Gute Ergebnisse im Tierversuch Johnson & Johnson hofft auf große Corona-Impfstudie noch im September

Bei Affen verhinderte der J&J-Impfstoff das Ausbrechen der Lungenkrankheit Sars-CoV-2. Nun soll er schnellstmöglich an vielen Menschen getestet werden.
Impfung am Institut für Tropenmedizin in Tübingen (Archivaufnahme)

Impfung am Institut für Tropenmedizin in Tübingen (Archivaufnahme)

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Christoph Schmidt/ dpa

Im Rennen um einen Corona-Impfstoff kommt auch der Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson voran. Wie das Unternehmen am Donnerstag in New Brunswick mitteilte, hat sich der Impfstoffkandidat AD26.COV2.S in ersten vorklinischen Tests als wirksam gegen eine Infektion mit Sars-CoV-2 erwiesen, den Erreger der Krankheit Covid-19. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift "Nature" veröffentlicht.

Das Unternehmen drückt nun aufs Tempo: Der Konzern hatte über seine Pharmatochter Janssen im Juli mit einer klinischen Studie der Phase 1/2a mit mehr als 1000 Testpatienten begonnen, in der es um die Sicherheit und immunologische Faktoren geht. Geplant seien zudem Phase-2-Tests etwa in Deutschland, den Niederlanden und Japan. Nach Angaben von Forschungschef Paul Stoffels (58) hofft der Konzern, bereits im September mit der Phase 3 starten zu können. Erst kürzlich hatten das deutsche Biotech-Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer eine Phase 3-Studie mit bis zu 30.000 Probanden gestartet.

Die klinische Entwicklung von Arzneimitteln wird in drei Phasen eingeteilt: In der ersten wird die grundlegende Funktionsweise sowie die Verträglichkeit einer Arznei an wenigen Probanden (unter 100) überprüft; daraus ausgehend wird die notwendige Dosierung der Arznei festgelegt - in Phase 2 wird diese dann entsprechend dosiert erstmals an Patientinnen und Patienten getestet, oft im Vergleich mit bereits bestehenden Behandlungsweisen oder Placebos. Phase 2 umfasst auch die Suche nach möglichen Nebenwirkungen. In der finalen Phase werden dann größere Patientengruppen behandelt, um die allgemeine Gültigkeit der vorherigen Ergebnisse zu überprüfen und möglicherweise weitere Nebenwirkungen zu finden. Nach Abschluss aller drei Phasen können Unternehmen die Zulassung neuer Arzneimittel beantragen.

25 Unternehmen suchen nach Impfstoffen

Johnson & Johnsons Impfstoffkandidat hatte im Tierversuch gute Ergebnisse gezielt - 6 von 6 einmalig damit behandelte Affen hatten nach einer Virus-Exposition nicht die Lungenerkrankung Sars-CoV-2 entwickelt, bei 5 von ihnen waren zudem keine Viren in Abstrichen in der Nase feststellbar. J&J-Manager Stoffels sagte, dies mache Hoffnung, um zu testen, ob auch beim Menschen eine einmalige Dosis ausreicht. Zwar hätten vorherige Tests ähnlicher Impfstoffe gezeigt, dass zweimaliges Impfen wesentlich besser schütze; in einer Pandemiesituation seien Einzeldosen-Impfungen allerdings vorzuziehen, da bei ihnen der logistische Aufwand entfalle, einmal geimpfte Personen ein zweites Mal vorzuladen.

Der Impfstoff basiert auf einem Adenovirus, das beim Menschen Atemwegserkrankungen auslöst, in das die Forscher Bestandteile des neuen Coronavirus eingeschleust haben. Der menschliche Körper soll so eine Immunreaktion gegen das Coronavirus ausbilden. Die US-Regierung unterstützt das Johnson&Johnson-Projekt mit 456 Millionen Dollar (knapp 387 Millionen Euro).

Neben Johnson & Johnson arbeiten laut Nachrichtenagentur Reuters insgesamt 25 Unternehmen an möglichen Impfstoffen. Darunter sind auch die deutschen Hoffnungsträger Curevac und Biontech, die die über das Virus gewonnene Aufmerksamkeit zuletzt für millionenschwere Finanzierungsrunden nutzten.

Weil die Entwicklung von Impfstoffen üblicherweise innerhalb von Jahren und nicht von Monaten erfolgt, gehen Unternehmen und Staaten auch regulatorisch neue Wege: So berichtete Reuters am Donnerstag, der Pharmakonzern AstraZeneca habe sich in den meisten Ländern, die bereits Impfstoffrationen bei ihm bestellt hätten, von möglichen Schadenersatzansprüchen befreien lassen. "Das ist eine einzigartige Situation, in der wir als Unternehmen einfach nicht das Risiko übernehmen können, wenn der Impfstoff in vier Jahren Nebenwirkungen zeigt", sagte Ruud Dobber, Executive Vice President von AstraZenecas Biopharmasparte.

luk/dpa-afx, Reuters