Dax-Umfrage Welche Dax-Konzerne Flüchtlingen helfen - und wer an ihnen verdient

Von Claus Gorgs
Hunderttausende Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Für viele Unternehmen ein Anlass zu helfen - und sich nach potenziellen neuen Mitarbeitern umzusehen.

Hunderttausende Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Für viele Unternehmen ein Anlass zu helfen - und sich nach potenziellen neuen Mitarbeitern umzusehen.

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Die Massenflucht von Asylsuchenden nach Deutschland hat in der deutschen Wirtschaft eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Nach einer Umfrage von manager magazin online unter den 30 Dax-Konzernen engagieren sich 23 von ihnen aktiv in der humanitären Hilfe für Flüchtlinge. Drei weitere bereiten Hilfen vor.

Lediglich drei Unternehmen gaben an, keinen aktiven Beitrag zur Linderung der Not der Flüchtlinge zu leisten. Der Dax-Konzern Siemens ließ die Fragen unbeantwortet.

Politiker streiten derzeit darüber, ob die Wirtschaft sich angemessen an den Kosten der Flüchtlingswelle beteiligt. Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, schlägt einen "Deutschlandfonds für Integration", in den die Wirtschaft 500 Millionen Euro einzahlen soll. Unionspolitiker weisen diese Forderung als ungerechtfertigt zurück.

Leistungen der Konzerne klaffen weit auseinander

Tatsächlich klaffen die freiwilligen Leistungen der befragten Konzerne weit auseinander. Daimler zum Beispiel hat unter anderem einen Millionenbetrag gespendet. Bayer stellt Mitarbeiter bei voller Bezahlung bis zu acht Tage von der Arbeit frei, wenn sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Eon stellt den Kommunen leer stehende Gebäude als Flüchtlingsunterkünfte mietfrei für fünf Jahre zur Verfügung.

Andere Dax-Konzerne dagegen tun trotz guter Geschäftslage und Rekordgewinnen nichts. Und manches Unternehmen verdient sogar an der Not der Flüchtlinge, indem es Grundstücke oder firmeneigene Wohnungen zur Unterbringung der Menschen an die Kommunen vermietet.

Weitgehend einig sind sich Deutschlands Großunternehmen darüber, dass die überwiegend jungen Zuwanderer für die Wirtschaft eine große Chance bieten, dem drohenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Daimler-Chef Dieter Zetsche hält dank des großen Zustroms an Arbeitskräften sogar ein zweites Wirtschaftswunder für möglich. Die große Mehrheit der Konzerne würde es begrüßen, wenn die Beschäftigung von Flüchtlingen erleichtert würde. 20 der 30 Dax-Unternehmen haben der Umfrage zufolge spezielle Ausbildungs- und Einstellungsprogramme für Zuwanderer aufgelegt oder planen dies.

Lesen Sie im folgenden, wie jedes einzelne Unternehmen zur Flüchtlingsfrage steht, wer hilft und in welchem Umfang:

Adidas

Foto: Adidas

Der Konzern mit den drei Streifen beschreibt sich selbst als internationales, weltoffenes Unternehmen. Seine Mitarbeiter kommen aus mehr als 80 Nationen. Vorstandschef Herbert Hainer hält es für richtig, "Menschen, die in ihrer Not zu uns flüchten, hier herzlich willkommen (zu) heißen". Und was verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft am meisten? Genau: Sport.

Humanitäre Hilfe

Adidas  hilft vor allem mit Produktspenden vor Ort, 2014 gingen mehr als eine halbe Million Turnschuhe, T-Shirts und Trainingsanzüge an bedürftige Menschen. Dabei arbeitet das Unternehmen mit Behörden und Hilfsorganisationen zusammen. Zudem beteiligt sich Adidas an Hilfslieferungen für Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze. In Deutschland stellte der Konzern unter anderem die Ausrüstung für das Fußball-Trainingscamp des FC Bayern München für Flüchtlinge zur Verfügung, Mitarbeiter bieten ehrenamtlich Sportkurse für Migranten in und um Herzogenaurach an.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Adidas beschäftigt im Augenblick keine Flüchtlinge und hat keine speziellen Programme in Planung, begrüßt aber, dass die Rahmenbedingungen sich vereinfachen sollen. Qualifizierte Bewerber seien jederzeit willkommen, heißt es in der Konzernzentrale.

Allianz

Foto: DPA

Deutschlands größter Versicherer hat seinen Sitz in München - dort, wo in den vergangenen Wochen die meisten Flüchtlinge ankamen. Unter dem Motto "Allianz - wir helfen!" hat das Unternehmen mehrere Hilfsaktionen gestartet, eine Intranetseite, auf der sich Mitarbeiter informieren können, wo in ihrer Umgebung sie ehrenamtlich oder finanziell helfen können, ist im Aufbau.

Humanitäre Hilfe

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz  sammelt, sortiert und verteilt die Allianz  an allen Standorten Sachspenden für die akute Erstversorgung der Flüchtlinge und koordiniert Helfer. Zusätzlich unterstützt der Konzern Hilfsorganisationen finanziell, die Flüchtlingen und Folteropfern helfen. Aktuell sammeln Allianz-Mitarbeiter am größten Standort in Unterföhring Winterkleidung, weitere Aktionen sind in Vorbereitung. "Uns ist es wichtig, dass die Hilfe da ankommt, wo sie tatsächlich gebraucht wird - bei den Menschen", sagt Vorstandschef Manfred Knof.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, erwartet, dass sich die Zuwanderung positiv auf den deutschen Arbeitsmarkt auswirken und dem Fachkräftemangel langfristig entgegenwirken wird. Zunächst müssten die ankommenden Menschen jedoch in die Lage versetzt werden, die Flucht zu verarbeiten. Erst im Anschluss könnten sie ins Berufsleben einsteigen. "Wir als Unternehmen werden unseren Beitrag leisten", sagt Vorstandschef Knof. Man arbeite "mit Hochdruck an Konzepten".

BASF

Foto: DPA

Deutschlands größter Chemiekonzern fördert ehrenamtliches Engagement seiner Mitarbeiter über einen globalen Wettbewerb namens "Connected to Care". In diesem Rahmen werden auch Integrationsprojekte von Mitarbeitern in Deutschland unterstützt. Darüber hinaus engagiert sich BASF  sowohl direkt als auch über die BASF Stiftung.

