Samstag, 20. Juli 2019

Top-Frauen der deutschen Wirtschaft Auf diese Frauen sollten Sie 2019 besonders achten

Top-Frauen der deutschen Wirtschaft: Auf diese Frauen sollten Sie 2019 besonders achten
B.Braun; B.Roselieb/DB/dpa; O.Wyman; picture alliance/dpa; P.Hartmann AG/dpa

Ihre neuen Vorstandskollegen hat Maria Moraeus Hanssen (53) erst ein, zweimal getroffen. Für ausführliches Teambuilding hatte das Quartett mitten im Fusionsprozess noch keine Zeit. Doch die Skandinavierin ist zuversichtlich, dass der vierköpfige Vorstand der neuen Wintershall DEA - zusammengesetzt aus lauter erfahrenen Öl- und Gasmanagern verschiedenster Nationalitäten - bestens zusammenarbeiten wird. Das erzählt sie beim Interview Anfang Dezember in ihrem Hamburger Büro: "Ich denke nicht, dass wir es hier mit einem Merger der großen Egos zu tun haben. Ich glaube also, es wird gut."

Das Jahr 2019 wird ein besonders aufregendes in der langen Karriere der Norwegerin, die seit Anfang 2018 als CEO an der Spitze des Öl- und Gasförderers DEA steht. Durch den Merger mit Wintershall entsteht ein neuer Energieriese auf deutschem Boden: "Wir kreieren den führenden unabhängigen Öl- und Gasförderer Europas - mit rund 3000 Mitarbeitern und rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz." Hanssen freut sich drauf - auch weil sie genaue Vorstellungen von der Truppe hat, die sie als künftige COO und Stellvertreterin des Vorstandsvorsitzenden Mario Mehren formen will: Das neue Unternehmen werde "noch internationaler sein und weniger hierarchisch". Da klingt schon jetzt ein bisschen Stolz mit.

Hanssen gehört in diesem Jahr zu den 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft, die manager magazin in Kooperation mit der Boston Consulting Group präsentiert.


Hier finden Sie die komplette Liste samt der Kurzporträts


Die mit Hilfe einer hochkarätigen Jury aus Wirtschaftsprofis zusammengestellte Liste versammelt die wichtigsten Businessfrauen des Landes - und solche, die in nächster Zeit noch mächtiger werden.

Wie Sabrina Soussan (49). Die Co-CEO der Siemens-Sparte Mobility wird als heiße Kandidatin für den Vorstand eines neuen deutsch-französischen Unternehmens gehandelt. Die Siemens-Züge sollen mit Alstom fusionieren. Kommt der Merger, für den die Konzernführer derzeit noch Bedenken der EU-Kommission zerstreuen müssen, entstünde der zweitgrößte Zugkonzern der Welt mit einem Börsenwert zwischen 15 und 20 Milliarden Euro. Insider erwarten Soussans Berufung auf die Topebene.

Oder Britta Fünfstück (46). Sie übernimmt zum Jahreswechsel den CEO-Job bei der Heidenheimer Medizinproduktefirma Hartmann (zwei Milliarden Euro Umsatz, rund 10.750 Mitarbeiter). Die Berufung zur Chefin des Medizinprodukteherstellers zum Jahreswechsel ist die erwartete Krönung einer steilen Karriere. Die künftige CEO hat ebenfalls bei Siemens Karriere gemacht, sie gilt seit ihren frühen Jahren in der Sparte Healthcare als Topbesetzung, erhielt aber trotz nachgewiesener Erfolge und bestem Image dort nie den Chefposten. Bei Clariant verantwortete die Österreicherin zuletzt auf Vorstandslevel das Kunststoffgeschäft und die Digitalstrategie. Jetzt kehrt sie in die Medizintechnik zurück. Nun setzt die Ulmer Unternehmerfamilie Schleicher, der Hartmann mehrheitlich gehört, auf die versierte Managerin. Bei Hartmann muss angesichts moderat rückläufiger Ergebnisse neue Dynamik entfachen, wobei auch Übernahmen helfen sollen.

Vor dem Sprung an die Spitze eines Familienunternehmens - in diesem Fall des eigenen - steht auch Anna Maria Braun (39). Sie ist seit 2016 Vorstand des Medizintechnikherstellers B. Braun Melsungen mit 6,8 Milliarden Euro Umsatz und kümmert sich von Malaysia aus um das Asien-Geschäft. Mit der Juristin übernimmt nach dem Willen ihres Vaters Ludwig Georg Braun, des amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden, nach acht Jahren Interims-Herrschaft durch angestellte Manager im April erstmals wieder ein Familienmitglied das Ruder.

In der Landschaft der Dax-Konzerne verspricht unter anderem die Karriere von Martina Merz (55) ab 2019 einiges an Spannung.

Die ehemalige Bereichs-Vorständin von Robert Bosch arbeitet seit 2015 als Multi-Aufsichtsrätin und ist mit aktuell sechs Mandanten (Imerys, Lufthansa, NV Bekaert, SAF Holland, Thyssenkrupp, Volvo Group) gut ausgelastet. Nun ist sie bei dem Essener Stahlkonzern sogar als Chefkontrolleurin im Gespräch. Merz (nicht verwandt mit dem CDU-Politiker gleichen Namens) würde einen Job übernehmen, vor dem etliche männliche Wirtschaftsgranden dankend die Flucht ergriffen haben. Aktivistische Investoren lassen dem dauerkriselnden Konzern keine Ruhe, als nächstes soll die Aufspaltung erfolgen. Nimmt sie an, probt Merz den Merkel-Effekt: Wo kein Mann will, muss eine Frau es richten.

Welche der Top 100 außerdem von sich hören lassen werden:

Birgit Bohle (45): Die bisherige Chefin der Fernverkehrssparte der Deutschen Bahn startet zum 1. Januar als neue Personalvorständin der Deutsche Telekom - ihr erster Posten im Vorstand eines Dax-Konzerns.

Finja Kütz (46): Die ehemalige Deutschland-Chefin der Beratung Oliver Wyman ist als Chief Transformation Officer ins Topmanagement der Mailänder Großbank Unicredit aufgestiegen. Die als brillanter Kopf geltende Ex-Beraterin wird in enger Zusammenarbeit mit CEO Jean Pierre Mustier die Umbaupläne der Bankengruppe vorantreiben und Unicredit ins digitale Zeitalter führen.

Stephanie Peterson (34): Die Vice President Digital Adidas kommt von Runtastic und gehört zu den jungen Talenten, mit denen CEO Kasper Rorsted ein strategisches Kernziel erreichen will: die Steigerung des Onlineabsatzes, um gegen Wettbewerber Nike aufzuholen.

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