Freitag, 20. September 2019

Hohe Abschreibungen auf EDV-System Post-Gewinn bricht um rund 90 Prozent ein

Hohe Abschreibungen in der Frachtsparte durch die völlig verkorkste Einführung einer neuen Datenverarbeitung pulverisieren den Gewinn der Post. Man fragt sich, ob die Post ihre Vertragspartner SAP und IBM noch zur Kasse bitten wird. Der Konzern wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern

Ein Gewinneinbruch hat die erfolgsverwöhnte Deutsche Post im dritten Quartal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Vor allem wegen eines Fehlgriffs beim neuen Computersystem in der Frachtsparte schrumpfte das Nettoergebnis des "gelben Riesen" um rund 90 Prozent auf 49 Millionen Euro.

Die Post schrammte damit im abgelaufenen Vierteljahr nur knapp an der Verlustzone vorbei. Es war der höchste Rückgang in einem Quartal seit sechs Jahren.

"Das Jahr 2015 ist für uns das Jahr des Übergangs", betonte Postchef Frank Appel am Mittwoch erneut.

Zwar legte der Umsatz von Juli bis September leicht auf 14,4 (Vorjahr: 14,0) Milliarden Euro zu, der operative Gewinn (Ebit) brach aber auf 197 (677) Millionen Euro ein. Unter dem Strich und nach Minderheiten stand ein deutlich gesunkener Konzerngewinn von 49 (468) Millionen Euro. Die Post blieb damit bei Umsatz und Gewinn unter den Erwartungen des Marktes.

Ende Oktober hatte Appel Abschreibungen und Belastungen in einer Höhe von gut einer halben Milliarde Euro eingeräumt und die Jahresprognose erneut zusammengestrichen. Rund 426 Millionen Euro dieser Summe wurden nun im dritten Quartal verbucht. Davon gingen allein 345 Millionen Euro auf das Konto der in weiten Teilen gescheiterten Einführung neuer Datenverarbeitungssysteme in der Frachtsparte.

Die mit den Partnern IBM und SAP entwickelten Systeme seien "sehr, sehr kompliziert und am Ende fehlerhaft" gewesen, musste Post-Finanzchef Larry Rosen schon einräumen. Statt des großen Wurfs mit einem Komplettsystem soll die Sparte nun bestehende Systeme schrittweise integrieren.

Die bisherigen Partner SAP und IBM sollen zwar noch eine Chance erhalten, doch die Systeme in den bereits umgestellten Landesgesellschaften werden wieder zurückgedreht. Eine Sprecherin der Post wollte sich zu der Frage von manager magazin online nicht äußern, ob der Konzern SAP und IBM nun in Regress nehmen werde.

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