Humanitäre Hilfe

In der Region Rhein-Neckar unterstützt BASF seit Ende 2014 mehr als 20 Projekte zur Integration von Flüchtlingen, zum Beispiel Sprachkurse, kinder- und familienorientierte Integrationsprogramme sowie Theater- oder handwerkliche Projekte für und mit Flüchtlingen. Die BASF Stiftung fördert seit 2012 verschiedene Programme der Vereinten Nationen (UN) und anderer internationaler Organisationen zur Bewältigung von Flucht- und Migrationsfolgen.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Junge, motivierte Flüchtlinge und Migranten können helfen, den drohenden Fachkräftemangel abzumildern, glaubt man bei BASF. Aktuell gibt es aber keine Programme, Flüchtlinge als Mitarbeiter zu rekrutieren. Hier setzt der Konzern auf eine gemeinsame Initiative der Chemieindustrie und der Gewerkschaft IG BCE. Entscheidende Voraussetzungen seien aber eine intensive Sprachförderung der Migranten sowie ein Bleiberecht für die Flüchtlinge. Derzeit denkt BASF darüber nach, wie Sprachkurse in das bestehende Ausbildungsprogramm für förderungsbedürftige Jugendliche eingebaut werden können.

Bayer

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Der Pharmakonzern engagiert sich auf mehreren Ebenen in der Flüchtlingshilfe: als Unternehmen, über seine Stiftungen und über seine Sportvereine wie Bayer 04 Leverkusen. "Die Integration der Flüchtlinge ist eine der wichtigsten gesamtgesellschaftlichen Aufgaben", sagt Personalvorstand Michael König. Bayer wolle "auf verschiedenen Wegen dazu beitragen, dass insbesondere junge Flüchtlinge eine Perspektive erhalten".

Humanitäre Hilfe

Mitarbeiter, die Flüchtlingen helfen wollen, stellt Bayer  bis zu acht Tage von der Arbeit frei - bei voller Bezahlung. An vielen Unternehmensstandorten in ganz Deutschland sind zudem dezentrale Aktionen zugunsten der lokalen Flüchtlingshilfe geplant. Die Bayer-Stiftung in Berlin investiert in den nächsten fünf Jahren rund 400.000 Euro in die Bildungs- und Zukunftschancen von Flüchtlingskindern. Von dem Geld werden Lehrer von Willkommensklassen geschult, besonders talentierten Flüchtlingskindern werden ab 2016 Praktika im Unternehmen sowie ein individuelles Mentorenprogramm angeboten. Auf konkrete Anfragen von Hilfsorganisationen hilft die Bayer-Stiftung zudem mit Geld- oder Sachspenden. Der Schwerpunkt der Hilfe liegt hier auf der Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen. Derzeit laufen Gespräche über die Ausstattung von Stationen zur medizinischen Erstversorgung in Notunterkünften und Auffanglagern. Der Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen spendet für jedes verkaufte Ticket aus dem ersten Champions-League-Heimspiel einen Euro für die Flüchtlingshilfe.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Noch in diesem Jahr will Bayer einen ausbildungsvorbereitenden Aufbaukurs für zunächst zwanzig junge Flüchtlinge anbieten. "Das Ziel ist, die für einen Einstieg in das Berufsleben häufig noch unzureichenden Sprachkenntnisse der Flüchtlinge zu verbessern und den Teilnehmern eine erste Berufsorientierung zu vermitteln", sagt Bayer-Personalchef Georg Müller. Anschließend folgt ein vierwöchiges Praktikum im Werk Leverkusen. Erfolgreiche Teilnehmer können sich für das Starthilfe-Programm für förderungsbedürftige Jugendliche bewerben. Ein festes Kontingent dieser besonderen Ausbildungsplätze wird künftig speziell für Flüchtlinge reserviert.

Beiersdorf

Foto: DPA

Der Nivea-Hersteller tritt als Unternehmen in der Flüchtlingshilfe selbst nicht in Erscheinung. Die Hamburger helfen indirekt - etwa durch die langfristig angelegte Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen.

Humanitäre Hilfe

Über die gemeinnützige Gesellschaft Innatura gGmbH  spendet Beierdorf Duschgel, Cremes und Pflaster an Flüchtlingsprojekte. Mitarbeiter des Unternehmens helfen an so genannten "Team Tagen" unter anderem in Flüchtlingsunterkünften. Privates ehrenamtliches Engagement der Mitarbeiter wird unterstützt.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Beiersdorf  plant, Flüchtlingen Anerkennungs- und Orientierungspraktika anzubieten. Das Projekt befindet sich noch im Aufbau.

BMW

Foto:

CHRISTOF STACHE/ AFP

Der Münchner Autohersteller sieht den Zustrom von Flüchtlingen mittelfristig als Chance, neue Fachkräfte zu gewinnen, und beteiligt sich bereits seit mehreren Jahren an verschiedenen Integrationsprojekten in der Arbeitswelt.

Humanitäre Hilfe

Die Frage, ob und wenn ja wie der Konzern hilft, die aktuelle Not der Flüchtlinge in Deutschland zu lindern, ließ BMW  unbeantwortet.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Bereits beruflich qualifizierten Flüchtlingen bietet BMW einen Orientierungseinsatz mit flankierendem Sprachkurs an. Das Programm, das in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit  entwickelt wurde, soll im November mit ca. 50 Flüchtlingen am Standort München beginnen. Anschließend soll es auf die BMW-Werke Landshut, Dingolfing, Regensburg, Leipzig und Berlin sowie ausgewählte BMW-Niederlassungen ausgedehnt werden. Ein weiteres Maßnahmenpaket, eine Kombination aus Sprachkursen und Einsätzen zur Berufsorientierung und Qualifikation ist in Planung.

Commerzbank

Foto: Arne Dedert/ picture alliance / dpa

Das Frankfurter Geldhaus sieht nach eigenen Angaben Zuwanderung als große Chance für unsere Gesellschaft, sich weiterzuentwickeln und neue Ideen hervorzubringen. Daher unterstützt die Commerzbank  ehrenamtliches Engagement ihrer Mitarbeiter und sammelt Spenden.

