Finanzinvestoren kaufen mehr Firmen Heuschrecken fliegen wieder auf den deutschen Mittelstand

Parfümeriekette Douglas: Geht doch nicht an die Börse

Parfümeriekette Douglas: Geht doch nicht an die Börse

Foto: REUTERS

Weg von der Börse, überraschend zurück - und dann doch wieder nicht: Sehr kurzfristig sagten die Eigentümer der Parfümeriekette Douglas im Juni den geplanten Börsengang ab. Stattdessen verkaufte der Finanzinvestor Advent, der Douglas gemeinsam mit der Familie von Chef Henning Kreke 2013 von der Börse genommen hatte, seinen 80-Prozent-Anteil an CVC, einen anderen Finanzinvestor, bei dem neuerdings auch Ex-Goldman-Sachs-Deutschlandchef Alexander Dibelius angeheuert hat.

2,8 Milliarden Euro auf einen Schlag, statt die vage Aussicht auf drei Milliarden über einen längeren Zeitraum. Damit taucht Douglas immerhin als größter Deal mit deutscher Beteiligung - vor Kaufhof - auf Platz 22 im weltweiten Ranking der Fusionen und Übernahmen des vergangenen Monats auf.

Laut Daten der Unternehmensberatung Ernst & Young ragt der Milliardendeal zwar heraus, steht aber auch stellvertretend für einen Trend: Seit einem Jahr investieren Private-Equity-Finanzinvestoren (vulgo Heuschrecken), nach einer langen Pause seit der Finanzkrise wieder deutlich mehr in deutsche Firmen ...

Synlab: Ein Laborkonzern entsteht

Laborkonzern Synlab: Dem neuen Eigner Cinven gehört schon ein großer Wettbewerber aus Frankreich

Laborkonzern Synlab: Dem neuen Eigner Cinven gehört schon ein großer Wettbewerber aus Frankreich

Insgesamt 8,6 Milliarden Euro legten die Finanzinvestoren für 72 von Ernst & Young gezählte Deals im ersten Halbjahr 2015 auf den Tisch. Sowohl was die Kaufsumme als auch die Zahl der Zukäufe angeht, verzeichnet dieses Semester den zweithöchsten Stand seit 2008. Im Vergleich zu strategischen Investoren, also vor allem Unternehmen aus derselben Branche, bekommen Private-Equity-Firmen eine größere Rolle im Gesamtmarkt der Firmenkäufe.

Der zweitgrößte Private-Equity-Deal des Jahres bis dato war ebenfalls ein Mittelständler, der von Finanzinvestor zu Finanzinvestor weitergereicht wurde: Cinven kaufte Ende Juni den Schleswig-Holsteiner Laborbetreiber Synlab für 1,7 Milliarden Euro von BC Partners. Cinven hatte kurz zuvor den französischen Wettbewerber Labco übernommen und will nun einen großen Laborkonzern bilden. Den Deal finanzieren sollen Schulden, die von den gekauften Unternehmen getragen werden.

Senvion: Die Inder können sich den Windkraftpionier nicht mehr leisten

Senvion-Modelle auf Windkraftmesse: Unter dem Namen Repower war das Unternehmen ein Aushängeschild der Branche

Senvion-Modelle auf Windkraftmesse: Unter dem Namen Repower war das Unternehmen ein Aushängeschild der Branche

Foto: DPA

Bereits im Januar verkündete der US-Fonds Centerbridge den drittgrößten Private-Equity-Deal (wenn man einmal Bayers  Diabetessparte herausnimmt, die vom eher strategischen Investor Panasonic  mit Private-Equity-Geld von KKR im Rücken übernommen wird). Eine Milliarde Euro bekam der indische Suzlon-Konzern für den Hamburger Windradbauer Senvion - besser bekannt unter dem früheren Namen Repower, einst ein Pionier der Technik und einer der Erneuerbare-Energien-Stars der Frankfurter Börse.

GFKL: Im Inkassogeschäft tummeln sich viele

GFKL: Das Inkassogeschäft liegt vielleicht nahe für Finanzinvestoren

GFKL: Das Inkassogeschäft liegt vielleicht nahe für Finanzinvestoren

Mit rund 600 Millionen Euro folgt Permira. Der Finanzinvestor kaufte im Mai den Kollegen von Advent (bis dahin auch noch Douglas-Großaktionär) den Finanzdienstleister GFKL ab. Der ist vor allem auf Inkasso spezialisiert, also das Eintreiben offener Forderungen, und in diesem eher zersplitterten Geschäft einer der großen Player.

