Kabelbäume und Bordnetze für die Autoindustrie Leoni produziert wieder in der Ukraine

Aufatmen bei den Autobauern: Der Zulieferer Leoni produziert wieder in seinen beiden ukrainischen Werken – wenn auch in begrenztem Umfang. Einen Teil der Fertigung verlagert Leoni ins Ausland.
Volkswagen und viele weitere Autohersteller mussten wegen des Krieges zeitweise ihre Bänder anhalten: Der Nachschub von Leoni und anderen Kabelbaum-Herstellern aus der Ukraine blieb aus.

Volkswagen und viele weitere Autohersteller mussten wegen des Krieges zeitweise ihre Bänder anhalten: Der Nachschub von Leoni und anderen Kabelbaum-Herstellern aus der Ukraine blieb aus.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Beim Nürnberger Kabelbaum- und Bordnetz-Hersteller Leoni läuft die Produktion in der West-Ukraine trotz des Krieges wieder an. Seit Anfang der Woche werde trotz der Ausgangssperren sogar wieder in zwei Schichten gearbeitet, sagte Vorstandschef Aldo Kamper (51) am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz.

Rund 4000 der 7000 Mitarbeiter in den beiden Werken in der Nähe von Lwiw (Lemberg) – davon zwei Drittel Frauen – produzierten wieder Kabelbäume für die europäischen Autohersteller. Die Produktion sei in begrenztem Umfang wieder angelaufen. Leoni taste sich von 40 Prozent auf 60 bis 70 Prozent der Kapazität heran. Gleichzeitig werde ein Teil der Produktion eilig in andere Länder verlagert. Vieles gehe nach Rumänien und Serbien, wo auch geflüchtete Mitarbeiter aus der Ukraine Arbeit suchten, sagte Kamper weiter. Auch Tunesien oder Marokko sprängen ein. "Wir machen das Unmögliche möglich." Beide Werke in der Ukraine standen wegen des Ukraine-Krieges streckenweise still.

Unternehmen wie VW und BMW hatten die Bänder zeitweise anhalten müssen, weil der Nachschub von Leoni und anderen Kabelbaum-Herstellern ausblieb, die ebenfalls in der Ukraine produzieren. Bei Leoni kommen normalerweise zehn Prozent des Liefervolumens für die europäischen Autobauer von dort. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges und der Verlagerungen würden zumindest zum Teil von den Autobauern getragen, deutete Kamper an: "Wir haben pragmatische Lösungen für die Mehrkosten gefunden."

Mitarbeiter müssen immer wieder in Luftschutzbunker flüchten

Der Westen der Ukraine ist vom Krieg bisher weniger betroffen. "Zum Glück ist eine gewisse Normalität da", sagte der Leoni-Chef. Immer wieder müssten die Mitarbeiter aber stundenlang in der Kälte in Luftschutzbunkern ausharren – ob nahe der Fabrik oder ihrer Wohnungen. Sie kämen deshalb teilweise übermüdet zur Arbeit. Die Schichten würden dann verkürzt. Die Arbeit sei freiwillig, viele Mitarbeiter wollten damit aber zeigen, dass sie und ihr Land sich nicht unterkriegen ließen. Das gelte auch für Leoni: "Wir halten an der Ukraine fest."

Wegen der Ukraine-Krise geht der Automobilzulieferer von sinkenden Umsätzen im laufenden Jahr aus. Das ursprünglich ausgegebene Ziel von Einnahmen von rund fünf Milliarden Euro könne der Bordnetz- und Kabelspezialist wohl nicht halten, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Im vergangenen Jahr hatte Leoni seine Umsätze um fast ein Viertel auf 5,1 Milliarden Euro gesteigert. Der Konzernverlust sei unter dem Strich von 330 auf 48 Millionen gedrückt worden. Die Aktien notierten am Vormittag prozentual unverändert.

dri/rtr/dpa-afxp