Humanitäre Hilfe

Commerzbank-Mitarbeiter haben bis zum Jahresende die Möglichkeit, sich zwei bezahlte Arbeitstage freistellen zu lassen, um Flüchtlingen direkt vor Ort zu helfen. Gemeinsam mit der Johanniter Unfallhilfe  hat die Bank eine Spendenaktion unter allen Beschäftigten gestartet, um die mehr als 30 Johanniter-Flüchtlingseinrichtungen zu unterstützen, die täglich rund 20.000 Menschen betreuen, darunter viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Zudem leisten vielen Filialen Hilfe vor Ort. So hat etwa die Niederlassung in Dresden der Stadtverwaltung Räumlichkeiten angeboten, um dort Sprachkurse für Flüchtlinge abzuhalten.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Deutschlands zweitgrößte Bank sieht in der Zuwanderung eine wirkungsvolle Möglichkeit, um dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken. Konkrete Maßnahmen, Flüchtlinge als Arbeitnehmer zu gewinnen, gibt es aber derzeit nicht. "Im Moment ist es zu früh, eine konkrete Aussage zu treffen", heißt es bei der Commerzbank.

Continental

Foto: DPA

Der Autozulieferer aus Hannover ist stolz auf seine Internationalität. "Das Zusammenspiel von Menschen aus vielen Ländern und Kulturen und ihre Integration in unsere Unternehmenskultur gehört für uns zur DNA", schreibt das Unternehmen auf Anfrage von manager-magazin.de. Für die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge gelte es, Perspektiven zu schaffen, ohne dabei zu große Erwartungen zu wecken. "Wenn wir alle an einem Strang ziehen, dann bekommen wir das hin." Klingt fast wie die Kanzlerin.

Humanitäre Hilfe

Hier wird der Dax-Konzern schweigsam: Die Frage nach humanitärem Engagement für Flüchtlinge lässt die Kommunikationsabteilung unbeantwortet.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Das Thema Migration als Antwort auf den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel beschäftigt Continental  nach eigenem Bekunden schon lange. "Flüchtlinge würden gut in die große Bandbreite unserer Aus- und Weiterbildungsprogramme passen. Dasselbe gilt für Software-Spezialisten und Ingenieure." Conti setze eher auf ein langfristiges Konzept in Zusammenarbeit mit Behörden und Verbänden, um den Flüchtlingen eine sinnvoll geplante Integration zu ermöglichen. Von einer "Odyssee mit zig Einzelmaßnahmen und Praktika" hält die Unternehmensleitung nichts. Wichtig sei ein belastbarer rechtlicher Rahmen für die Integration. Dann biete die Flüchtlingswelle "grundsätzlich große Chancen für die deutsche Gesellschaft und die deutsche Wirtschaft".

Daimler

Foto: PHILIPPE HUGUEN/ AFP

Vorstandschef Dieter Zetsche war einer der ersten Topmanager, die das Thema Flüchtlinge öffentlich thematisierten - als große Chance für die deutsche Wirtschaft. Im besten Fall könne der Zustrom von Migranten die Grundlage für ein neues Wirtschaftswunder sein, so der Daimler-Chef. Auch im humanitären Bereich engagiert sich der Autobauer. "Respekt, Toleranz und Menschlichkeit sind Grundwerte unseres Unternehmens. Die Flüchtlinge, besonders die Kinder, brauchen unsere Hilfe. Deshalb unterstützen wir so gut wir können", sagt Personalvorstand Wilfried Porth.

Humanitäre Hilfe

Eine Million Euro Soforthilfe hat der Stuttgarter Autobauer an Hilfsprojekte für Flüchtlingskinder gespendet. Zudem hat das Unternehmen einen Spendenaufruf an seine Mitarbeiter gestartet und will die dabei erzielte Summe verdoppeln. In Zusammenarbeit mit Luftfahrt ohne Grenzen  organisierte das Unternehmen bislang drei Hilfskonvois für syrische Flüchtlingslager in die Türkei und zwei Hilfsflüge in den Nordirak. Ferner fördert Daimler  Initiativen auf lokaler Ebene, darunter der Welcome-Fonds der Stadt Stuttgart und Integrationsprojekte der Stadt Sindelfingen mit je 100.000 Euro.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Die Daimler-Personalabteilung müht sich, der Ankündigung von Konzernchef Zetsche, Flüchtlinge als Wirtschaftswunderhelfer zu nutzen, Taten folgen zu lassen. Zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit  und den Betriebsräten will sie ein mehrwöchiges Einarbeitungspraktikum für Flüchtlinge entwickeln, das neben einem praxisnahen Training in Mercedes-Werken auch Deutschkurse enthalten soll. Ziel ist es, dadurch mehrere hundert Flüchtlinge zu qualifizieren. Das Pilotprojekt soll im Werk in Stuttgart-Untertürkheim starten - wann steht noch nicht fest.

Deutsche Bank

Foto: REUTERS

Deutschlands größtes Geldhaus will zur Integration der Flüchtlinge in Deutschland einen Beitrag leisten - möglichst unkompliziert und praxisorientiert. Dabei engagiert sich sowohl die Bank selbst als auch die Deutsche Bank Stiftung.

Humanitäre Hilfe

Statt auf große bundesweite Aktionen legt die Deutsche Bank  den Fokus auf die Unterstützung von Flüchtlingen vor Ort. So sammeln die Mitarbeiter in Köln und Leverkusen Sachspenden in ihren Filialen. In Berlin und Hannover half die Bank mit Freiwilligen und Geldspenden beim Einrichten neuer Flüchtlingsunterkünfte. In Arnsberg (Nordrhein-Westfalen) unterstützt sie Deutschkurse und die Organisation von Freizeitprogrammen für Flüchtlingskinder, Sammeln von Sachspenden und gemeinsame Gestaltung der Außenanlagen. Darüber hinaus fördert das Unternehmen Koch- und Kunstaktionen sowie Fußballturniere mit Flüchtlingen.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Besondere Angebote für den beruflichen Einstieg von Flüchtlingen macht die Deutsche Bank nicht. Sie legt aber Wert auf die Feststellung, dass sie heute schon Mitarbeiter aus 145 Nationen beschäftigt. "Bei entsprechender Qualifikation und gültiger Arbeitserlaubnis stehen alle extern ausgeschriebenen Stellen selbstverständlich allen potentiellen Bewerbern offen, unabhängig von ihrem Herkunftsland", sagt ein Sprecher.

