Fotostrecke

Überblick: Wo sich Gerry Weber engagiert

Foto: DPA

Gerry-Weber-CEO über Sponsoring "Das haben andere nicht zu bieten"

Ralf Weber ist seit dem 24. Februar Vorstandschef Gerry Weber International AG. Im Interview erklärt der Sohn von Firmengründer Gerhard Weber, warum der Konzern seine Sponsoring-Millionen lieber in Tennis als in andere Sportarten investiert.
Von Matthias Kettenburg

SPONSORs: Herr Weber, Sie haben Ende Februar die Konzernführung der Gerry Weber International AG übernommen. Was werden Sie bei der Ausrichtung des Unternehmens anders machen als Ihr Vater?

Ralf Weber : Dazu will ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.

SPONSORs : Neben dem ATP-Turnier in Halle tritt Gerry Weber  trotz eines Umsatzes von 852,1 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2013/14 im Sportsponsoring aktuell nur als Premium-Partner beim TBV Lemgo aus der DKB Handball-Bundesliga und bei Fußball-Drittligist Arminia Bielefeld in Erscheinung. Wann folgt der Großangriff Ihres Unternehmens im Sportsponsoring?

Weber : Der ist nicht vorgesehen. Wir haben keine Pläne, beim FC Bayern München, dem Hamburger SV oder bei irgendwelchen Welt- und Europameisterschaften als Sponsor aufzutreten. Die von Ihnen angesprochenen Investitionen sind standortbezogen und können als "ostwestfälisches Engagement" bezeichnet werden.

SPONSORs : Das standortbezogene Engagement führte Ende der Neunzigerjahre sogar dazu, dass Gerry Weber Haupt- und Trikotsponsor des damaligen Bundesligisten Arminia Bielefeld war. Ist das für die Zukunft wieder denkbar, nachdem Sie vor der laufenden Spielzeit Ihr Engagement trotz des Abstiegs der Arminia in die 3. Liga im Vergleich zur Vorsaison erhöht haben?

Weber : Nein, die aktuellen Investitionen bei der Arminia sind in erster Linie das Privatengagement meines Vaters Gerhard Weber. Das sollten Sie nicht mit dem Engagement der Gerry Weber International AG vermengen. Wir sind nur mit einem kleinen Sponsoringbetrag beteiligt, belegen dafür eine Werbebande in der Schüco-Arena. Unser Unternehmen ist bei der Arminia aus regionalen Gründen engagiert.

SPONSORs : Die Gerry-Weber-Kollektion wurde im vergangenen Herbst in TV-Werbespots unter anderem bei RTL, Sat.1 und ProSieben beworben. Warum haben Sie sich für TV-Spots und gegen Sportsponsoring entschieden?

Weber : Gegen Sportsponsoring stimmt ja so nicht, das betreiben wir erfolgreich mit den Gerry Weber Open. Mit den TV-Spots wollen wir uns bundesweit positionieren und mit unserer "N.Y. Collection" die Verjüngung der Gerry-Weber-Kollektion demonstrieren. Dafür haben wir eine siebenstellige Summe aufgewendet und meinen, dass eine Verjüngung eher über TV-Spots und eine Ausweitung der Print-Kampagnen gelingt, in denen wir auch gezielt unsere Marke Taifun in Szene setzen wollen.

SPONSORs : Im Sportsponsoring bleibt, wie bereits von Ihnen erwähnt, der Fokus auf den Gerry Weber Open, die seit 1993 in Halle/Westfalen veranstaltet werden. Warum ist Ihnen Tennis im Vergleich zu anderen Sportarten eine Investition von etwa vier Millionen Euro pro Jahr wert?

Weber : Da muss man zu unseren Anfängen zurückgehen. 1987 und 1988 hatten wir zwei Jahre Steffi Graf als Testimonial unter Vertrag und ein Jahr später folgte der Börsengang der Gerry Weber AG. Damit hat unsere Firma Ende der Achtzigerjahre enorm an Bekanntheit gewonnen, sodass aus einem No-Name-Produkt eine Marke geschaffen wurde. Mit dem Start des ATP-Rasentennisturniers 1993, den Gerry Weber Open, wurde unsere Entwicklung zu einer Lifestyle-Marke begleitet, denn Tennis und Lifestyle passen sehr gut zusammen. Die Gerry Weber Open haben uns dann in den Jahren durch die internationalen TV-Übertragungen nochmals zu einem Bekanntheitsschub in Deutschland und weltweit, insbesondere in Europa, verholfen.

SPONSORs : Das hängt mit Sicherheit auch damit zusammen, dass Gerry Weber bei dem Turnier werblich omnipräsent ist. Wie viele Sponsorenpakete werden überhaupt an andere Unternehmen verkauft?

Weber : Ungefähr die Hälfte ist für die Gerry Weber AG reserviert und die andere Hälfte wird an weitere Partner vermarktet. Es ist nicht immer leicht, diesen Spagat zu machen. Aber neben unserem Konzern sind über 30 weitere Partner bei dem Turnier werblich präsent. Viele renommierte Unternehmen kommen aus der Region, denn für Ostwestfalen sind die Gerry Weber Open ein Highlight. Allerdings wird seit ein paar Jahren unsere Turniervermarktung auch internationalisiert. Beispielsweise haben wir 2014 einen Vertrag mit Microsoft  geschlossen.