Neben diesen Großdeals zählten die Experten von Ernst & Young im ersten Halbjahr 2015 auch etliche kleinere Transaktionen mittelständischer Unternehmen. Mit 17 Zukäufen, die zusammen auf ein Volumen von 1,3 Milliarden Euro kamen, ragte die Industrie als Zielbranche heraus. Schon seit Mitte 2014 ist die Zahl der Private-Equity-Deals in Deutschland spürbar angestiegen ...

Siemens Audiology Solutions: Konzernboss Kaeser stößt Randgeschäft ab

Siemens-Hörgeräte: Der Verkauf brachte Geld für den Konzernumbau von Joe Kaeser - und wurde von manchen als Auftakt für die Spaltung von der großen Medizintechniksparte gesehen

Siemens-Hörgeräte: Der Verkauf brachte Geld für den Konzernumbau von Joe Kaeser - und wurde von manchen als Auftakt für die Spaltung von der großen Medizintechniksparte gesehen

Foto: Siemens

Herausragende Großdeals mit Milliardensummen gab es dabei aber nur wenige. An erster Stelle im zweiten Halbjahr 2014 stand der Verkauf der Hörgerätesparte von Siemens . Für 2,15 Milliarden Euro nahm der schwedische Fonds EQT sich im November der Sache an.

Median Kliniken: Ganz groß im Nischenmarkt Rehakliniken

Median-Klinik in Heiligendamm: Auch im ältesten deutschen Seebad hat die Firma einen Rehabetrieb

Median-Klinik in Heiligendamm: Auch im ältesten deutschen Seebad hat die Firma einen Rehabetrieb

Foto: DPA

Gerade noch über die Milliardenschwelle kam auch noch Waterland Private Equity. Die Niederländer kauften im Dezember die Median Kliniken, eine Kette von Rehakrankenhäusern und Pflegeheimen. Da sie bereits den Wettbewerber RHM besitzen, wollen sie daraus ein Unternehmen mit 72 Krankenhäusern schaffen. Zumindest in der Nische soll das mit den durch Fusionen gewachsenen Branchenriesen wie der zum Fresenius-Konzern  gehörenden Helios-Gruppe mithalten können.

Christ: Douglas macht vor dem großen Deal Kasse

Schmuckgeschäft von Christ: Gehörte früher zu Douglas

Schmuckgeschäft von Christ: Gehörte früher zu Douglas

Foto: wikipedia / Noebse

Im November hatte Douglas, damals noch unter der Obhut von Advent, die Juwelierkette Christ für 400 Millionen Euro an 3i verkauft - ein Schritt von mehreren, um Randgeschäfte zu Geld zu machen.

Pizza.de: Markt der Bringdienste in wenigen Händen

Pizza.de: Jetzt ein Teil des Branchenriesen Delivery Hero

Pizza.de: Jetzt ein Teil des Branchenriesen Delivery Hero

Auf Rang vier im zweiten Halbjahr 2014 rangiert Pizza.de mit 290 Millionen Euro - das Unternehmen bietet selbst eine Online-Plattform zur Metasuche von Lieferservices an, stellt aber auch die Bestellsysteme für bekannte Anbieter wie Joey's oder Smiley's. Den Wettbewerber verleibte sich im August 2014 Delivery Hero ein - und dahinter steht ein Konsortium mehrerer Finanzinvestoren, die sich eher unter dem Laben Venture Capital als Private Equity versammeln. Als großer Konkurrent bleibt nur noch Lieferando übrig. Die Lieferdienste werden inzwischen ganz heiß gehandelt.

Hinter dem Boom vor der Finanzkrise bleibt die aktuelle Private-Equity-Welle weit zurück. Allein im ersten Halbjahr 2007 zahlten Finanzinvestoren 20,7 Milliarden Euro für deutsche Firmen. Doch auch auf dem jetzigen Niveau sorgen sich die Investoren darum, schon wieder ein zu großes Rad zu drehen.


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