Deutsche-Bank-Chef John Cryan schreibt an Mitarbeiter "Ich kann ihnen nicht sagen, dass alles harmonisch verlaufen wird"

Deutsche-Bank-Chef John Cryan: "Wir wünschen der Postbank alles Gute"

Deutsche-Bank-Chef John Cryan: "Wir wünschen der Postbank alles Gute"

Foto: Steffen Schmidt/ dpa

Frankfurt am Main - Der neue Chef der Deutschen Bank will bei dem skandalgeschüttelten Institut aufräumen. Die Bank soll schlanker werden und ihren Ruf aufpolieren. Deutschlands größtes Geldhaus stehe wegen seiner ramponierten Reputation vor immensen Herausforderungen, schrieb John Cryan am Mittwoch in einem Brief an die rund 100.000 Mitarbeiter. "Ich werde Ihnen nicht sagen, dass in den nächsten Monaten alles harmonisch und ohne Probleme verlaufen wird."

Zusammen mit Jürgen Fitschen, der noch bis zum Frühjahr als Co-Chef an Bord bleibt, werde er alles daran setzen, dass die Deutsche Bank wieder dorthin zurückkehre, wo sie hingehöre: "ins Herz der deutschen Gesellschaft und ihrer Wirtschaft". Was der neue CEO Cryan mit der Deutschen Bank vorhat, lesen Sie auch im aktuellen manager magazin.

Der Brite Cryan, früher Finanzchef bei der Schweizer UBS und seit 2013 im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, war Anfang Juni überraschend zum neuen Konzernlenker berufen worden. Der bisherige Co-Vorstandschef Anshu Jain, den viele Investoren für die teuren Skandale der Bank verantwortlich gemacht haben, ist seit dieser Woche Geschichte.

Drei Jahre lang hatte die Doppelspitze glücklos agiert. Sie polsterte zwar die Kapitaldecke des Geldhauses auf. Aber die Rendite blieb deutlich unter den Erwartungen der Anleger, die mehrmals frisches Geld in das Institut pumpen mussten. Der Aktienkurs stagnierte ebenso wie die Dividende.

Strategie 2020 als Befreiungsschlag: Schrumpfkur und Verkauf der Postbank

Befreiungsschlag soll die Ende April noch von Jain und Fitschen ausgerufene "Strategie 2020" sein. Sie sieht im Kern eine deutliche Schrumpfkur vor: Die Postbank wird verkauft, das restliche Privatkundengeschäft zusammengestrichen und auch die Investmentbank soll verschlankt und damit schlagkräftiger werden. Beobachter erwarten den Abbau tausender Stellen, vor allem im Filialgeschäft.

Cryan machte nun klar, dass er an den grundlegenden Weichenstellungen festhalten will. Schließlich hat er sie im Aufsichtsrat selbst mit auf den Weg gebracht. Für die mit Spannung erwarteten Details der Umsetzung will er sich allerdings mehr Zeit lassen.

Details zur Strategie erst im Herbst

Er halte es für richtig, "den Sommer und Frühherbst zu nutzen, um zu prüfen, wie diese Entscheidungen am Besten ausgeführt werden", betonte er. "Wir werden daher Markt und Öffentlichkeit bis Ende Oktober über weitere Details informieren."

Schon jetzt machte Cryan allerdings klar, dass er das Geschäftsmodell vereinfachen und Kosten senken will. Die nächsten Schritte zur Postbank-Trennung sollten "so schnell und effektiv wie möglich" kommen - bevorzugter Plan ist nach früheren Angaben der Börsengang. Aber auch die Investmentbank muss Federn lassen: "Unser Handelsgeschäft mit Wertpapieren und Derivaten kann nicht mehr so bilanzintensiv sein."

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Topmanager, Investmentbanker, Networker: Bilder von John Cryan

Foto: AFP

Kritiker hatten Jain vorgeworfen, die lange Zeit von ihm persönlich geführte Sparte bei der Neuaufstellung der Bank verschont zu haben. Cryan hingegen hat sich schon bei der UBS den Ruf eines verlässlichen Sanierers erarbeitet und die Bank aus der Krise geführt. Weggefährten beschreiben ihn als unprätentiösen Macher. Auf alte Seilschaften in der Deutschen Bank müsse er nun keine Rücksicht nehmen.

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von Kathrin Jones, Frankfurt
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