SPONSORs : Haben Sie keine Angst, dass Marketingentscheider anderer Unternehmen von der massiven Gerry-Weber-Präsenz abgeschreckt sind und sich deshalb bewusst gegen ein Engagement bei Ihrem Turnier entscheiden?

Weber : Das finanzielle Volumen von Gerry Weber bei unserem Turnier ist natürlich ein Vielfaches im Vergleich zu anderen Sponsoren. Aber die anderen Turnierpartner geben uns nicht mir zuliebe zum Teil sechsstellige Euro-Summen, sondern bekommen für ihr Geld eine entsprechende Leistung. In den Sponsoringpaketen sind auch entsprechende VIP-Logen und weitere Hospitality-Leistungen enthalten. Zusammen mit unserem attraktiven Entertainment-Programm ergibt das ein Leistungspaket, das andere Turniere nicht zu bieten haben.

Tennis ist kein Selbstläufer mehr

SPONSORs : Immerhin hat der Mercedes Cup in Stuttgart nun auch einen attraktiven Termin im ATP-Turnierkalender und findet eine Woche vor den Gerry Weber Open ebenfalls auf Rasen statt. Ist Stuttgart für Sie ein ernsthafter Konkurrent?

Weber : Nein. Stuttgart ist keine Konkurrenz, sondern eher ein belebendes Element für die Rasensaison. Es kann, wenn gewünscht, sogar Synergie-Themen geben, wie beispielsweise eine Zusammenarbeit bei der Spielerakquise oder einem Shuttle- Service mit dem Unternehmen Mercedes, das sich bei uns ja auch engagiert. Zudem ist die "Road to Wimbledon" ein gemeinsamer Vermarktungsslogan. Grundsätzlich habe ich es sowieso lieber mit innovativen Turnierveranstaltern zu tun, die neue Impulse geben können.

SPONSORs : Gerry Weber ist eine Damenmodemarke, dazu passte auch Ihr ehemaliges Testimonial Steffi Graf. Warum veranstalten Sie seit 1993 ein Herren-Event?

Weber : Nichts gegen Damentennis. Aber wenn wir etliche Millionen Euro investieren, dann geht es uns natürlich auch um mediale Reichweiten und TV-Einschaltquoten. In dieser Hinsicht hinkt das Damentennis seit Jahren hinter dem Herrentennis her. Deshalb war es für uns sinnvoll, in den Herrenbereich zu investieren. Zudem muss man nicht meinen, dass sich für ein Herrentennisturnier nur Männer interessieren. An Tennis sind ungefähr zu gleichen Anteilen Männer wie Frauen interessiert.

SPONSORs : Dennoch gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Gerüchte, dass in Halle (Westfalen) ein Doppelevent - also neben dem ATP - zusätzlich ein WTA-Turnier - veranstaltet werden könnte.

Weber : Das haben wir in der Vergangenheit tatsächlich einmal überlegt. Doch wir haben bei den Gerry Weber Open auch ohne Damentennis jeden Tag über 10.000 Zuschauer auf unserer Anlage. Deshalb haben wir uns dagegen entschieden, ein Damenturnier zu integrieren. Es würde den WTA-Spielerinnen auch nicht gerecht werden, wenn sie nur als Anhängsel der Stars um Roger Federer oder Rafael Nadal dabei wären.

SPONSORs : Mithilfe der Gerry Weber Open wollen Sie aber sicherlich Ihre Absatzzahlen erhöhen. Wie können Sie Ihre Käuferschicht, die vor allem aus Frauen ab 40 Jahren besteht, beim Turnier in Halle ansprechen?

Weber : Für den direkten Absatz während der Turnierwoche haben wir eine 250 Quadratmeter große Fläche eingerichtet. Wir erzielen dort sehr hohe Umsatzzahlen mit unseren verschiedenen Marken. Ein großer Erfolgsfaktor in unserer Kundenansprache ist bei den Gerry Weber Open zum Beispiel der "Ladies' Day", den wir seit zwölf Jahren veranstalten und an dem die Damen unter anderem einen reduzierten Eintritt haben. An diesem Turniertag ist dann speziell diese Zielgruppe mit über 6000 Frauen vertreten.

SPONSORs : Über den "Ladies' Day" hinaus ist eine Eventisierung bei den Gerry Weber Open sehr stark ausgeprägt. Genügt im Tennis hierzulande die Herren-Weltelite alleine nicht, um die Zuschauer anzulocken?

Weber: Als Veranstalter müssen Sie heutzutage ein Event schaffen, denn Tennis ist nicht mehr so ein Selbstläufer wie in den Achtziger- und Neunzigerjahren. Unser Rahmenprogramm besteht unter anderem aus Konzerten im Public-Bereich, einem "Kids' Day", einem "Family Day" sowie einer Modenschau. Damit wollen wir möglichst viele Zielgruppen bedienen - von Kindern, die vielleicht schon mit elf oder zwölf Jahren auf der Anlage sind, bis zu den älteren Tennis- oder Konzertinteressierten. Wir wollen daher auch unser Unternehmen schrittweise verjüngen, und die Gerry Weber Open tragen dazu bei, Kinder an Tennis und die Marke Gerry Weber heranzuführen.

Diesen Text veröffentlichten wir mit freundlicher Genehmigung von SPONSORs  , dem Fachmagazin für Sport-Business. Erschienen in der März-Ausgabe von SPONSORs.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.