Deutsche Börse

Foto: DPA

Deutschlands größter Finanzplatz gehört zu den wenigen Dax-30-Unternehmen, die sich derzeit weder finanziell noch humanitär für Flüchtlinge engagieren. "Aktuell prüfen wir, ob und in welcher Form die Gruppe Deutsche Börse  als Unternehmen einen Beitrag leisten kann, um Flüchtlinge nachhaltig zu unterstützen", teilte das Unternehmen auf Anfrage von manager-magazin.de mit. Die Frage nach Jobperspektiven für Flüchtlinge ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Deutsche Post

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Deutschlands größter Post- und Logistikkonzern sieht sich selbst als einen der aktivsten Konzerne in Sachen Flüchtlingshilfe. Gemeinsam mit mehreren Hilfsorganisationen hat der Konzern eine bundesweite Initiative gestartet, um die Asylsuchenden langfristig und nachhaltig zu unterstützen. "Als Unternehmen, das in Deutschland und zugleich weltweit zu Hause ist, wollen wir gemeinsam mit Partnern einen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge leisten", sagt Vorstandschef Frank Appel.

Humanitäre Hilfe

Insgesamt stellt das Unternehmen für das erste Jahr eine Million Euro für Programme zur Integration von Flüchtlingen zur Verfügung, insbesondere für Sprachunterricht und Berufsvorbereitung. Kooperationspartner sind unter anderem das Bündnis Aktion Deutschland Hilft, SOS-Kinderdorf, Stiftung Lesen und Teach First Deutschland. Zusätzlich bietet die Deutsche Post Bund, Ländern und Kommunen bis zu 100.000 Quadratmeter konzerneigene Grundstücksflächen und Gebäude an, die als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden könnten. Ähnlich wie die Deutsche Telekom erwägt auch die Post, verbeamtete Mitarbeiter zur Unterstützung der Flüchtlingsverwaltung abzustellen.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Als einer der größten Arbeitgeber des Landes bietet die Deutsche Post insgesamt 1000 Praktikumsplätze an, die den Flüchtlingen eine Perspektive für Ausbildung und Arbeit in Deutschland geben sollen. 100 Koordinatoren aus den verschiedenen Post-Niederlassungen betreuen die Projekte gemeinsam mit den Kooperationspartnern vor Ort betreut.

Deutsche Telekom

Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Als ehemaliger Staatskonzern hat die Deutsche Telekom  naturgemäß einen kurzen Draht nach Berlin. Und so telefonierte Konzernchef Tim Höttges persönlich mit Bundesinnenminister Thomas de Maiziere, um ihm Hilfe bei der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen zuzusagen. Für die Aktion wurde eigens eine Task Force gebildet, die Telekom-Personalchef Christian Illek leitet.

Humanitäre Hilfe

Auch in der Flüchtlingshilfe konzentriert sich die Telekom auf ihr Kerngeschäft: So stattet der Bonner Konzern zum Beispiel Notunterkünfte mit WLAN-Funknetzen aus, damit die Menschen leichter mit ihren Verwandten Kontakt aufnehmen können. Zudem baut die Telekom eine Internetplattform auf, auf der Hilfsangebote gebündelt und koordiniert werden sollen, und stellt Mitarbeiter ab, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge  bei der Bearbeitung von Asylanträgen unterstützen. "19 Mitarbeiter arbeiten bereits für das Amt", sagt Personalchef Illek.

Für die Beamten, die das Bundesamt im Zuge einer befristeten Abordnung unterstützen, teilt die Telekom und der Bund die anfallenden Kosten, teilt der Konzern auf Anfrage von manager magazin online weiter mit. Im Falle der Versetzung wechselt der Beamte zum Bundesamt (geht frühestens nach 6 Monaten), ab dann trägt das Amt die Kosten vollständig, weil der Mitarbeiter bei der Telekom ausscheidet.

Ferner prüft das Unternehmen, welche Gebäude und Grundstücke es den Kommunen für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen kann.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Über die Plattform workeer.de  stellt der Konzern Praktikumsplätze für Flüchtlinge zur Verfügung. "Bei entsprechendem Bedarf sind wir gerne bereit, die Zahl der Plätze zu erhöhen", so Personalchef Illek. Die Telekom-eigene Hochschule für Telekommunikation in Leipzig plant, Stipendien speziell für Flüchtlinge anzubieten.

Eon

Foto: Armin Weigel/ dpa

"In Not geratene Flüchtlinge haben Anspruch auf unsere mitmenschliche Solidarität. Dazu will auch Eon einen Beitrag leisten", sagt Vorstandschef Johannes Teyssen, der als Manager eines deutschen Energiekonzerns weiß, was Krisenmanagement bedeutet. Grundsätzlich sieht er den Flüchtlingszustrom als Chance für die hiesigen Unternehmen und den Standort Deutschland insgesamt.

Humanitäre Hilfe

Eon  stellt den Kommunen leer stehende Gebäude an den Kraftwerksstandorten Vilshofen (Bayern) und Veltheim (Nordrhein-Westfalen) als Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung - mietfrei für fünf Jahre. Aktuell prüft der Konzern in Abstimmung mit den Behörden, ob weitere Standorte für Flüchtlinge genutzt werden können.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Der Stromkonzern hofft, von gut ausgebildeten Flüchtlingen profitieren zu können. Voraussetzung dafür seien allerdings klare gesetzliche Regelungen, wann und wie hier lebende Flüchtlinge und Asylsuchende arbeiten dürfen. Daran fehle es derzeit noch. Eon prüft zudem, welche Qualifikationsmöglichkeiten oder Praktika man Flüchtlingen anbieten könne. Konkrete Angaben dazu könne man aber noch nicht machen.

