Dienstag, 12. November 2019

Start-up Pitch auf dem Reeperbahn-Festival Warum Xing-Millionär Hinrichs diesen Sportanzug liebt

Pitch von Hamburg Startups beim Reeperbahn-Festival: Das Gewinnerteam "Antelope" mit der Jury
Robin Hinsch
Pitch von Hamburg Startups beim Reeperbahn-Festival: Das Gewinnerteam "Antelope" mit der Jury

Hamburg - Als Kay Rathschlag in seinem engen, dunklen Ganzkörperanzug die Bühne betrat, muss er zunächst viel Gelächter ertragen. In seinem "Antelope Suit" sah Rathschlag aus wie ein Nerd aus einem Marvel-Comic, der nachts über Häuser hüpfend Verbrecher jagt. Nur die Maske schien er vergessen zu haben.

Während sein Kompagnon Philipp Schwarz die Vorzüge ihrer Erfindung pries, führte Rathschlag Liegestütze und Kniebeugen vor. Schwarz schickte über einen Controller derweil leichte Stromstöße in den Anzug, die Moderatorin verglich die beiden passenderweise mit einem SM-Pärchen. Das Publikum grölte. Xing-Gründer und -Verkäufer Lars Hinrichs twitterte "Loving it" und wünschte sich gleich ein Exemplar des Anzugs.

Doch die Showeinlage erfüllte ihren Zweck: Die Antelope-Gründer setzten sich am Mittwochabend beim Start-up-Pitch auf dem Reeperbahn-Festival gegen vier Konkurrenten durch und gewannen den Hauptpreis der Jury. Rathschlag und Schwarz können sich nun über ein Werbepaket im Gegenwert von 100.000 Euro auf Spiegel Online freuen.

Der Wettbewerb (organisiert von Hamburg Startups) fand in diesem Jahr am Rande der Digitalkonferenz Next statt, manager magazin gehörte als Medienpartner zu den Unterstützern des Pitchs. In der Jury saßen neben Lars Hinrichs auch Spiegel-Online-CEO Katharina Borchert und Tarek Müller, Co-Gründer von Ottos E-Commerce-Start-up Project Collins.

Das Antelope-Team ist für die deutsche Szene eher ungewöhnlich: Die Gründer sammelten bislang 700.000 Euro Seed-Kapital ein, nun will CEO Schwarz mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo wachsen. Zu den Investoren gehören neben Walter Sinn, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Bain & Company, auch mehrere Family-Offices.

Hinter Antelope steht die Nürnberger Firma Wearable Life Science, die künftig eine ganze Reihe von Anzügen, Apps und einen "Booster" genannten Controller anbieten will; ein Komplettset soll ungefähr 1300 Euro kosten. Geld will das Start-up neben dem Verkauf seiner Anzüge auch mit Trainingskursen verdienen, die Nutzer über eine App erwerben können.

Die Technik der Antelope-Anzüge mutet skurril an: Die Elektrische Muskelstimulation (EMS) wird vor allem von Profisportlern (etwa vom Sprinter Usain Bolt) genutzt, um schneller Muskelmasse und Kondition aufzubauen oder zu erhalten. Das Training mit einem Antelope-Anzug soll beispielsweise fünf- bis achtmal so effektiv sein wie konventionelle Übungen - und deutlich anstrengender. Wer normalerweise 50 Liegestütze schafft, soll es so nur auf zehn bringen. EMS-Jünger müssen sich bislang in eher klobige Anzüge zwängen und ein spezialisiertes Fitnessstudio besuchen. Antelope will das System quasi heimtauglich machen.

Ein Jury-Mitglied war von einem derart effizient-freudlosen Training derweil mehr abgeturnt als begeistert: "Sorry Jungs", sagte die Skater-Legende Titus Dittmann, "ich kann damit nichts anfangen".

Neben Antelope hatten es die Start-ups Figo (Fintech, innovative Banking-IT-Schnittstelle), Medlango (App, die Ärzte mit Dolmetschern vernetzt), Skybus (Industrie-4.0-Plattform) und Funzi (Lern-App für Entwicklungsländer) aus Finnland in die letzte Runde geschafft.

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