Börsenprofi erklärt Darum kann der Dax noch weiter steigen

Von Carsten Mumm

Dax - gesunde Konsolidierung auf Extremniveau

Foto: manager magazin online

Nachdem sich der deutsche Leitindex seit 2011 in einem intakten und nachhaltigen Aufwärtstrend präsentiert, konnte er diesen zuletzt sogar noch "toppen". Durch das Überhandeln der oberen Kanallinie mündete der Blue-Chip-Index in eine Dynamik, die ihn bis knapp unter 12.400 Punkte trug.

Dann mussten die Anleger auf diesem doch sehr hohen Niveau eine merkliche Konsolidierung hinnehmen. Der Dax 30 gab im Zuge dessen zeitweise über 6 Prozent vom bisherigen Allzeit-Hoch ab. Welches charttechnische Fazit lässt sich nun daraus ableiten?

Erstens: Der Dax befindet sich charttechnisch immer noch oberhalb des langfristigen Aufwärtstrends. Kursrückschläge gehen einher mit einem "Wehklagen auf hohem Niveau".

Zweitens: "Lediglich" die Dynamik hat deutlich nachgelassen. Das heißt, die Rasanz der Aufwärtsbewegung nimmt vorerst deutlich ab.

Drittens: Der allgemeine Fokus liegt auf rund 11.600 Punkten. Selbst wenn der Dax darunter fallen sollte, weicht schlimmstenfalls die Dynamik dem normalen Aufwärtsmodus.

Carsten Mumm
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Carsten Mumm, Chefvolkswirt und Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Neben der Charttechnik sprechen aber auch die Fundamentaldaten für weiteres Aufwärtspotential. So gelten deutsche Standardwerte zwar schon seit Längerem nicht mehr als "billig", das aktuelle Bewertungsniveau ist aber durchaus als "fair" einzustufen.

Euro - trotz Problemen zweitwichtigste Währung weltweit

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Die aktuellsten Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) beweisen die weiterhin hohe Beliebtheit der europäischen Einheitswährung als globale Reservewährung. Im vierten Quartal 2014 verteilte sich der Löwenanteil der beim IWF gemeldeten Reserven auf zwei Währungen. Der US-Dollar war weltweit mit einem Anteil von knapp 63 Prozent die unangefochtene Nummer Eins.

Es folgten mit großem Abstand der Euro mit einem Anteil von rund 22 Prozent und der japanische Yen mit nur noch einem Anteil von 4 Prozent, knapp vor dem britischen Pfund mit 3,8 Prozent. Der kanadische sowie der australische Dollar konnten jeweils einen Anteil von rund 2 Prozent verbuchen.

Gemessen an den politischen und wirtschaftlichen Problemen, denen sich die Eurozone nun schon seit Längerem ausgesetzt sieht, ein durchaus beachtlicher und bemerkenswerter Spitzenplatz.

Brasilianische Aktien - Korrektur in vollem Gange

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Brasiliens Regierung möchte die Unabhängigkeit der Zentralbank weiter stärken, die fiskalische Konsolidierung soll weiter forciert werden und damit mehr ausländische Investoren angezogen werden. Allerdings müsste die Regierung dafür die jetzigen Rahmenbedingungen deutlich verbessern.

So stehen beispielsweise der Abbau der Bürokratie sowie eine Vereinfachung des Steuersystems ganz oben auf der Agenda. Zudem ist der Ausbau der Infrastruktur im ganzen Land unabdingbar - vor allem im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele im Jahre 2016 in Rio de Janeiro.

Betrachtet man den Aktienindex Bovespa mit der charttechnischen Strategie-Brille, dann gilt folgendes: Seit Ende 2010 korrigiert der brasilianische Leitindex. Er notierte damals bei rund 73.100 Indexpunkten. Im Juli 2013 hat er dann auf das 61,8 Prozent- Fibonacci-Retracement bei circa 46.000 Punkten aufgesetzt. Dieses Niveau fungiert auch seither als strategische Unterstützung und Ausgangsbasis einer übergeordneten "M-Formation", deren Spitze bei 61.800 Punkten zu sehen ist. Aus heutiger Sicht darf man ab einem Kursstand über 62.300 Punkte durchaus wieder "bullisch" werden.

Schweizer Aktien - SMI fällt aus dem Aufwärtstrend

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Der Schweizer Leitindex SMI testete zuletzt seinen technischen Widerstand bei rund 9416 Punkten. Er prallte dann allerdings nach unten ab und stand kurzfristig unter massivem Verkaufsdruck. Die Unterstützungszone von 9300 bis 9260 bot dem Index dabei auch keinen Halt. Der seit dem 26. März 2015 anhaltende Aufwärtstrend wurde damit unterhandelt.

Das heißt: Erst mit einem Anstieg über 9320 Punkte und einer damit verbundenen Rückkehr in den aktuell gebrochenen Aufwärtstrend könnte sich das Chartbild wieder verbessern und sich im Zuge dessen neue strategische Kaufsignale ergeben. Bis dahin gilt die Devise "Abwarten".

Ölpreis - Widerstand als Wendepunkt?

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Der Rohölpreis der Sorte WTI ist in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen und bis in den Bereich der Zwischenhochs von Mitte Februar vorgedrungen. Aktuell pendelt die Notierung bei rund 58 US-Dollar. Zuletzt konnte dieses Preisniveau im Dezember 2014 verzeichnet werden. Dadurch steigt nun auch das charttechnische Spannungsmoment.

Erstens: Gelingt der Break-Out und im Anschluss eine signifikante Fortsetzung der jüngsten Erholung?

Zweitens: Scheitert der Rohölpreis am aktuellen Niveau und fällt wieder deutlich ab? Rücksetzer unter die Marke von 50 US-Dollar wären hier nicht nur aus psychologischer Sicht ein erstes klares Warnsignal. Ein Durchsacken bis hin zu 44 US-Dollar könnte dann als kurz- bis mittelfristiges Resultat zu Buche stehen.

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