Baulöwe Roland Ernst Geständnis bleibt vorerst folgenlos

Der Schmiergeld-Prozess gegen den Heidelberger ist einen Tag nach dem Start geplatzt. Es gab noch zu viele Ungereimtheiten.

Bochum - Das Landgericht Bochum sah am Dienstag Fragen um Geldflüsse beim Verkauf eines Bonner Ministeriumsgebäudes ungeklärt und will weiter ermitteln lassen. Ernst hatte am Montag ein Geständnis abgelegt.

Terminnöte zwangen die 13. Strafkammer, das Strafverfahren gegen den wegen Untreue, Betruges und Bestechung Angeklagten abzutrennen. 2001 wird der Prozess neu aufgerollt.

Der Prozess gegen vier andere Angeklagte wird unterdessen vorangetrieben. Der ehemalige Anwalt von Ernst, Thomas Gatzka, wurde vom Vorwurf der Untreue freigesprochen. Gegen drei Angeklagte sollen am Mittwoch die Urteile gesprochen werden.

Im Prozess gegen Ernst müsse noch die Rolle einer Bank beim Verkauf des Bundesentwicklungshilfe-Ministeriums (BMZ) in Bonn aufgeklärt werden. Das Gebäude war von einer Ernst-Firma gebaut und Mitte der neunziger Jahre für 290 Millionen Mark nach Schmiergeldzahlungen an ein Unternehmens-Konsortium verkauft worden.

Bei den anderen Angeklagten sieht das Gericht die Erpressungsvorwürfe gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Immobilien-Tochter der Deutschen Bahn, Alexander May, so gut wie vom Tisch. May und sein ehemaliger Untergebener Horst Hadergasser sollen von 1996 bis 1999 laut Anklage zusammen rund 6,3 Millionen Mark Schmiergeld von Ernst kassiert haben. Ernst sprach im Prozess von Zuwendungen mit einem Gesamtwert von sieben Millionen Mark.

Mai und Hadergasser räumten am zweiten Prozesstag sogar noch mehr Bestechlichkeiten ein. Auch bei dem Projekt "Hannover Netz" der Deutschen Bahn flossen danach von 1997 an offenbar Schmiergelder in sechsstelliger Höhe, allerdings nicht von Ernst, sondern angeblich von einem bekannten Projektentwickler aus dem Frankfurter Raum.

Bei den Ex-Bahnern und und beim mitangeklagten Immobilienmakler Rolf Rietz, der Ernst mit Scheinrechnungen geholfen haben soll, hält die Strafkammer die Fälle für entscheidungsreif.

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