Hohe Abschreibungen auf EDV-System Post-Gewinn bricht um rund 90 Prozent ein

Hohe Abschreibungen in der Frachtsparte durch die völlig verkorkste Einführung einer neuen Datenverarbeitung pulverisieren den Gewinn der Post. Man fragt sich, ob die Post ihre Vertragspartner SAP und IBM noch zur Kasse bitten wird. Der Konzern wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern

Hohe Abschreibungen in der Frachtsparte durch die völlig verkorkste Einführung einer neuen Datenverarbeitung pulverisieren den Gewinn der Post. Man fragt sich, ob die Post ihre Vertragspartner SAP und IBM noch zur Kasse bitten wird. Der Konzern wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern

Foto: DPA

Ein Gewinneinbruch hat die erfolgsverwöhnte Deutsche Post im dritten Quartal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Vor allem wegen eines Fehlgriffs beim neuen Computersystem in der Frachtsparte schrumpfte das Nettoergebnis des "gelben Riesen" um rund 90 Prozent auf 49 Millionen Euro.

Die Post schrammte damit im abgelaufenen Vierteljahr nur knapp an der Verlustzone vorbei. Es war der höchste Rückgang in einem Quartal seit sechs Jahren.

"Das Jahr 2015 ist für uns das Jahr des Übergangs", betonte Postchef Frank Appel am Mittwoch erneut.

Zwar legte der Umsatz von Juli bis September leicht auf 14,4 (Vorjahr: 14,0) Milliarden Euro zu, der operative Gewinn (Ebit) brach aber auf 197 (677) Millionen Euro ein. Unter dem Strich und nach Minderheiten stand ein deutlich gesunkener Konzerngewinn von 49 (468) Millionen Euro. Die Post blieb damit bei Umsatz und Gewinn unter den Erwartungen des Marktes.

Ende Oktober hatte Appel Abschreibungen und Belastungen in einer Höhe von gut einer halben Milliarde Euro eingeräumt und die Jahresprognose erneut zusammengestrichen. Rund 426 Millionen Euro dieser Summe wurden nun im dritten Quartal verbucht. Davon gingen allein 345 Millionen Euro auf das Konto der in weiten Teilen gescheiterten Einführung neuer Datenverarbeitungssysteme in der Frachtsparte.

Die mit den Partnern IBM und SAP entwickelten Systeme seien "sehr, sehr kompliziert und am Ende fehlerhaft" gewesen, musste Post-Finanzchef Larry Rosen schon einräumen. Statt des großen Wurfs mit einem Komplettsystem soll die Sparte nun bestehende Systeme schrittweise integrieren.

Die bisherigen Partner SAP und IBM sollen zwar noch eine Chance erhalten, doch die Systeme in den bereits umgestellten Landesgesellschaften werden wieder zurückgedreht. Eine Sprecherin der Post wollte sich zu der Frage von manager magazin online nicht äußern, ob der Konzern SAP und IBM nun in Regress nehmen werde.

Porto-Erhöhung soll die Kassen der Post füllen

Im weltweiten Frachtgeschäft hat die Post schon länger Probleme - durch die Abschreibungen schrieb die Sparte im Quartal einen operativen Verlust von 337 Millionen Euro. Appel hatte im April persönlich die Verantwortung für die Sparte übernommen, die rund ein Viertel zum Konzernumsatz beiträgt.

Besser lief es im Express-Geschäft: Dort steigerte die Post den operativen Ertrag auf 364 (305) Millionen Euro. Die Post profitiert zudem vom boomenden Paket-Geschäft - immer mehr Menschen ordern Waren im Internet, der Konzern liefert sie aus. Doch auch der Gewinn der Brief- und Paketsparte wurde im Quartal bei steigenden Umsätzen von Rückstellungen sowie den Folgen des Tarifkonflikts mit der Gewerkschaft Verdi belastet. Appel setzt nun auf ein gutes Weihnachtsgeschäft.

Operatives Ergebnis soll bis 2020 jedes Jahr um 8 Prozent steigen

Appel erwartet 2015 weiter nur noch ein operatives Ergebnis von mindestens 2,4 Milliarden Euro, im kommenden Jahr sollen es 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro sein. Für Rückenwind könnte dabei auch eine Porto-Erhöhung in Deutschland sorgen.

Die Post hatte jüngst angekündigt, die Preise so deutlich anheben zu wollen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Beim Massenprodukt Standardbrief soll das Porto zum Jahreswechsel etwa von 62 auf 70 Cent steigen.

Bis 2020 hat sich der weltweit größte Logistik- und Postkonzern einen jährlichen Anstieg des operativen Ergebnisses um durchschnittlich 8 Prozent vorgenommen. Am Ende dieses Zeitraums soll ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von über 5 Milliarden Euro stehen.

rei/Reuters/dpa
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