Fresenius

Foto: AP

Als Klinikbetreiber und Medizintechnikhersteller engagiert sich Fresenius in der Flüchtlingshilfe vor allem im Gesundheitsbereich. Über die Holding Fresenius SE  und Fresenius Medical Care  ist der Konzern mit zwei Gesellschaften im Deutschen Aktienindex vertreten.

Humanitäre Hilfe

Um den Menschen in ihren Herkunftsregionen zu helfen, hat Fresenius Medikamente und Ersatzteile für Dialysegeräte für den Einsatz in Syrien und im Gaza-Streifen gespendet. Darüber hinaus unterstützen die verschiedenen Unternehmensbereiche Hilfsorganisationen bei der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung vor Ort. In Deutschland hilft die konzerneigene Klinikkette Helios bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen und bietet Räumlichkeiten für deren Unterbringung an. Einige Kliniken unterstützen darüber hinaus Flüchtlingseinrichtungen oder Hilfsorganisationen, sammeln Geld- und Sachspenden.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Bereits ausgebildeten und geeigneten Asylsuchenden bietet Fresenius schon heute die Aussicht auf einen Arbeitsplatz - inklusive Unterstützung bei Wohnungssuche und bei Behördengängen für die ganze Familie. Ob darüber hinaus spezielle Praktikums- oder Ausbildungsinitiativen für Flüchtlinge gestartet werden, prüft das Unternehmen zurzeit.

HeidelbergCement

Foto: HeidelbergCement

Um den Flüchtlingen in Deutschland zu helfen, deren Not zu lindern und zur Entschärfung der dramatischen Entwicklung beizutragen, rührt HeidelbergCement  schon mal Beton an: Die Bereitstellung von Wohnraum ist das Hauptanliegen des Baustoffkonzerns. Praktikumsplätze für Asylsuchende soll es auch geben. Bereits heute arbeiten in der Heidelberger Zentrale Mitarbeiter aus rund 40 Nationen.

Humanitäre Hilfe

HeidelbergCement verfügt über eine Vielzahl von mittelgroßen und kleinen Standorten in ganz Deutschland, insbesondere auch in ländlichen Gegenden. An mehreren Standorten habe man bereits Immobilien und Freiflächen identifiziert, die aktuell nicht genutzt würden und für die Unterbringung von Flüchtlingen bereitgestellt werden könnten, teilte das Unternehmen auf Anfrage von manager-magazin.de mit. Man sei in Kontakt mit den Gemeinden, um die Bedarfslage abzuklären.

Flüchtlinge als Fachkräfte

In Heidelberg will der Konzern zusätzliche Praktikumsplätze speziell für Flüchtlinge anbieten, allerdings nur für bereits qualifizierte. Derzeit würden die Rahmenbedingungen mit der Stadt geprüft. Darüber hinaus sucht HeidelbergCement Fachkräfte in der Konzernzentrale - gern auch mit internationalem Hintergrund.

Henkel

Foto: Maja Hitij/ picture alliance / dpa

Waschmittel, Allzweckreiniger, Shampoo und Duschgel werden in allen Flüchtlingsunterkünften dringend gebraucht. Der Konsumgüterhersteller (Schwarzkopf, Pril, Persil) leistet daher vor allem Sachspenden, um Flüchtlingen gezielt zu helfen. Dabei arbeitet der Düsseldorfer Konzern mit Hilfsorganisationen wie der Diakonie , der Arbeiterwohlfahrt  und dem Deutschen Roten Kreuz  zusammen. Neben Politik und Gesellschaft müsse auch die Wirtschaft Verantwortung für die Situation der Flüchtlinge übernehmen, schreibt Henkel  auf Anfrage von manager-magazin.de.

Humanitäre Hilfe

Henkel stattet diverse Erstaufnahmelager mit Wasch- und Körperpflegeprodukte aus und liefert diese nach Absprache mit den Hilfsorganisationen direkt in die Unterkünfte. Allein im August wurden bundesweit mehr als 300 Paletten verteilt. Auf eine Palette passen abhängig von der Verpackungsgröße zum Beispiel 240 Flaschen Flüssigwaschmittel 240 Stück oder 360 Packungen Allzweckreiniger. Darüber hinaus fördert die Fritz Henkel Stiftung diverse Projekte, in denen sich Mitarbeiter für Flüchtlinge einsetzen, indem sie zum Beispiel Behördengänge übernehmen oder ehrenamtlich Musikunterricht geben.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sieht das Unternehmen die Zuwanderung als Chance, die Fachkräftelücke zu schließen. Dafür sei es wichtig, Asylbewerber nach ihrer Anerkennung schnell und unbürokratisch in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren. Konkrete Maßnahmen zur gezielten Einstellung von Asylsuchenden gibt es bei Henkel derzeit nicht. Ausgeschriebene Stellen stünden aber prinzipiell jedem Bewerber offen.

Infineon

Foto: REUTERS

Zu Beginn der Massenflucht beschäftigte sich der Technologiekonzern aus München mit dem Thema Asylbewerber nicht besonders intensiv. Doch angesichts der Zehntausenden von Flüchtlingen direkt vor der eigenen Haustür hat ein Umdenken eingesetzt.

Humanitäre Hilfe

Infineon  will am Standort München eine Hilfseinrichtung für die Erstaufnahme von Flüchtlingen mit dringend benötigten medizinischen Materialien, insbesondere mit Medikamenten und Verbandszeug versorgen. Außerdem sollen je nach Bedarf Zelte und andere dringend benötigte Ausrüstung bereitgestellt werden. Weitere Maßnahmen würden derzeit geprüft, schreibt der Konzern auf Anfrage von manager-magazin.de.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Das deutsche Arbeitsrecht mit seinen strengen Regeln mache flexible und gleichzeitig nachhaltige Lösungen nicht leicht, so das Unternehmen. Spezielle Programme zur Integration von Flüchtlingen gebe es daher derzeit nicht.

K+S

Foto: obs / K+S

Der Salz- und Düngemittelhersteller, der sich gerade eines feindlichen Übernahmeversuchs des kanadischen Konkurrenten Potash erwehren muss, beschäftigt sich trotz seiner schwierigen Situation nach eigenen Angaben "intensiv mit der Thematik der Hilfe für Flüchtlinge".

