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Achten Sie auf ... Jan Kvarnström

Der Neue im Dresdner-Bank-Vorstand spielt eine Schlüsselrolle bei der Sanierung der Allianz-Tochter: Er wickelt Milliarden-Altlasten ab. Ein Modellfall für die Branche?
Von Georg Jakobs
aus manager magazin 1/2003

Ach ja, die goldenen 90er. Das Jahrzehnt der Illusionen und des Größenwahns im deutschen Geldgewerbe. Vereinigungsboom, E-Banking, Börsenhype, Expansion ohne Grenzen - die Gegenwart fühlte sich gut an. Und die Zukunft, na klar, würde noch besser.

Alles aus und vorbei. Was den Banken von den Träumereien der vergangenen Dekade blieb, sind rote Zahlen.

Wachsen, das war gestern. Heute heißt das Programm: kontrolliertes Gesundschrumpfen. Das aber, man lernt es gerade in Frankfurt und München, ist eine Kunst für sich.

Wie gut, dass es Leute gibt, die sich mit so etwas auskennen.

Zum Beispiel Jan Kvarnström. Der Schwede hatte sich in besagten 90ern, als sich sein Heimatland eine Bankenkrise leistete, um deren Bewältigung verdient gemacht.

Ihn hat die Dresdner Bank engagiert, um einen gewaltigen Brocken wegzuräumen. Ein Portfolio von sage und schreibe 30 Milliarden Euro deklarierte Bankchef Bernd Fahrholz als verzichtbar - teils Kreditgeschäft aus fernen Ländern, das er nicht weiterführen mag, aber auch ein Multimilliardenpaket fauler Kredite.

Kvarnström wird diese Altlasten abwickeln und verwerten, als CEO einer neuen Einheit mit der eher verschleiernden Bezeichnung "Institutional Restructuring Unit" (IRU) - im Branchenjargon: "bad bank". Dort wird das ganze Elend abgeladen.

Kvarnströms Auftrag: es loszuwerden. Zweck der Übung: Eigenkapital, das bisher in den missliebigen Engagements gebunden ist, wird frei. Und die Banker können sich aufs Kerngeschäft konzentrieren. Auch die Optik zählt: Werden die Problemfälle separiert, sieht der Rest automatisch besser aus - gut für die Allianz, deren Ruf und Aktie durch den Kauf der Frankfurter Sorgenbank gelitten haben.

Vielen triebe das schiere Volumen des IRU-Projekts - Experten fällt auf dem Gebiet nichts vergleichbar Riesiges ein - den Angstschweiß auf die Stirn. Nicht Kvarnström. Er fand die Herausforderung "verlockend". Den Erfolgsdruck spürt der neue Mann gleichwohl. "Die Sache muss klappen", sagt er. "Für ein bloßes Experiment ist sie einfach zu groß."

Züge eines Großversuchs trägt die IRU dennoch. Kvarnström muss massiv in gewachsene Strukturen einer hierarchisch geprägten Bank einbrechen. Da schadet es nicht, dass er sich Vorstand nennen darf - ein Titel, auf den der unprätentiöse Manager ansonsten wohl wenig Wert gelegt hätte.

In der Topetage ist Kvarnström ein Exot. Nicht nur, weil er dort der erste Ausländer ist und ihm - untypisch an deutschen Vorstandstischen - sein Projekt wichtiger ist als der Posten. Er predigt auch noch Unerhörtes wie Unternehmergeist. Mit entsprechender Verve legt er nun los. Schließlich wird, was schon schlecht ist, in den seltensten Fällen besser, wenn es liegen bleibt. Etliche Jahre wird Kvarnström für den Job dennoch brauchen.

Hat er Erfolg, schreibt er ein Stückchen Bankgeschichte. Und die Dresdner würde vom Sanierungs- zum Modellfall für die ganze Branche. "Die anderen", so Kvarnström, "sollten sich genau anschauen, was wir hier machen." Georg Jakobs

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Profil

Der Mann: Der in Hamburg lebende Schwede Jan Kvarnström (54) hatte Führungspositionen in und außerhalb der Finanzbranche inne. Für seine Aufgabe bei der Dresdner als CEO der "bad bank", die sich um die Problemkredite kümmert, ist er prädestiniert. In seiner Heimat leitete er Securum AB, eine Abwicklungsgesellschaft für Not leidende Engagements und Randaktivitäten der Nordbanken.

Der Job: Kvarnström soll ein 30-Milliarden-Euro-Portfolio verwerten, das die Dresdner Bank loswerden will. Die Kredite werden umstrukturiert oder zu handelbaren Paketen gebündelt und verkauft.

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