Vergleich in New York Johnson & Johnson steigt aus Opioid-Geschäft aus

Die Opioid-Krise in den USA hat allein im vergangenen Jahr rund 90.000 Menschen das Leben gekostet. Zahlreichen Pharmaherstellern wird eine Mitschuld an dem Skandal vorgeworfen. Johnson & Johnson hat nun auf juristischen Druck hin die Konsequenzen gezogen.
Auf der Anklagebank: Mitglieder des "Opioid Spoon Projects" demonstrieren vor der Johnson & Johnson-Zentrale in New York

Auf der Anklagebank: Mitglieder des "Opioid Spoon Projects" demonstrieren vor der Johnson & Johnson-Zentrale in New York

Foto: Seth Wenig / AP

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson will in den USA keine Opioid-Schmerzmittel mehr herstellen und verkaufen. Wie die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James (62) am Samstag mitteilte, verpflichtete sich der Arzneimittelhersteller in einem millionenschweren Vergleich mit dem Bundesstaat New York, "landesweit aus dem Opioid-Geschäft auszusteigen". Johnson & Johnson stimmte demnach zudem einer Entschädigungszahlung von 230 Millionen Dollar (192,6 Millionen Euro) zu, die über neun Jahre gestreckt werden kann.

Das Geld soll nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Präventions- und Aufklärungsprojekte sowie in die Behandlung von Opioid-Süchtigen im Bundesstaat New York investiert werden. Sollte der Bundesstaat im ersten Jahr einen Entschädigungsfonds schaffen, wären dafür den Angaben zufolge noch einmal 30 Millionen Dollar fällig. Johnson & Johnson kommentierte, die Einigung passe zum Angebot des Konzerns, alle Opioid-Klagen weltweit für fünf Milliarden Dollar beizulegen.

Die Opioid-Krise habe in zahlreichen Orten in New York und im ganzen Land "verheerende Schäden angerichtet", erklärte Generalstaatsanwältin James. Millionen von Menschen seien immer noch abhängig von den "gefährlichen und tödlichen" Schmerzmitteln. Johnson & Johnson habe sich daran beteiligt, "dieses Feuer anzufachen". Nun habe sich das Unternehmen aber verpflichtet, aus dem Geschäft auszusteigen.

Auch der Corona-Impfstoff rettet das Image nicht

In den USA sehen sich mehrere großen Pharmafirmen wegen der Opioid-Krise mit Entschädigungsforderungen in Milliardenhöhe konfrontiert. Zu den Opioiden zählt unter anderem das Schmerzmittel Fentanyl, das 50 Mal stärker als die illegale Opioid-Droge Heroin ist und stark abhängig macht. Fentanyl wurde ursprünglich zur Behandlung starker Schmerzen insbesondere bei Krebspatienten eingesetzt, wurde von Ärzten aber auch zunehmend anderen Patienten verschrieben.

Den Herstellern und US-Apotheken wird vorgeworfen, die Mittel aggressiv beworben und auf Warnzeichen der Suchtkrise nicht reagiert zu haben. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC starben allein im Jahr 2020 rund 90.000 Menschen in den USA an einer Drogenüberdosis, die meisten von ihnen an Opioiden. Im Zusammenhang mit der Opioid-Krise wurden bereits tausende Klagen bei US-Gerichten eingereicht. Zuletzt hatte sich die Beratungsgesellschaft McKinsey im Streit um die Beratung der US-Pharmafirma Purdue Pharma mit 49 Bundesstaaten auf einen Vergleich von knapp 600 Millionen Dollar geeinigt. Unter anderem dieser Skandal hatte den Ruf der Beratungsfirma stark ramponiert .

Johnson & Johnson ist 2020 zum umsatzstärksten Pharmakonzern der Welt aufgestiegen und hofft, auch in der Corona-Impfkampagne eine führende Rolle zu spielen. Der von der belgischen Tochter Janssen entwickelte Impfstoff wird zum Selbstkostenpreis abgegeben. Konzernchef Alex Gorsky (61) sucht sich als sozial verantwortungsvoller Firmenlenker zu präsentieren, doch in der Impfstoffproduktion hakt es gewaltig. Mindestens 75 Millionen Impfdosen, die nach dem Impfschema von Johnson & Johnson auch für 75 Millionen Menschen gereicht hätten, mussten auf Geheiß der US-Behörden vernichtet werden. Dem Auftragsfertiger Emergent Biosolutions des aus Deutschland stammenden Unternehmers Fuad El-Hibri (63) wird Pfusch vorgeworfen.

mg/AFP, dpa-afx
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