Humanitäre Hilfe

Im Großraum Kassel, wo das Unternehmen seinen Sitz hat, hat sich das Unternehmen an verschiedenen Aktionen für Flüchtlinge beteiligt, etwa einer Sammlung von Kinderwagen oder einer Sammelaktion für Kleidung und Spielzeug für das Erstaufnahmelager in Calden. Darüber hinaus prüft K+S , welche werkseigenen Immobilien gegebenenfalls als Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden können.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Langfristig sieht der Dax-Konzern durchaus die Chance, Flüchtlingen auch eine Beschäftigung anbieten zu können. Konzepte dafür seien in Arbeit, aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkret, teilte K+S auf Anfrage von manager-magazin.de mit.

Lanxess

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Der Chemiekonzern ist seit dem 21. September 2015 nicht mehr im Dax vertreten, nahm aber dennoch an der Umfrage von manager-magazin.de teil. Lanxess  ist "sehr stolz, dass viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich privat an ihren Wohnorten für Flüchtlinge engagieren", bleibt mit Aussagen zu eigenen humanitären Aktionen aber vage.

Humanitäre Hilfe

Man sei sich "der großen Herausforderung sehr bewusst" und arbeite zurzeit an verschiedenen Maßnahmen für die Standorte Köln, Leverkusen, Dormagen und Krefeld, teilte Lanxess mit. "Hier sind wir im direkten Kontakt mit den Stadtverwaltungen vor Ort, um dort den Hilfe suchenden Menschen eine bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen." Mögliche Bereiche, in denen man helfen wolle, seien die Förderung von Deutschkursen sowie die Finanzierung von Unterrichtsmaterialien und Lehrkräften.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Zu diesem Punkt machte das Unternehmen keine Angaben.

Linde

Foto: Frank Leonhardt/ picture alliance / dpa

Der Gase-Hersteller will sich nachhaltig für diejenigen Flüchtlinge einsetzen, die dauerhaft im Land bleiben werden. Hierbei gehe es vor allem um die Bereitstellung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen.

Humanitäre Hilfe

Zu diesem Punkt der Umfrage machte das Unternehmen keine Angaben.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Man sei derzeit in Gesprächen mit der Bundesagentur für Arbeit  und prüfe, ob und wie Linde  entsprechende Praktikums- oder Ausbildungsplätze für Flüchtlinge zur Verfügung stellen könne, teilte das Unternehmen mit. Prinzipiell sehe man den Zustrom von Asylbewerbern als Chance für potentielle neue Mitarbeiter - allerdings sei dies an konkrete Bedingungen geknüpft: "Grundvoraussetzung sind ausreichende Sprachkenntnisse und die rechtliche Sicherheit, dass auszubildende bzw. eingestellte Flüchtlinge auch dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen."

Lufthansa

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Deutschlands größte Fluggesellschaft hält puren Aktionismus in akuten Krisensituationen für kontraproduktiv. Sie lege "großen Wert auf ein bedarfsgerechtes, abgestimmtes Nothilfemanagement". Über die konzerneigene Hilfsorganisation Help Alliance, die nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien 2004 ins Leben gerufen wurde, leistet Lufthansa  in Abstimmung mit Behörden und Helfern vor Ort auf vielfältige Weise Soforthilfe - insbesondere am von der Flüchtlingswelle besonders betroffenen Standort München.

Humanitäre Hilfe

Die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs unterstützt die Flüchtlingshilfe München  und die Polizei am Münchner Hauptbahnhof und versorgt die ankommenden Asylsuchenden mit Wasser, Snacks und Hygieneartikeln. Allein am 1.9.2015 wurden 5000 Flaschen Wasser und mehr als 10.000 Snacks ausgeliefert. Die Billigflugtochter Germanwings transportierte eine halbe Tonne Obst zur Versorgung der Bürgerkriegsflüchtlinge auf die auf griechische Insel Kos. Weitere Anfragen für Soforthilfeaktionen würden derzeit geprüft, teilte die Lufthansa mit. Zudem wurde ein konzernweiter Spendenaufruf gestartet.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Konkrete Pläne zur Beschäftigung von Flüchtlingen verfolgt die Airline derzeit nicht. Hierzu müssten zunächst die rechtlichen Voraussetzungen geprüft werden.

Merck

Foto: DPA

Der Pharmakonzern Merck  sieht seine humanitäre Aufgabe vor allem darin, die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge langfristig zu verbessern. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf seine Kernkompetenzen: Gesundheitslösungen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen und Patienten.

Humanitäre Hilfe

Merck unterstützt Krankhäuser auf dem Balkan durch die Bereitstellung moderner Betten für Intensivstationen oder bei Umbaumaßnahmen für behindertengerechten Zugang. Den Kampf gegen Ebola in Afrika unterstützte Merck mit 250.000 Euro, 2016 sollen in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO insgesamt 250 Millionen Tabletten gegen die Tropenkrankheit Bilharziose kostenlos an alle afrikanischen Schulkinder ausgeliefert werden. Zudem prüft das Unternehmen am Standort Darmstadt Spenden für die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Pläne, gezielt Flüchtlinge anzuwerben oder auszubilden gibt es bei Merck nicht. "Eine gezielte Personalauswahl zugunsten von bestimmten Herkunftsländern würde dem in Deutschland geltenden Antidiskriminierungsgesetz widersprechen", teilte der Konzern auf Anfrage von manager-magazin.de mit. "Kein Bewerber darf aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder Herkunft benachteiligt, aber auch nicht bevorzugt werden." Man sei jedoch offen für Bewerbungen von Asylbewerbern. "Auf freie Stellen kann sich jeder bewerben und wir werden entsprechend Eignung, Leistung und Befähigung die Personalauswahl treffen."

Munich Re

Foto: Tobias Hase/ picture alliance / dpa

Mit vielen Einzelaktionen an verschiedenen Standorten unterstützt der Münchner Versicherungskonzern Flüchtlingsinitiativen und Hilfsorganisation in Deutschland.

