Headhunter Telefonverbot für Kopfjäger

Personalberater dürfen potenzielle Kandidaten nicht mehr am Arbeitsplatz anrufen. Bei Verstößen dürfen Unternehmen Schadenersatz verlangen. Der Branchenverband will das Urteil nicht hinnehmen.
Von Jochen Eversmeier

Stuttgart/Köln - Anrufe von Headhuntern am Arbeitsplatz sind nicht mehr erlaubt. Ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart wurde nun rechtskräftig.

Demnach können Headhunter zwar weiterhin Mitarbeiter anderer Firmen abwerben, aber sie dürfen diese nicht mehr telefonisch am Arbeitsplatz kontaktieren.

Die Entscheidung des OLG Stuttgart stammt aus dem Dezember 1999, wurde aber jetzt rechtskräftig, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe einen Revisionswunsch des vor Gericht unterlegenen Headhunters ablehnte.

Das Geschäft der Headhunter wird damit immer schwieriger. Denn eigentlich sind Anrufe bei Konkurrenzfirmen der Mandanten gang und gäbe in der Personalwerber-Branche.

Entsprechend harsch fällt die Reaktion des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) aus, der mit seinem Fachverband Personalberatung Firmen dieser Branche vertritt.

BDU: "Urteil behindert Wettbewerb"

"Das aktuelle Urteil behindert den Wettbewerb", kommentiert BDU-Geschäftsführer Christoph Weyrather gegenüber manager-magazin.de. Der BDU rechnet zunächst mit einer Abmahnungswelle gegen Personalwerber.

Der Verband will dagegen angehen. Voraussichtlich soll in einem erneuten Anlauf vor Gericht klargestellt werden, dass der kurze Telefonkontakt zum Mandaten an dessen Arbeitsplatz ebenso weiter erlaubt sei, wie "dessen kurze Verabredung mit einem Freund zum Tennis" (Weyrather).

Im vorliegenden Fall hatte das Gaildorfer Informationstechnik-Systemhaus Bechtle geklagt. Die angeblich ausführlichen und längeren Anrufe eines Personalberaters seien "öfter, als es uns lieb war" bei Mitarbeitern des Unternehmens eingegangen, sagte ein Bechtle-Sprecher. Betroffen gewesen seien nicht nur "die oberen Etagen", sondern auch Mitarbeiter aus der mittleren Ebene des IT-Dienstleisters.