Köpfe 2000 Werner Seifert: Der Gescheiterte

manager-magazin.de stellt die 20 Köpfe des Jahres vor. Heute: Werner Seifert. Der Chef der Deutschen Börse ist mit seinen Plänen für die Superbörse iX grandios gescheitert.

Fehlende Hartnäckigkeit kann man Werner G. Seifert, 51, wirklich nicht nachsagen. Der Mann will Chef der größten europäischen Börse werden. Und er hat das auch in allen denkbaren Varianten versucht.

Zuerst wollte sich der Chef der Deutschen Börse AG mit den Kollegen aus Frankreich zusammentun; später mit den Engländern; noch später gleich mit den acht größten europäischen Börsen. Im Frühjahr zu schlechter Letzt kündigte der konditionsstarke Seifert die Fusion mit der London Stock Exchange an.




Große Pläne
Trotz des Scheiterns der Fusion mit der Londoner Börse hat Seifert nicht aufgegeben. Nun plant die Deutsche Börse ihr IPO, um so die Währung für zukünftige Fusionen zu schaffen. ...mehr
Dieses Mal schien er an vieles gedacht zu haben: Renitente Lokalpolitiker und Regionalbanker besprach Seifert persönlich und drehte sie um.

Aber: Seifert hatte, dummerweise darf, ja muss man dringend sagen: zur Abwechslung diesmal die Empfindsamkeiten der übrigen eitlen Beteiligten unterschätzt. Die Götter schätzen solche Szenen nicht.

Als unversehens und aus der Tiefe des skandinavischen Finanzraums die schwedische OM Gruppen ihrerseits den Versuch unternahm, die Stock Exchange mit einem Übernahmeangebot zu kapern, bröckelte Seiferts Bündnis wie eine alte Torte.

Eines hat der Großstratege immerhin und trotzdem erreicht: dass die übrigen europäischen Börsenchefs sich einig sind wie nie zuvor. Auch nicht schlecht.

Die Franzosen haben mit Belgiern und Niederländern fusioniert; die Schweizer taten sich mit der Handelsplattform Tradepoint zusammen.

Seifert, der Europas Börsenlandschaft neu ordnen wollte, hat genau dies erreicht - und steht trotzdem mit leeren Händen da. Klasse.




Die Köpfe 2000 im Überblick

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