Humanitäre Hilfe

Mitarbeiter von Munich Re  starteten im Dezember 2014 eine erste Sach- und Geldspendenaktion, bei der 10.000 Euro sowie zahlreiche Spiele und Bücher für die Flüchtlings-Erstaufnahmeeinrichtung in Fürstenfeldbruck zusammenkamen. Der Rückversicherer bedachte ausgewählte Hilfsorganisationen mit Spenden und unterstützt zusätzlich die Münchner Plattform "Welcome Munich" für Flüchtlinge finanziell. Die Erstversicherungstochter Ergo spendete den Erlös ihres Sommerfestes von rund 10.000 Euro der Organisation Stay!, zudem läuft eine Spendenaktion zugunsten des Deutschen Roten Kreuzes . Weitere Aktionen sowohl von Mitarbeitern (unterstützt durch die Schinzler Stiftung) als auch vom Unternehmen sind in Planung. Munich Re lässt unter anderem vom zuständigen Landratsamt prüfen, ob ein unternehmenseigenes Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden kann. Jeder Mitarbeiter, der sich an zwei Urlaubstagen für die Flüchtlingshilfe engagiert, wird vom Unternehmen für zwei weitere Tage bei voller Bezahlung für die ehrenamtliche Arbeit freigestellt.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Konkrete Maßnahmen zur Beschäftigung von Flüchtlingen gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Auf Anfrage von manager-magazin.de betont der Konzern jedoch, dass die Vielfalt der Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunftsländer für Munich Re eine entscheidende Voraussetzung sei, um die Kunden auf der ganzen Welt bestmöglich betreuen zu können. Kriterium für eine Anstellung sei jedoch nicht die Herkunft, sondern allein die Qualifikation der Bewerber.

RWE

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Der Essener Stromkonzern ist gerade selbst hilfsbedürftig, engagiert sich aber dennoch bei der Unterbringung von Flüchtlingen oder der Bereitstellung von Lagermöglichkeiten für Spendengüter - "im Rahmen unserer Möglichkeiten", wie RWE  auf Anfrage von manager-magazin.de mitteilte. Jede Anfrage und jeder Einzelfall werde auf Machbarkeit geprüft.

Humanitäre Hilfe

In Kerpen stellt RWE leer stehende Häuser und Wohnungen im Stadtteil Manheim, der wegen des Braunkohletagebaus aufgegeben wird, als Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung. In Bergheim kümmert sich der Konzern um die Stromversorgung für eine Zeltunterkunft. Zusätzlich können Mitarbeiter, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren wollen, nach Absprache mit ihrem Vorgesetzten einen Teil ihrer Arbeitszeit dafür verwenden.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Da RWE gerade selbst in der Krise steckt und zuletzt eher ein Arbeitsplatzabbau als ein -aufbau stattfand, stellt sich die Frage nach zusätzlichen Arbeitskräften für den Ruhrkonzern aktuell nicht. Grundsätzlich hält der Konzern es aber für wichtig und richtig, dem Fachkräftemangel in Deutschland durch "ein Paket an Maßnahmen" zu begegnen, "zu dem auch die Zuwanderung gehört". Entscheidend sei es, die Flüchtlinge möglichst schnell sowohl sprachlich als auch gesellschaftlich zu integrieren und die notwendigen politischen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

SAP

Foto: Uwe Anspach/ picture alliance / dpa

Der Softwarekonzern aus Walldorf sieht es als seine "gesellschaftspolitische Pflicht" an, "zur Lösung dieser gesamteuropäischen Aufgabe beizutragen". Das Engagement des Unternehmens für Flüchtlinge stütze sich auf drei Grundpfeiler: humanitäre Ersthilfe, Integration durch Einstellung sowie IT-Unterstützung bei der Erfassung der Asylsuchenden.

Humanitäre Hilfe

SAP  hat seine Mitarbeiter in Deutschland zu einer Spendenaktion für die Flüchtlinge aufgerufen. Der Konzern selbst stellt 500.000 Euro bereit und verdoppelt zusätzlich die Summe, die die Mitarbeiter sammeln. Das Resultat der Spendenaktion soll Integrationsprojekten in Deutschland zu Gute kommen. Zudem entwickelt das Unternehmen derzeit eine Antrags-, Analyse- und Kommunikationsplattform zur schnelleren Bearbeitung von Asylanträgen. Das Ziel ist, die Ersterfassung der Flüchtlinge zu systematisieren und den Abgleich mit Meldeämtern und anderen Behörden zu ermöglichen. Ein Prototyp in Form einer Smartphone-App ist bereits fertig, SAP rechnet mit einer funktionsfähigen Lösung bis Ende September.

Flüchtlinge als Fachkräfte

In den kommenden zwölf Monaten will SAP mindestens 100 Flüchtlingen, die über ein technisches Grundwissen verfügen, einen Praktikumsplatz anbieten. Akademische Weiterbildungsmaßnahmen im Fach Wirtschaftsinformatik sowie weitere Programme, mit denen sich Menschen mit einem Grundwissen im Bereich Computer Science für den Arbeitsmarkt vorbereiten lassen, würden derzeit geprüft. "Als Unternehmen mit Mitarbeitern aus 80 Ländern sind wir stets offen für Talente, die neue kulturelle Vielfalt einbringen", heißt es bei SAP.

ThyssenKrupp

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Bei ThyssenKrupp  sind es vor allem die Mitarbeiter, die sich an vielen Standorten für Flüchtlinge engagieren. "Wir setzen damit ein klares Zeichen, dass Menschen in Not in unserem Land willkommen sind", heißt es bei ThyssenKrupp. Das Unternehmen bietet zusätzliche Arbeitsplätze für Flüchtlinge an. Allerdings müsse man die Situation ehrlich und differenziert beurteilen: "Nicht alle Menschen, die zu uns kommen, haben die Qualifikationen, die wir brauchen, oder die Möglichkeit, sich diese noch anzueignen."

Humanitäre Hilfe

An vielen Standorten werden Sammelaktionen für Kleidung, Spielzeug und Kinderausstattungen durchgeführt. In direkter Nachbarschaft zur Konzernzentrale in Essen unterstützen mehr als 100 Mitarbeiter ein Flüchtlingsheim: Sie geben Deutschkurse, gestalten Bastelstunden für Kinder oder betreuen Sportangebote. ThyssenKrupp prüft die Einrichtung eines Internet-Hotspots, damit der Kontakt nach Hause gehalten werden kann, und ist in Kontakt mit der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, um mit freien Flächen zur Unterbringung von Flüchtlingen temporär zu helfen.

