Donnerstag, 14. November 2019

Nachfolge in Unternehmen "Die natürliche Ordnung ändert sich"

Nachfolge ist heute viel komplizierter als früher: Das Reinreden in die zweite Generation führt dazu, dass diese keine Kontrolle mehr über das eigene Handeln hat

2. Teil: Warum immer mehr Söhne die Nachfolge ihrer großen Väter ablehnen

mm.de: Was ist denn so schädlich daran, wenn die Väter ihre jahrzehntelange Erfahrung an die nächste Generation weitergeben wollen?

Rau: Das Reinreden in die zweite Generation führt dazu, dass diese keine Kontrolle mehr über das eigene Handeln hat. Damit signalisiert diese der dritten Generation, also den eigenen Kindern, dass sie ihre Selbstbestimmung aufgeben müssen, wenn sie ins Unternehmen gehen. So hält man die dritte Generation auf Abstand, ihr unternehmerischer Geist ermattet. In diesem Fall kommt es fast zwangsläufig dazu, dass das Erbe beim Enkel zerfällt.

mm.de: Und diesem Schicksal wollen immer mehr Söhne entgehen, indem sie die Nachfolge ihrer großen Väter ablehnen.

Rau: Das ist selten der einzige Grund für Nachfolgeverzicht. Für die Jüngeren tritt der Sinn des eigenen Handelns wieder stärker in den Vordergrund. Da sagen sich viele Unternehmersprösslinge: "Geld verdienen ist nicht alles im Leben". Und: "Die 325. Sorte Joghurt zu entwickeln, das können die auch ohne mich." Da spielt das Phänomen der "Generation Y" hinein, Nachfolger wollen ihre Zeit und Kraft in etwas investieren, an das sie glauben.

mm.de: Über deren Vertreter klagen viele Unternehmen, sie seien nicht mehr leistungsbereit.

Rau: Das ist mir zu einfach. Das gesellschaftliche Primat, alles der Wirtschaft unterzuordnen, kommt an seine Grenzen: Das spüren viele jungen Menschen. Sie ahnen, dass unsere Gesellschaft eine neue dominante Logik bekommt, und die heißt nicht mehr Wirtschaft, sondern Kommunikation. Und damit hat die Wahrheit nicht einfach einen Preis, sondern muss ausgehandelt werden.

mm.de: Und deshalb gehen den großen Unternehmern die Nachfolger stiften?

Rau: Dieses Unwohlsein der neuen Generation gegenüber der dominanten Logik zeigt sich eben auch in der Nachfolge in Familienunternehmen. Allerdings gelingt es dort oft noch besser als etwa in Konzernen, die Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns für die Gesellschaft darzustellen.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung