Michael Rogowski Voith-Chef und Schwabe mit Herz

Von seinem Vorgänger Hans-Olaf Henkel unterscheidet sich der designierte BDI-Chef nicht nur durch seinen Dialekt.

Heidenheim - Während der Hamburger Henkel seine Gesprächspartner mit seiner kühlen Art und schroffen Kommentaren oft vor den Kopf stieß, gilt Rogowski als umgänglicher Mensch, der gerne und herzlich lacht.

Probleme im Betrieb löst Rogowski nur ungern aus dem Bürosessel. Der Chef des Voith-Konzerns ging gleich hinüber in die Produktionshallen und sprach mit den Arbeitern - natürlich in breitem schwäbischen Dialekt.

Erfolgreich beim Maschinenbauer Voith

Bei dem Maschinenbau-Unternehmen in Heidenheim nördlich von Ulm verbrachte der promovierte Wirtschaftswissenschaftler den größten Teil seines beruflichen Lebens. Der 61-Jährige machte Voith zum Weltkonzern und steigerte den Umsatz von einer Milliarde auf fast das fünffache.

In Zukunft muss der Schwabe seine Heimat häufiger verlassen: An diesem Montag wird er zum Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) gewählt.

Für die Angestellten, so heißt es, hatte er stets ein offenes Ohr. Auch privat geht der Vater von zwei Kindern gerne unter Menschen. Die "Goldene Münze" der Stadt Heidenheim für besondere Verdienste um den lokalen Sport erwähnt der Schwabe in seinem Lebenslauf genauso wie das Bundesverdienstkreuz.

Gegen Flächentarifverträge

Politisch stimmt er hingegen mit wesentlichen Forderungen seines Vorgängers überein. Genau wie Henkel ist er ein vehementer Kritiker der Flächentarifverträge und plädiert stattdessen für tarifvertragliche Einigungen zwischen Geschäftsleitungen und Betriebsräten. Mit dieser Forderung hatte er bereits in seinem Amt als Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA) Diskussionen ausgelöst.

Auch in der Wirtschaftspolitik sollten sich die Eingriffe in den Markt aus Sicht Rogowskis in Grenzen halten. Subventionen, so kündigte er in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an, sollten um zehn Prozent gekürzt werden.

"Mehr Netto für alle"

Auch die Steuerreform sei noch nicht ausreichend. "Mehr netto für alle", sagt er. Für diese Forderungen will er in seinem neuen Amt kämpfen. Dabei scheut er sich nicht vor klaren Worten. Wenn nötig, so betont der künftige BDI-Chef, spreche er eine sehr klare Sprache. "Aber man muss nicht immer gleich mit dem Holzhammer kommen."

Rogowski wurde am 13. März 1939 in Stuttgart geboren. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und dem Abschluss an der Technischen Hochschule in Karlsruhe als Diplom-Wirtschaftsingenieur war er an der Universität Karlsruhe beschäftigt. Er arbeitete von 1969 bis 1973 bei der Singer Werke GmbH in Karlsruhe.

1974 wurde er Personalleiter bei der J. M. Voith GmbH und der Voith Getriebe KG und stieg innerhalb von zwei Jahren zum stellvertretenden Geschäftsführer des Unternehmens auf. 1997 wurde Rogowski zum Vorstandsvorsitzenden der Voith AG berufen. Seit dem Frühjahr ist er Chef des Aufsichtsrats.

Sechsseitiger Lebenslauf

Neben seiner Arbeit bei Voith engagierte sich der umtriebige Manager in mehreren Verbänden und saß in verschiedenen Aufsichtsräten, darunter bei der Viktoria Lebensversicherung, bei Kässbohrer und dem Rüstungs-Konzern EADS.

In seinem sechsseitigen Lebenslauf füllen allein die "Nebentätigkeiten" zwei Blätter. Seinen künftigen Arbeitgeber kennt er bereits: Von 1997 bis 1998 war Rogowski Vizepräsident des BDI.

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