Flüchtlinge als Fachkräfte

ThyssenKrupp will in den nächsten zwei Jahren 150 zusätzliche Ausbildungsplätze, 230 zusätzliche Praktikumsplätze sowie weitere Facharbeiter- und Akademikerstellen in verschiedenen deutschen Konzernunternehmen für Flüchtlinge anbieten. Aktuell sind ist das Unternehmen im Gespräch mit den zuständigen Behörden, wie der Auswahlprozess laufen kann. Parallel werden konzerninterne Integrationsangebote wie Sprachkurse, Berufsberatungen, psychologische Unterstützungsangebote usw. geprüft, die einem Einstieg bei ThyssenKrupp vorgeschaltet werden können. Langfristig könnten sich Chancen für den Konzern daraus ergeben, so ThyssenKrupp auf Anfrage von manager-magazin.de. Aktuell seien zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt, da sich keine geeigneten Bewerber gefunden hätten.

Volkswagen

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Angesichts des Abgasskandals klingt der Satz etwas schräg: "Für Volkswagen  und seine Beschäftigten gehört die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung zum Kern der Unternehmenskultur." So schreibt es der Konzern auf der Internetseite VW AG hilft (http://vwag-hilft.de/ ), die eigens zur Koordination der zahlreichen Hilfsprojekte innerhalb des Konzerns eingerichtet wurde - bevor bekannt wurde, dass das Unternehmen den Schadstoffausstoß von Dieselfahrzeugen gezielt manipuliert hat. Bei der Flüchtlingshilfe wird Deutschlands größter Autobauer seinem eigenen Anspruch offenbar deutlich besser gerecht.

Humanitäre Hilfe

Allein die Konzerntochter Audi spendete eine Million Euro für lokale Hilfsprojekte, der Lkw-Hersteller MAN startete eine Spendensammlung unter seinen Mitarbeitern und kündigte an, die erzielte Summe großzügig aufzustocken. Gemeinsam mit der Stadt Wolfsburg hat Volkswagen an seinem Konzernsitz ein Integrationsprojekt für Flüchtlingskinder gestartet. Mit Sprachkursen und sozialpädagogischer Betreuung sollen sie auf das Schulleben bzw. den Berufseinstieg vorbereitet werden. Darüber hinaus spendete VW 5000 Sätze Bettzeug und Bettwäsche für Erstaufnahmelager und stellt werkseigene Wohnungen zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung. Über seine Internetseite vermittelt der Konzern zudem hilfswillige Mitarbeiter an verschiedene karitative Projekte.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Pläne für die Integration von Flüchtlingen seien in Arbeit, aber noch nicht spruchreif. "Ein Konzernarbeitskreis bündelt Maßnahmen und Bedarfe und setzt zentrale Programme auf", so ein Sprecher.

Vonovia

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Der Dax-Neuling kommt aus einer Schlüsselbranche für die Bewältigung des Flüchtlingszustroms. Deutschlands größter Immobilienkonzern sitzt auf einer der wichtigsten benötigten Ressource: Wohnraum. Nur der ist an vielen Orten in Deutschland schon jetzt knapp, besonders in den Ballungszentren. Die Leerstandsquote bei Vonovia-Wohnungen liegt bei nur 3,5 Prozent. Wo immer möglich unterstütze das Unternehmen aber "selbstverständlich die Städte und Kommunen dabei, Flüchtlingen ein Zuhause zu bieten", teilt Vonovia  auf Anfrage von manager-magazin.de mit. "Als Marktführer in der Immobilienbranche wollen wir damit unsere gesellschaftliche Verantwortung erfüllen."

Gleichzeitig verdient das Unternehmen an der Flüchtlingskrise, denn Städte und Gemeinden müssen für die Wohnungen Miete zahlen. Allein in Dresden sind rund 300 Wohnungen mit Flüchtlingen belegt, deutschlandweit leben mehrere Tausend Asylsuchende in Vonovia-Apartments. Eine Sprecherin betont, dass die zu zahlenden Mieten ortsüblich seien und hier nicht eine Notlage ausgenutzt werde. "Wenn wir angesichts des Wohnungsmangels in einigen Regionen unsere Wohnungen Flüchtlingen kostenlos überlassen würden, was sollten dann jene Bürger sagen, die keine bezahlbare Wohnung finden? Was meinen Sie, was dann los wäre?", gibt die Sprecherin zugleich zu bedenken.

Humanitäre Hilfe

Vonovia kümmert sich nach eigenen Angaben um die Integration der Migranten und arbeitet dabei mit Sozialarbeitern, karitativen Einrichtungen und Sprachschulen zusammen. In Bochum richtet das Unternehmen eine Jugendwohngemeinschaft für Flüchtlinge ein, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. Die Eröffnung der Wohngruppen soll noch in diesem Jahr erfolgen. In Bremen hilft das Unternehmen dabei, Flüchtlingsunterkünfte bezugsfertig herzurichten und langfristig instand zu halten.

Flüchtlinge als Fachkräfte

Das Immobilienunternehmen sucht bis Ende 2016 insgesamt 1000 neue Mitarbeiter, vor allem im handwerklichen Bereich und für die Gartenpflege. "Wir sehen die Zuwanderung durchaus als Chance, motivierte Mitarbeiter zu gewinnen", teilt Vonovia auf Anfrage von manager-magazin.de mit. "Sprachbarrieren lassen sich unserer Erfahrung nach gut überwinden." Der Konzern hat sich auf einer speziellen Jobbörse für Flüchtlinge (workeer.de ) registriert und steht mit der Arbeitsagentur  in Kontakt, um Zuwanderern Jobangebote machen zu können. Es gebe sowohl Möglichkeiten für Fachkräfte, als auch für Menschen ohne Ausbildung. Zudem biete man auch Praktika als Einstieg an. 50 Prozent der Auszubildenden hätten bereits heute einen Migrationshintergrund, so Vonovia.

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