Dienstag, 12. November 2019

16 Euro Zuschlag für Flugscheine Lufthansa-Ticketgebühr erzürnt Fluggäste und Firmen

Ab sofort um 16 Euro teurer: Zuschlagfreie und preiswerte Flugtickets soll es künftig nur noch bei der Lufthansa direkt zu buchen geben.

Die Reisebranche läuft Sturm, doch Lufthansa bleibt hart: Ab diesen Dienstag belegt Europas größter Luftverkehrskonzern Tickets, die über ein globales Reservierungssystem (GDS) gebucht werden, mit einer Extra-Gebühr von 16 Euro. Für viele Kunden werden Lufthansa-Flüge damit zunächst teurer. GDS-Systeme ermöglichen simultane Buchungsanfragen bei einer Vielzahl von Airlines weltweit und werden von Reisebüros und Onlineportalen genutzt.

"Die Gebühr ist definitiv eine Preiserhöhung", kritisiert der Deutsche Reiseverband (DRV). Denn bislang werden rund 70 Prozent der Lufthansa-Flüge über GDS gebucht.

Vor allem Reisebüros, aber auch Internetportale benutzen die Systeme der GDS-Anbieter wie Amadeus, um weltweit Flüge und touristische Dienstleistungen einzukaufen und abzurechnen. Zwar bemüht sich die Lufthansa in Gesprächen, die Wogen zu glätten: "Wir wollen gemeinsam mit Reisebüros die Buchungswege erneuern und mit den GDS an besseren Lösungen arbeiten."

In wichtigen Einzelheiten vertröstet Lufthansa große Firmenkunden jedoch aufs kommende Jahr. Erst 2016 soll eine Schnittstelle fertig sein, die eine ähnliche System-Anbindung bietet wie bislang schon die GDS. Abrechnungen, Rahmenverträge und Reiserichtlinien sollen dann automatisch berücksichtigt werden.

Deutscher Reiseverband schaltet das Kartellamt ein

Doch der Ärger in der Branche ist groß: Der DRV schaltete das Bundeskartellamt ein. Die Wettbewerbshüter sollen prüfen, ob durch die Gebühr GDS-Anbieter diskriminiert werden. Der europäische Dachverband der Reisebüros und Reiseveranstalter (Ectaa) legte zudem bei der EU-Kommission Beschwerde ein. Er befürchtet einen Verstoß gegen den Verhaltenskodex in Bezug auf Computer-Reservierungssysteme.

Die von der Lufthansa auf ihrer Website angebotenen zuschlagsfreien Buchungsmöglichkeiten seien keine effiziente Alternative. Bei Direktbuchungen über die Airline entfalle zwar das zusätzliche Entgelt, das hauseigene System LHGroup-agent.com sei für die Buchhaltung vieler Unternehmen aber nicht nachvollziehbar und erschwere Umbuchungen und Stornierungen. Es sei daher "für das professionelle Abwickeln von Geschäftsreisebuchungen unbrauchbar und somit keine Alternative".

Die Kranichlinie hält dagegen: Lufthansa habe sich vorher versichert, dass die Gebühr mit geltendem Recht in Einklang stehe.

Für eine GDS-Buchung fallen bei Lufthansa nach deren Angaben 18 Euro Kosten an im Vergleich zu 2 Euro bei einem über die konzerneigenen Portale verkauften Flug. Die Differenz von 16 Euro wolle man sich über eine zusätzliche Gebühr zurückholen, hat Europas größter Luftverkehrskonzern Anfang Juni angekündigt. Gebührenfreie Flüge und auch die preiswertesten Angebote soll es für Privatleute wie für Geschäftskunden nur noch direkt beim Konzern geben.

Preiswerte und zugschlagfreie Flüge nur noch direkt bei Lufthansa

Rund 70 Prozent der Firmenkunden überlegten nun, ob sie "Geschäft von der Lufthansa-Gruppe wegsteuern", ließ der Geschäftsreiseverband VDR jüngst wissen. Wenn der günstigste Preis nur noch auf der Website, aber nicht mehr in den Systemen der Reisebüros zu sehen sei, leide auch die Transparenz. "Die Lufthansa sollte zudem den Gegenwind auf internationaler Ebene nicht unterschätzen, denn dort fällt es den Unternehmen leichter, auf andere Airlines ohne GDS-Aufschlag umzusteigen", warnt VDR-Präsidiumsmitglied Christoph Carnier.

"Es bleibt uns im Augenblick nichts anderes übrig, als die Gebühr ab 1. September 2015 für alle Neubuchungen zu berücksichtigen", heißt es beim Reisekonzern Tui. Allerdings versuche man in Gesprächen mit der Lufthansa, eine für den Tui-Vertrieb und die Kunden tragbare Lösung zu finden. "Wir werden bei allen Lufthansa-Buchungen, die über GDS laufen, die Gebühr erheben müssen", sagt ein Thomas-Cook-Sprecher. Aus Veranstaltersicht gebe es keinen Grund, an der bewährten GDS-Technologie zu rütteln.

GDS-Anbieter verdienen prächtig

Lufthansa argumentiert, die Hauptleistung bei einer Flugreise erbringe die Airline. Wegen des starken Konkurrenzdrucks sind aber die Erlöse der Fluggesellschaften schmal, während mancher Dienstleister nach wie vor glänzend verdiene. Der in Europa führende GDS-Anbieter Amadeus hat für 2014 einen Reingewinn von 632 Millionen Euro ausgewiesen, bei einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro. Lufthansa erzielte mit rund 30 Milliarden Euro Umsatz nur einen Gewinn von 55 Millionen Euro.

Der Fluggesellschaft geht es neben den Kosten auch um die kostbaren Kundendaten. Die Airline versichert, die Daten nur für individuelle Angebote an die Fluggäste nutzen zu wollen.

Die Befürchtungen in der Reisebranche sind groß, dass das Beispiel Lufthansa Schule machen könnte: "Viele Airlines stehen in den Startlöchern. Auch andere würden die GDS-Kosten gern umlegen und direkt auf die Kundendaten zugreifen."

rei/dpa/afp

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