Streit über historische Brücke in Rotterdam Neue Megajacht von Jeff Bezos ohne Masten unterwegs

In Rotterdam sollte zeitweise eine alte Brücke weichen, damit das neue Luxusschiff des Amazon-Gründers hindurchpasst. Der Plan wurde verworfen und das unfertige Schiff nun im Morgengrauen durch die Kanäle gezogen - ohne Masten.
Die Jacht von Jeff Bezos auf dem Weg zur Greenport-Werft

Die Jacht von Jeff Bezos auf dem Weg zur Greenport-Werft

Foto:

Dutch Yachting

Es war eines der Aufregerthemen in den Niederlanden der vergangenen Monate: Für eine neue Superjacht, die laut Medienberichten für Amazon-Gründer Jeff Bezos gebaut wird, sollte eine historische Brücke in Rotterdam weichen – zumindest für eine gewisse Zeit. Doch Bezos, der schon an die Grenze zum Weltraum flog, scheiterte an den wütenden Rotterdamern: Viele drohten, beim Stapellauf Eier zu werfen, sollte der Brücke etwas geschehen. Nun ist das Schiff mit der Modellbezeichnung »Y721« am frühen Morgen ohne Masten oder Medienrummel zu einer anderen Werft gebracht worden, wie der SPIEGEL erfuhr.

Hanco Bol vom Jachten-Fanclub »Dutch Yachting« hat den Transport mit dem Auto verfolgt und entlang der Strecke Fotos geschossen, auf YouTube veröffentlichte er zudem ein Video  der ersten Fahrt der Jacht. »Ich hatte nicht viel Schlaf letzte Nacht«, erzählt er lachend am Telefon. »Ich habe das Haus um halb ein Uhr nachts verlassen und bin um 7 Uhr wiedergekommen.« Auch Fachmedien berichteten  über den Transport des Schiffs.

Um 1 Uhr nachts haben Bol zufolge die Vorbereitungen für den Transport des Schiffs begonnen, um 3 Uhr der Transport. In nur drei Stunden sei die Jacht in die Greenport-Werft geschleppt worden, das sei ungewöhnlich schnell. Normalerweise würde ein Transport auf der gewählten Route fast doppelt so lang brauchen, sagt Bol.

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Auch die gewählte Strecke ist laut dem Jacht-Experten ungewöhnlich: Durch den Koningshaven hätte das Schiff seinen neuen Platz deutlich schneller erreichen können, sagt Bol – aber dann hätte es durch die Innenstadt fahren und dabei die Koningshaven-Brücke passieren müssen, wegen der der Streit überhaupt angefangen hatte.

Ein Foto der Jacht in der Werft im Oktober 2021

Ein Foto der Jacht in der Werft im Oktober 2021

Foto: Guy Fleury / AP

Suchscheinwerfer gegen Fotografen

Die Koningshaven-Brücke, umgangssprachlich »De Hef« genannt, ist fast 100 Jahre alt und geformt wie der Buchstabe »H«. Der Mittelteil der Brücke kann auf etwa 40 Meter hochgefahren werden – doch das war zu niedrig für Bezos' Megajacht. Deshalb sollte das bewegliche Mittelteil entfernt  und nach der Durchfahrt wieder eingesetzt werden – doch das sorgte für Empörung bei den Rotterdamerinnen und Rotterdamern.

Der Schiffsbauer Oceanco teilte schließlich mit, man stelle nach heftigen Reaktionen und Drohungen keinen Antrag auf einen Teilabbau der Brücke . Nun also die klammheimliche Verlegung der Jacht in eine andere Werft. Oceanco antwortete bislang nicht auf eine aktuelle Anfrage des SPIEGEL.

Die Koningshaven-Brücke in Rotterdam

Die Koningshaven-Brücke in Rotterdam

Foto: ANP / IMAGO

Bol mutmaßt, dass man Bilder der umstrittenen Superjacht unter der Brücke vermeiden wollte und deshalb die längere, dunklere Südwest-Strecke und den nächtlichen Zeitpunkt gewählt habe. »Ich glaube, das war Absicht«, sagt er. »Als ich auf einer der Brücken stand, richteten sie einen Suchscheinwerfer auf mich, sodass es für mich nicht einfach war, Fotos zu machen.«

Die Fahrt des Schiffs sei trotzdem beeindruckend gewesen, sagt Bol. »Es ist eine spektakuläre Jacht wegen des Bugspriets«, sagt Bol. Der Bugspriet ragt als stangenartige Verlängerung weit über den Bug hinaus. An Bezos’ Jacht ist der Aufbau in Weiß gehalten und hebt sich markant vom dunklen, für eine Segeljacht außergewöhnlich großen Schiffskörper ab. »Es ist riesig«, sagte Bol.

Erster Mast wohl schon unterwegs

Mit einer Länge von 127 Metern ist das Schiff eine der größten Segeljachten der Welt. Niederländischen Medien zufolge soll es 430 Millionen Euro kosten und Berichten zufolge drei Masten haben. Bis zur Fertigstellung können aber noch Monate vergehen. Bols Informationen zufolge soll der erste der Masten aber wohl schon an diesem Mittwoch eingebaut werden. Er sei schon unterwegs zur neuen Werft.

Für die Werft sei die Fertigstellung durch den Brückenstreit aufwendiger geworden, vermutet Bol. Auf dem eigenen Gelände hätte die Werft »die gesamte Ausrüstung und alle Mitarbeiter, die daran arbeiten. Sie müssen also all diese Leute an verschiedenen Orten unterbringen und auch die gesamte Ausrüstung.« Auch sei es üblich, dass Schiffe nach einer Erprobung auf See noch mal in die Werft zurückkehren würden, um zum Beispiel bei der Stabilisation nachzujustieren. Für die »Y721« wäre der Weg zur Ursprungswerft mit den Masten allerdings verschlossen.

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