Weißbier).

Im vergangenen Jahr verkaufte die Cramer'sche Braugruppe 6,04 Millionen Hektoliter Bier - 12,8 Prozent weniger als 2002. Cramer sieht für Warsteiner die Gründe für den Rückgang vor allem im Dosenpfand und dem Rückzug aus dem Discounter-Geschäft. Warsteiner belegt nach Krombacher und Bitburger inzwischen nur noch den dritten Platz auf der Liste deutscher Privatbrauereien. Obwohl der Umsatz 2003 um 10 Prozent auf rund 475 Millionen Euro sank, konnte die Cramer-Gruppe ihren Gewinn immerhin deutlich steigern.

Nachfolge ist geklärt

2003 war kein gutes Jahr für Bierbrauer: Insgesamt verkauften die deutschen Brauereien weniger Bier auf dem heimischen Markt als im Vorjahr. Ihr Absatz sank von 108,4 Millionen Hektoliter auf rund 104 Millionen Hektoliter Bier. Cramer musste also einen überdurchschnittlichen Absatzrückgang hinnehmen.

Auch das Privatleben Albert Cramers lief nicht immer ganz rund: Ende der 90er Jahre kehrte Tochter Marie-Christina Familie und Firma den Rücken. Ihre Anteile am väterlichen Unternehmen gab sie zurück und zieht seither das gemeinsame Leben mit einem algerischen Musiker in Paris dem Prokuristinnen-Dasein im Sauerländischen vor. Zudem trennten sich Cramer und seine Frau Annemarie im Jahr 2002.

Die Nachfolge von Cramer, der Inhaber in der siebten Generation ist, wird seine jüngste Tochter Catharina antreten. In den nächsten zwei Jahren soll sich die Brauerei-Erbin auf ihre Aufgabe vorbereiten.

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