Cum-ex-Skandal "Zeit"-Mitherausgeber Josef Joffe dankt ab

Bankier Max Warburg war gewarnt: "Zeit"-Mitherausgeber Josef Joffe informierte ihn über Recherchen seiner eigenen Zeitung gegen das Geldhaus. Nun gibt es Konsequenzen.
Herausgeber Joffe: Brief an einen Freund

Herausgeber Joffe: Brief an einen Freund

Foto: Wolfgang Rattay / REUTERS

Der langjährige Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit", Josef Joffe, wird seine Rolle künftig nicht mehr ausüben. Eine Verlagssprecherin bestätigte dies dem SPIEGEL: "Die Verleger und Josef Joffe haben einvernehmlich entschieden, dass sein Mandat als Herausgeber bis zum Vertragsende ruht." Zuerst hatte die "Welt" darüber berichtet . Der Vertrag mit Joffe läuft demnach noch bis März 2023. "Zeit"-Verleger sind die Medienunternehmer Dieter und Stefan von Holtzbrinck.

Vorausgegangen war eine Enthüllung des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL Ende der vorvergangenen Woche. Dadurch war bekannt geworden, dass Joffe die Hamburger Warburg Bank vor einer kritischen "Zeit"-Berichterstattung gewarnt hatte. Das ging aus einem persönlichen Brief hervor, den Joffe im Januar 2017 an Warburg-Miteigentümer Max Warburg geschrieben hatte. Beide waren befreundet.

Die Bank steht seit Jahren in der Kritik, weil sie illegale Steuertricks mit Aktien betrieben hat, sogenannte Cum-ex-Geschäfte. Ende 2016 war in der "Zeit" ein kritischer Bericht dazu erschienen . Darüber hatte sich Max Warburg offenbar bei seinem Freund Joffe beschwert.

In seinem Antwortbrief wies Joffe die Kritik zurück und betonte, er habe sich vielmehr um "Schadensbegrenzung" für Warburg bemüht. "Ich habe Dich gewarnt, was in der Pipeline steckte", so Joffe wörtlich. Seiner "Intervention" sei es zu verdanken gewesen, dass der Artikel "geschoben wurde und die Bank die Gelegenheit erhielt, Widerrede zu leisten". Joffe erinnerte zudem daran, dass er den Banker "angefleht" habe, wegen der Vorwürfe "eine exzellente PR-Agentur" zu engagieren.

Auf SPIEGEL-Anfrage bestritt Joffe, Einfluss auf die Berichterstattung genommen zu haben. Er habe der Redaktion lediglich geraten, "der Warburg Bank eine Gelegenheit zu geben, sich zu äußern". Zugleich habe er Max Warburg animiert, "mit unseren Reportern zu reden". Daraufhin sei der Artikel um etwa eine Woche geschoben worden. Auch eine Verlagssprecherin erklärte, Joffe habe keinen Einfluss auf die Berichterstattung genommen.

Einer der Autoren des damaligen "Zeit"-Artikels, der Journalist Oliver Schröm, widersprach Joffe via Twitter. Schröm veröffentlichte den kompletten Brief und betonte, man hätte Warburg rechtzeitig konfrontiert. Ein früh angefragtes Interview sei abgelehnt worden.

Der "Welt" zufolge gab es nach Bekanntwerden des Briefes großen Unmut in der "Zeit"-Redaktion. Demnach fürchtete man um die Integrität der Wochenzeitung.

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